Craniomandibuläre Dysfunktion: Vergleich von konventionellen und alternativen Therapien – Ein Leitfaden

CMD – Verbreitung in der Bevölkerung

  • Nur jeweils 1 Prozent der Patientinnen (weiblich) und 1 Prozent der Patienten (männlich) zeigen ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Zähnen und Kiefergelenken (harmonische Okklusion).
  • 19,8 Prozent der Patientinnen gelten als beschwerdefrei, obwohl sie Merkmale einer Dysfunktion wie Zähneknirschen oder Abrasion der Zähne aufweisen.
  • Bei den Patienten sind es dagegen sogar 58,4 Prozent, die trotz abradierter Zähne durch Zähneknirschen keine Beschwerden äußern.
  • 79,2 Prozent der Patientinnen leiden unter schmerzhaften Symptomen wie Kopf- und Schulterschmerzen, Migräne, Muskelverspannungen oder Schluckbeschwerden.
  • Dagegen klagen nur 40,6 Prozent der Patienten über derartige Beschwerden.

Neue Wissenschaftliche Mitteilung zur zahnärztlichen Funktionstherapie

2022 Aufklärung und Beratung im Mittelpunkt

S2k-Leitlinie Okklusionsschienen zur Behandlung craniomandibulärer Dysfunktionen und zur präprothetischen Therapie, gültig bis Februar 2029
https://www.dgfdt.de/documents

https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-051

Grundsätze der CMD-Diagnostik

Zur Diagnostik der Craniomandibulärer Dysfunktionen (CMD) sind die Erfassung somatischer Funktionsbefunde (in Bezug auf Kiefermuskeln, Kiefergelenke, Okklusion) sowie ein Screenings in Bezug auf verschiedene Risikofaktoren etabliert (übermäßige Stressbelastung, Angststörungen, Depressionen, Komorbiditäten wie zum Beispiel Schmerzchronifizierung/ Schmerzerkrankung).

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e. V.
https://www.dgzmk.de/documents/Zahn-, Mund-, KHK

A) OKKLUSIONS-THESE

Allgemeine Schienen-Therapie

  • Klinische FA: Bei der klinischen/manuellen Funktionsanalyse handelt es sich um eine Sequenz verschiedener manueller Untersuchungen. Hierbei werden die Mundöffnung, die Kau-, Gesichts- und Kopfmuskulatur sowie die Kiefergelenke untersucht.
  • Instrumentelle FA: Die instrumentelle Funktionsanalyse umfasst Verfahren, die den Funktionszustand des Kiefergelenks messtechnisch erfassen, ihn beschreiben und analysieren. Die Systeme ermöglichen eine simultane dreidimensionale Registrierung der Unterkieferbewegung und der Kiefergelenksführung. 

https://aqualizer-shop.de

Sie ist sicher, langfristig einsetzbar und benötigt eine weitmaschige Nachsorge.

Mein Bericht: Schienen-Therapie mit der Michigan-Schiene: Einblicke in die Evidence-Based Medicine – Interview mit Prof. Dr. Türp

4) Jig-Schiene

Die Einsatzdauer ist eher kurzzeitig und eine engmaschige Nachsorge ist wichtig.

https://zahnarztpraxis-dr-wuehr.de

5) DIR®-System – Kosten: von etwa 1800 €

Sie kann die Kieferlage und die Zahnstellung ändern.

Mein Bericht: Digitale CMD-Behandlung mit dem DIR®-System – Interview mit Wolfgang Arnold

6) Ganzheitliche CMD-Therapie – Dr. Jürgen Dapprich – CMD Centrum Düsseldorf

Herr Dr. Dapprich fand in seinen Praxis-Jahren heraus, dass fast alle CMD-Patienten einen Beckenschiefstand und ca. 96 % eine Atlas-Blockade haben.

Die Folge war, dass sich bei 60 % der Fälle ständig die Kondylenposition und damit die Okklusion änderte.

Deswegen arbeitete er sehr eng mit HNO-Ärzten, Orthopäden, Physiotherapeuten, Atlas-Therapeuten, Chiropraktikern und Osteopathen, Schmerztherapeuten, Radiologen, Psychologen, Psychiatern, aber auch mit Schuhmachern zusammen.

Leider ist seine Praxis nach über 50 Jahren Arbeit geschlossen.

Mein Bericht: Ganzheitliche CMD Therapie – Kontakt mit Dr. Jürgen Dapprich

Außerdem sollte der Therapeut sich gut mit der Funktionsdiagnostik auskennen und sollte Myofunktionell geschult sein.

3) Einbeziehung des gesamten Bewegungsapparates

Mein Bericht: Ursachen von Schmerzen und Fehlhaltungen / Ganzheitliche Posturologie und eine optimale Körperhaltung

Kiefer-orthopädische Methoden –
Die große Frage

Dauerhafte kieferorthopädische Maßnahmen sollten nur in besonderen Ausnahmefällen und nach erfolgreicher Funktionstherapie durchgeführt werden.

Chirurgische Eingriffe – Nur für Mutige

Angle-Klasse I – Neutralbiss: Damit wird ein normales, ideales Gebiss beschrieben (Neutral-Okklusion). 60-70 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse II – Distalbiss: Damit wird ein Überbiss beschrieben. Der Unterkiefer liegt im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit hinten. 20-25 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse II – Offener BissHier liegt ein nicht verschließbarer Spalt zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen vor. 5 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse III – Progenie: Diese Fehlstellung beschreibt einen Vorbiss. Der Oberkiefer steht zu weit zurück bzw. der Unterkiefer zu weit vor. 1-3 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse III – KreuzbissDie Zähne im Ober- und Unterkiefer beißen auf beiden Seiten falsch zusammen. 1-7 % der Bevölkerung.

Mein Bericht: Kieferchirurgie bei einem Fehlbiss: Chancen und Risiken – Ein Leitfaden – Diverse Interviews

Bruxismus und CMD

  • von Schlafstörungen, wie Insomnie oder schlafbezogenen Atmungsstörungen (Schlafapnoe),
  • von Medikamenten: z.B. Antidepressiva, Antikonvulsiva, Antipsychotika, Antihistaminika, dopaminerge Medikamente, kardio-aktive Medikamente,
  • von einem Drogenkonsum: z.B. Rauchen, Alkohol, Amphetamine, Kokain, Ecstasy,
  • einer Erkrankung, wie Koma, Schädel-Hirn-Trauma.

Bruxismus gilt derzeit nicht als ursächlich heilbar.

Prothetik

Korrektur von falscher Prothetik

Mein Bericht: Logopädie & Myofunktionelle Therapie: Vorteile und Übungen

Ein Beispiel aus meinem Umfeld – Wie schwierig der richtige Weg bei der CMD-Therapie sein kann

Meine Freundin hatte Zahnreihen, die einen Kurven-ähnlichen Verlauf hatten, dazu hatte sie einen offenen Biss und konnte deswegen nicht richtig essen (20 Kilo Gewichtsverlust). Folgende Behandlungen wurden erwogen/durchgeführt:

Hmmmm. Da kommt man erst mal ins Grübeln.

B) OROFAZIALES SYSTEM/ MUSKULATUR

Funktions-Kieferorthopädie & Geräte

https://www.bionator.de

3) Funktionsregler nach Fränkel – Funktionelle Orthopädie im orofazialen Bereich – Kosten:

Die Fränkel Apparatur ist ein kieferorthopädisches Behandlungs- und Übungsgerät und dient der Behebung von Haltungsfehlern und abwegigen tonischen Funktionsmustern der Muskulatur.

Die Weitung der umgebenden Strukturen, insbesondere durch die vestibulären Schilde und Pelotten, soll strukturelle und funktionelle Restriktionen beseitigen und die Voraussetzungen für eine physiologische Größenentwicklung der Kiefer sowie für deren korrekte Lagerelation schaffen.

Der Funktionsregler folgt dabei dem Prinzip einer „erzwungenen Gymnastik“. Er soll nach dem Einsetzen das Erlernen neuer Funktionsmuster erzwingen.

Zudem wird ein physiotherapeutischer Effekt angenommen, der auf strukturelle Veränderungen der Weichteilkapsel im Sinne einer Dehnung und Streckung wirkt.

https://www.fraenkelzentrum.de

Mein Bericht: CMD-Therapie: Minimal-invasiv mit neuromuskulärem Ansatz – Relaktor

http://www.relaktor.de/das-relaktor-prinzip

Minimalinvasive Hilfsmittel

Studie zur Wirksamkeit des RelaxBogens
https://link.springer.com/content

Mein Bericht: RelaxBogen – Erkenntnisse aus der Osteopathie: Alternative zur Schienen-Therapie – Interview mit Christoph Seidenstücker

Mein Bericht: RehaBite, RehaSplint, Spoony – Interview mit Julia Bausch

Aber: Die empfohlene Tragedauer beträgt maximal 8 Wochen.

  • Bewegungstherapie zur Muskeldurchblutung
  • Stabilisierung

Bisskissen stellen aber keine Endlösung dar. Stimmt etwas mit dem Biss nicht und er verursacht Probleme, sollte man diese bei der Wurzel anpacken.

Langfristiges Tragen von Bisskissen kann nämlich auch die Verschiebung von Zähnen verursachen.

Mein Bericht: FreeBite – Kontakt mit Dr. Rainer Schöttl, D.D.S.(USA)

https://biteblog.de/freebite

https://www.sunstar.com/brands/professional-oral-care

Leider finde ich keine weiteren Informationen zur Cerezen-Therapie.

Der Cerezen war aber ein sehr guter Ansatz bei der CMD-Therapie.

Myofunktionelle Therapie – MFT

http://www.scodoni.ch

  • Geroprothetik
  • neue Konzepte zur Rehabilitation zahnloser Patienten
  • prothetische Rehabilitation mittels festsitzender Prothetik
  • kombiniert festsitzend-abnehmbarer Zahnersatz
  • implantatgetragene Prothetik
  • Rehabilitation von Patienten mit Funktionsstörungen im Bereich des Stomatognathen Systems (Kiefergelenksbehandlung)
  • für Kinder und Erwachsene
  • bei Problemen im Alter (Prothetik)
  • bei Kiefer-/Gesichtschirurgie-Patienten (prä- und postoperativ)

Mein Bericht: Logopädie & Myofunktionelle Therapie: Vorteile und Übungen

CMD-Therapie: Schulmedizin vs. Alternative Ansätze

  • Es bedarf eines Studien-Entwurfs.
  • Die Ergebnisse müssen fundiert bei der Ethik-Kommission vorgelegt werden.
  • Die Studien müssen am Menschen durchgeführt werden.
  • Sie müssen in einem Krankenhaus durchgeführt werden.
  • Am besten ist es, die Studien in einer Universitätsklinik durchzuführen. Dort ist es einfacher. 
  • Die Versuchsteilnehmer müssen umfassend über rechtliche Aspekte aufgeklärt werden. Die Patienten unterschreiben auch, dass sie über alle wesentlichen Punkte informiert worden sind. Das ist aber sehr viel Papierkram. 
  • Es dauert oft Monate bis Jahre, bis die Studien vollständig abgeschlossen sind.
  • Wenn der Studien-Entwurf und die ganze Studie nicht objektiv vorgeführt sind, dann gibt es auch keine Zulassung.
  • Die Studien-Durchführer müssen damit rechnen, dass es zu einem sich widersprechenden Ergebnis kommt. Dieser Grundsatz muss speziell im Abstract bei der Einführung, aufgegriffen werden.
  • z.B. Die Hypothese, dass die Schienen-Therapie (oder die funktionskieferorthopädischen Geräte) eine Craniomandibuläre-Dysfunktion kausal lindern oder sogar heilen können, ist nicht wirklich gegeben.
  • Fazit: Schienen (oder funktionskieferorthopädische Geräte) sind kein Allheilmittel.
  • Vor dem Film war der Cortisol-Spiegel im Norm-Bereich.
  • Nach dem Film war der Cortisol-Spiegel kurzzeitig um das 150-fache erhöht.
  • Bei einem 3D-Kino war der Cortisol-Spiegel kurzfristig sogar um das 400-fache erhöht.
  • Die Kinder waren auf jeden Fall nach dem Film sehr aufgedreht.

C) ZENTRALE THESE/PSYCHE

Psyche und CMD-Therapie

Vor allem haben Zahnärzte jahrelang geglaubt, dass kleine Fehlkontakte der Zähne die hauptsächliche Ursache von CMD seien. Heute weiß man, dass die Zähne nur eine geringe Rolle bei der Entstehung der Beschwerden spielen.

Tatsächlich findet man bei CMD-Patienten meistens keine anderen Bissverhältnisse als bei Gesunden.

Die größten bekannten Risikofaktoren für das Auftreten von CMD sind das weibliche Geschlecht, ein Alter zwischen 20 und 50 Jahren und zahlreiche psychische Belastungsfaktoren.

CMD Therapie nach Madsen

Die wichtigsten Bestandteile seiner Therapie sind die Beratung, Aufklärung und Anleitung zur Selbsthilfe:

  • Vermeiden unnötiger Zahnkontakte
  • Entspannungsübungen für die Kaumuskulatur
  • Stressmanagement
  • Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • manchmal Aufbissschienen
  • manuelle Therapie bei CMD-Therapeuten
  • die Gabe von Medikamenten
  • eine psychologische Schmerztherapie

Mehr dazu unter Madsen
https://www.madsen.de/behandlung/cmd

Mein Bericht: Körper-Geist-Seele-Verbindungen: Erfahrungen aus einem CMD-Forum

Mein Bericht: Zahn- und Kieferfehlstellungen und die psychische Gesundheit

Mein Bericht: Vegetatives Nervensystem: Sympathikus und Parasympathikus: CMD verstehen

Mein Bericht: MBSR: Stressbewältigung durch Achtsamkeit

Mein Bericht: Schmerzgedächtnis & Neurologie: Schmerzmechanismen erklärt

Weg der Entscheidung

Oft ist auch schon ein Schmerzgedächtsnis entstanden oder hormonelle (Wechseljahre bei der Frau) bzw. Stoffwechsel-Probleme liegen vor. Auch die Darmgesundheit, das Immunsystem, Bewegungsmangel und die Ernährung spielen eine wesentliche Rolle.