
CMD – Verbreitung in der Bevölkerung
Die meisten, akuten durch Stress verursachten CMD-Fälle klingen nach Ende der Stress-Symptomatik von alleine wieder ab.
- Nur jeweils 1 Prozent der Patientinnen (weiblich) und 1 Prozent der Patienten (männlich) zeigen ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Zähnen und Kiefergelenken (harmonische Okklusion).
- 19,8 Prozent der Patientinnen gelten als beschwerdefrei, obwohl sie Merkmale einer Dysfunktion wie Zähneknirschen oder Abrasion der Zähne aufweisen.
- Bei den Patienten sind es dagegen sogar 58,4 Prozent, die trotz abradierter Zähne durch Zähneknirschen keine Beschwerden äußern.
- 79,2 Prozent der Patientinnen leiden unter schmerzhaften Symptomen wie Kopf- und Schulterschmerzen, Migräne, Muskelverspannungen oder Schluckbeschwerden.
- Dagegen klagen nur 40,6 Prozent der Patienten über derartige Beschwerden.
Bei klaren Fehlern in der Okklusion (Zusammenbiss/Verzahnung der Zahnreihen), Kieferfehlstellungen oder Funktionsstörungen kann die CMD bei 20 % der Betroffenen behandlungsbedürftig werden.
Bei rund 10-15 % der CMD-Betroffenen wird die CMD chronisch, weil dann mehrere Risikofaktoren vorliegen. Jetzt besteht Handlungsbedarf. Und hier beginnt das Ärzte-Hopping ohne Ausweg.
Neue Wissenschaftliche Mitteilung zur zahnärztlichen Funktionstherapie
2022 Aufklärung und Beratung im Mittelpunkt
Deutlich hervorgehoben wird in der neuen Mitteilung (der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie, DGDFT, 2022) die Bedeutung von Aufklärung, Beratung und Anleitung zur Selbsthilfe.
Nicht jeder Zahnarzt muss dabei alle therapeutischen Optionen kennen und durchführen können. Diese Aspekte sollten stets Teil des Therapiekonzepts sein.
Dazu gehört auch die Information, dass Schmerzen und Beschwerden einer Craniomandibulären Dysfunktion in aller Regel eine gute Prognose haben.
Die Leitlinien repräsentieren die aktuellen Forschungsergebnisse und wissenschaftlichen Artikel aus der ganzen Welt.
S2k-Leitlinie Okklusionsschienen zur Behandlung craniomandibulärer Dysfunktionen und zur präprothetischen Therapie, gültig bis Februar 2029
https://www.dgfdt.de/documents
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-051
S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung des Bruxismus, gültig bis Mai 2024
https://www.dgfdt.de/documents/Bruxismus
Weitere Leitlinien, Stellungnahmen & Mitteilungen
https://www.dgfdt.de/aktuelle-leitlinien
Grundsätze der CMD-Diagnostik
Zur Diagnostik der Craniomandibulärer Dysfunktionen (CMD) sind die Erfassung somatischer Funktionsbefunde (in Bezug auf Kiefermuskeln, Kiefergelenke, Okklusion) sowie ein Screenings in Bezug auf verschiedene Risikofaktoren etabliert (übermäßige Stressbelastung, Angststörungen, Depressionen, Komorbiditäten wie zum Beispiel Schmerzchronifizierung/ Schmerzerkrankung).
Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e. V.
https://www.dgzmk.de/documents/Zahn-, Mund-, KHK
Mehrere Akteure im CMD-Dschungel
A) Vertreter der Okklusions-These (Zusammenbiss/ Zähne/ Kiefer)
B) Vertreter der Non-Okklusions-These (Muskulatur)
C) Vertreter der Zentralen-These (Nervensystem/ Psyche/ Hormone)
A) OKKLUSIONS-THESE
Allgemeine Schienen-Therapie
Knirscher-Schienen, Okklusions-Schienen, Funktionsanalyse
Orale Schienen kommen bei der Behandlung von Patienten mit CMD häufig zum Einsatz. Der Behandlungserfolg hängt dabei von vielen spezifischen und unspezifischen Faktoren ab.
1) Knirscher-Schienen:
Sie sollen die Auswirkungen des nächtlichen Zähneknirschens minimieren. Sie werden aber ohne Funktionsanalyse hergestellt und wirken deshalb nicht therapeutisch.
2) Okklusions-Schienen/Aufbiss-Schienen:
Wird in der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik die Okklusion (der Zusammenbiss der Zahnreihen mit Störungen) als Ursache für Veränderungen im Kausystem erkannt, kann eine Korrektur der Störungen mittels einer adjustierten Aufbiss-Schiene/Okklusions-Schiene zu einer Linderung der Beschwerden führen.
3) Funktionsanalyse:
Sie hilft dem Zahnarzt dabei, eine CMD diagnostizieren zu können. Hier unterscheiden wir die klinische und die instrumentelle Funktionsanalyse.
- Klinische FA: Bei der klinischen/manuellen Funktionsanalyse handelt es sich um eine Sequenz verschiedener manueller Untersuchungen. Hierbei werden die Mundöffnung, die Kau-, Gesichts- und Kopfmuskulatur sowie die Kiefergelenke untersucht.
- Instrumentelle FA: Die instrumentelle Funktionsanalyse umfasst Verfahren, die den Funktionszustand des Kiefergelenks messtechnisch erfassen, ihn beschreiben und analysieren. Die Systeme ermöglichen eine simultane dreidimensionale Registrierung der Unterkieferbewegung und der Kiefergelenksführung.
▶ Leider wird die Funktionsanalyse von den Krankenkassen nicht bezahlt.
Weitere Schienen und Hilfsmittel im genaueren Vergleich
1) Aqualizer – Kosten: 30 €

Der Aqualizer ist eine temporäre Einweg-Diagnoseschiene, die zur Linderung, Diagnose und Behandlung von CMD eingesetzt wird.
Das Wasser im Aqualizer gleicht die Okklusion des Patienten aus und verschafft ihm in den meisten Fällen eine schnelle Linderung. Nachteil: Er geht schnell kaputt.
2) Michigan-Schiene – Kosten: bis zu 800 Euro

Das Konzept der „Michigan-Schiene“ als „Relaxierungsschiene“, einphasige Äquilibrierungsschiene/adjustierte Aufbissschiene dient der Relaxation der Muskeln sowie dem Schutz der Zähne.
Sie ist der Gold-Standard in der zahnärztlichen Therapie für Patienten mit CMD. Logisch und richtig umgesetzt, wird mit ihr kein Schaden angerichtet.
Sie ist sicher, langfristig einsetzbar und benötigt eine weitmaschige Nachsorge.
▶ In den meisten Fällen werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.
3) DROS®-System – Kosten: bis zu 3500 Euro

Die DROS®-Therapie, Positionierungs-Schiene, bietet als diagnostisch-ursächliches Therapie-Konzept eine komplette Lösung zur Behandlung von Bruxismus, Zähneknirschen und CMD an.
Der Name dieser zweiphasigen Zentrik-Schiene leitet sich ab aus den Behandlungsstufen:
Phase 1:
Diagnose (D) der gestörten Okklusion mit Aufhebung der Fehlkontakte, Orientierung und Stabilisierung durch die Relaxation (R) der Kaumuskulatur.
Phase 2:
Neuorientierung des Unterkiefers (O) in seine physiologische Lage mit anschließender Stabilisierung (S) dieser Position.
Sie kann die Kieferlage und die Zahnstellung ändern.
Mein Bericht: DROS®-Therapie-Konzept bei CMD mit einer 2-phasigen Okklusions-Schiene – Interview mit Franz Weiß
https://www.dros-konzept.com/die-dros-schiene
▶ Leider werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
4) Jig-Schiene

Die Jig-Schiene ist eine Reflexschiene, bei der nur die unteren Frontzähne Kontakt haben. Wenn man nachts eine Jig-Schiene trägt, kann man beim Knirschen und Pressen keine hohen Kräfte mehr entfalten.
Sie wird maximal drei Wochen getragen (da es sonst zu Veränderungen im Biss kommt), um dem Unterkiefer zu helfen, näher an die Myozentrik zu kommen
Die Einsatzdauer ist eher kurzzeitig und eine engmaschige Nachsorge ist wichtig.
▶ Leider werden die Kosten von der Krankenkasse nicht übernommen.
https://zahnarztpraxis-dr-wuehr.de
5) DIR®-System – Kosten: von etwa 1800 €

DIR® ist das Kürzel für »Dynamics (Wirkung von Kräften) – Intraoral (im Mund) – Registration (Messung)« und steht für die Vermessung der Unterkieferbewegung, die im Rahmen der instrumentellen Funktionsdiagnostik durchgeführt wird.
Sie kann die Kieferlage und die Zahnstellung ändern.
Mein Bericht: Digitale CMD-Behandlung mit dem DIR®-System – Interview mit Wolfgang Arnold
▶ Leider werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
6) Ganzheitliche CMD-Therapie – Dr. Jürgen Dapprich – CMD Centrum Düsseldorf
Herr Dr. Dapprich fand in seinen Praxis-Jahren heraus, dass fast alle CMD-Patienten einen Beckenschiefstand und ca. 96 % eine Atlas-Blockade haben.
Die Folge war, dass sich bei 60 % der Fälle ständig die Kondylenposition und damit die Okklusion änderte.
Deswegen arbeitete er sehr eng mit HNO-Ärzten, Orthopäden, Physiotherapeuten, Atlas-Therapeuten, Chiropraktikern und Osteopathen, Schmerztherapeuten, Radiologen, Psychologen, Psychiatern, aber auch mit Schuhmachern zusammen.
Leider ist seine Praxis nach über 50 Jahren Arbeit geschlossen.
Mein Bericht: Ganzheitliche CMD Therapie – Kontakt mit Dr. Jürgen Dapprich
Weitere Informationen zur Schienen-Therapie
Welche Schienentypen sind heute relevant? Darstellung aus Sicht der Praxis und aus Sicht der Wissenschaft, 2013
https://www.researchgate.net/publication
Kieferwissen, Stefanie Kapp, Physiotherapeutin – Welche Schiene soll ich nutzen? – Eine Physiotherapeutin erklärt: Michigan-Schiene, Jig-Schiene, DROS-System, DIR-System, 2023
https://www.youtube.com/watch?v=pD2fYllwlOA&t=4s
Wissenswertes über Schienen aus der Sicht eines Zahntechnikers
Norbert Vogel: Nach den Gesetzen der Logik haben MAP/CMD-Patienten keine Myozentrik und es gibt auch keine diagnostische Möglichkeit, diese Position zu ermitteln, solange Verspannungen der Gesichtsmuskulatur existieren.
http://www.relaktor.de/wissenswertes-ueber-schienen
Erfolgsaussichten der Schienen-Therapie
Für den Erfolg einer Schienen-Therapie ist es wichtig, dass der Therapeut den Patienten umfassend aufklärt, ob sein System überhaupt infrage kommt.
Andere Befunde wie Tumore, Zahnerkrankungen, Entzündungen oder Krankheiten wie psychische/hormonelle Befunde etc. müssen mit abgeklärt werden.
Außerdem sollte der Therapeut sich gut mit der Funktionsdiagnostik auskennen und sollte Myofunktionell geschult sein.
Manchmal kann auch eine Kieferorthopädie oder Kieferchirurgie im Vorfeld notwendig sein.
Schienen-Therapie und Evidence-Based Medicine – Okklusionsthese
Das Problem der „Okklusionsthese“ liegt darin begründet, dass bisher niemand nachweisen konnte, wie eine „perfekte“ Okklusion aussehen muss.
In kontrollierten klinischen Studien konnte jedenfalls nicht gezeigt werden, dass die Beseitigung okklusaler Interferenzen und/oder „Equilibrierungsmaßnahmen“ die Aktivität von „Bruxern“ nachhaltig kurativ beeinflussen kann.
Kritik an den Schienen-Konzepten
1) Schienen-Therapie & Kieferfehlstellungen
Eine Schiene kommt auch an ihre Grenzen, wenn eine Kieferfehlstellung (Angle-Klasse II, III) vorliegt. Kieferfehlstellungen zählen zu den Dysgnathien und sind dadurch gekennzeichnet, dass Oberkiefer und Unterkiefer nicht stimmig bzw. optimal zueinanderstehen.
Das bedeutet, dass eine alleinige Schienen-Therapie in den meisten Fällen nicht ausreichend wäre. Erst nach einer OP könnten sich CMD-Symptome verbessern.
2) Fehlerhaft eingestellte Artikulatoren
Der Artikulator ist ein Gerät zur Simulation der Unterkieferbewegung und dient dem CMD-Zahnarzt und dem Zahntechniker im Rahmen der zahnärztlichen Funktionsanalyse zur Diagnose und Behandlung von Kaufunktions-Störungen.
Aber Schädelbezogene Bissnahmen und Artikulatoren gehen von Gelenk-Strukturen aus, die regelgerecht sind. Diese sind aber so in der Realität nicht vorhanden.
3) Einbeziehung des gesamten Bewegungsapparates
Bei der Anamnese und Diagnose wird meistens nicht untersucht, ob eine Mitbeteiligung des Bewegungsapparats (Fehlhaltungen/ Augenstörungen/ Probleme mit dem Gleichgewichtsorgan im Ohr/ Füße) vorliegt.
Wenn die Fehl-Stellung nicht interdisziplinär mit behandelt wird (Übungen/Einlagen), erhalten wir trotz Schiene keine stabile zentrische Kondylenposition, da sie sich ständig ändert.
Das passiert z.B., wenn vor der Schienen-Therapie ein funktioneller Beckenschiefstand besteht (ausgelöst durch eine Fußfehlstellung), der nicht mitbehandelt wurde. Dann ändert sich ständig die Okklusion und die Probleme des Patienten hören nicht auf bzw. werden nicht besser.
Kieferwissen, Stefanie Kapp, Physiotherapeutin – Warum eine Schiene nicht das Wundermittel bei CMD und Kieferschmerzen ist?
https://www.youtube.com/watch?v=5oas_9u7T1w
Fazit: Schienen-Therapie
Wenn Ihr Euch für ein Schienen-Konzept entscheidet, dann fragt bitte genau nach, wie die Erfolgsaussichten sind, wo die Grenzen der Behandlung liegen und speziell, welche Kontra-Indikationen in Eurem Fall gegeben sind.
Insbesondere bei Kieferfehlstellungen, starkem Bruxismus/Reiben, oder Psychischen Erkrankungen, kommen die meisten CMD-Therapien an ihre Grenzen.
Kiefer-orthopädische Methoden –
Die große Frage

Voraussetzungen und Grenzen der Kieferorthopädie
Dauerhafte kieferorthopädische Maßnahmen sollten nur in besonderen Ausnahmefällen und nach erfolgreicher Funktionstherapie durchgeführt werden.
Man muss wissen: Kieferorthopädische Maßnahmen sind bei CMD – und Myofunktionellen (muskulären) Störungen – ein Risiko! Erst mal angefangen, kann es schnell zu Problemen kommen, die nicht immer rückgängig gemacht werden können.
Kieferorthopädie setzt bei CMD mehr oder weniger eine Neutral-Okklusion (siehe unten) voraus. Liegen Kieferfehlstellungen vor, müssen diese erst operiert werden (was sehr selten ist).
Voraussetzungen wie eine gesunde Gesichtsmuskulatur und eine gute Körperstatik sollten vor Behandlungsbeginn zwingend vorliegen.
Bestehen muskuläre Verspannungen, werden diese das Behandlungsergebnis leider beeinflussen. Solche Tatsachen werden von Kieferorthopäden nicht beachtet oder erwähnt.
Die generelle, spezielle Problematik der Kieferorthopädischen CMD-Therapie liegt darin, den „exakten“ Punkt zur Befestigung der Brackets zu finden.
Mundgesundheit nach kieferorthopädischer Behandlung mit festsitzenden Apparaten unzureichend abgesichert:
http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte
Mein Bericht: Kieferorthopädie bei CMD im Vergleich: Sadao Sato MEAW-Technik
Chirurgische Eingriffe – Nur für Mutige

Unter einer Dysgnathie versteht man einen Fehlbiss, bei dem eine Kieferfehlstellung (z.B. ein vorstehender oder zurückliegender Unterkiefer oder Oberkiefer) und eine Zahnfehlstellung ohne regelrechte Verzahnung vorliegt.
▶ Angle-Klasse I – Neutralbiss: Damit wird ein normales, ideales Gebiss beschrieben (Neutral-Okklusion). 60-70 % der Bevölkerung.
▶ Angle-Klasse II – Distalbiss: Damit wird ein Überbiss beschrieben. Der Unterkiefer liegt im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit hinten. 20-25 % der Bevölkerung.
▶ Angle-Klasse II – Offener Biss: Hier liegt ein nicht verschließbarer Spalt zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen vor. 5 % der Bevölkerung.
▶ Angle-Klasse III – Progenie: Diese Fehlstellung beschreibt einen Vorbiss. Der Oberkiefer steht zu weit zurück bzw. der Unterkiefer zu weit vor. 1-3 % der Bevölkerung.
▶ Angle-Klasse III – Kreuzbiss: Die Zähne im Ober- und Unterkiefer beißen auf beiden Seiten falsch zusammen. 1-7 % der Bevölkerung.
Die chirurgische Therapie ist dann sinnvoll, wenn die konservative Therapie (Schienen-Therapie/Kieferorthopädie/Physiotherapie) nicht greift.
Auch mir wurde zu einer Kieferoperation geraten. Ich selbst habe die Angle Klasse III – eine kleine Progenie. Ich habe mich aber gegen eine Operation entschieden, weil mir das zu gefährlich vorkam und ich ein ungutes Bauchgefühl hatte.
Eine Freundin erzählte mir von den Fällen, die operiert worden sind. Diese Informationen hatte sie von ihrer Physiotherapeutin, die sich auf CMD-Chirurgie-Fälle spezialisiert hatte.
Anfangs waren sie beschwerdefrei, später traten andere Beschwerden auf, weil das muskuläre Zusammenspiel sich zum Negativen neu organisiert hatte. Muss aber nicht sein. Immer mit dabei sein sollte: eine Myofunktionelle Therapie (MFT: siehe unten).
▶ Kritik ebenfalls: Vernachlässigung von myofunktionellen Strukturen.
Bruxismus und CMD
Formen von Bruxismus
1) Primärer Bruxismus = ohne erkennbare Ursache, idiopathisch
2) Sekundärer Bruxismus = als Folge
- von Schlafstörungen, wie Insomnie oder schlafbezogenen Atmungsstörungen (Schlafapnoe),
- von Medikamenten: z.B. Antidepressiva, Antikonvulsiva, Antipsychotika, Antihistaminika, dopaminerge Medikamente, kardio-aktive Medikamente,
- von einem Drogenkonsum: z.B. Rauchen, Alkohol, Amphetamine, Kokain, Ecstasy,
- einer Erkrankung, wie Koma, Schädel-Hirn-Trauma.
Ursache und Behandlung von Bruxismus
Es gibt derzeit keine Belege dafür, dass die Okklusion und Bruxismus in
einem ursächlichen Zusammenhang stehen. In den Vordergrund rücken mehr und mehr zentrale Faktoren, wie emotionaler Stress, Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen (z.B. Insomnie).
Eine Schienen-Therapie bei Bruxismus kann zwar die Symptome lindern, indem sie die Zähne vor Abrieb schützt und Verspannungen im Kieferbereich reduziert, aber sie behebt nicht die Ursache des Problems.
Am besten sollten bei der Therapie harte Schienen verwendet werden, die alle Zähne bedecken.
Positive Effekte bei der Behandlung von Bruxismus konnten mit Biofeedback und Progressiver Muskelentspannung erzielt werden.
Okklusale Maßnahmen bei Bruxismus
Zur kausalen Behandlung von Bruxismus sollen definitive okklusale
Maßnahmen nicht eingesetzt werden.
Maßnahmen können aus funktionell-ästhetischen oder prothetischen Gründen erwogen werden, um die Folgen des Bruxismus auszugleichen.
Definitive okklusale Maßnahmen unterliegen einem höheren biologischen und technischen Risiko, worüber Patienten aufgeklärt werden sollten.
Vor Veränderung der Kieferrelation bei Bruxismus-Patienten mit definitiven
Prothetischen Therapiemaßnahmen, kieferorthopädischen und/oder kieferchirurgischen Veränderungen sollten Vorbehandlungen basierend auf funktionsanalytischen Maßnahmen erwogen werden.
Medikamente bei Bruxismus
Das Antikonvulsivum Gabapentin erwies sich in einer dreimonatigen Anwendung mit einer Zieldosis von 300 mg in der Polysomnographie (schlafmedizinische Untersuchung im Schlaflabor) einer Stabilisierungsschiene ebenbürtig, wobei Gabapentin zusätzlich die Schlafqualität verbesserte.
▶ Bruxismus gilt derzeit nicht als ursächlich heilbar.
S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung des Bruxismus
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-027
Prothetik

Bei der Eingliederung von prothetischen Versorgungen (Zahnersatz, wie Kronen, Brücken oder Prothesen) kann es zu Fehlern in der Okklusion kommen, die sich dann in Form von Schmerzen bemerkbar machen.
Deswegen ist es wichtig, dass vor der Eingliederung des Zahnersatzes eine Myofunktionelle Therapie (Übungen) gemacht wird.
Am besten eine MFT, die die Haltung mitkorrigiert.
Korrektur von falscher Prothetik
Als Erstes sollte die falsche Prothetik entfernt und mit MFT begonnen werden. Die MFT reguliert die Verspannungen, die durch den falschen Zahnersatz verursacht wurden.
Dazu gehören auch ganzheitliche Übungen (Zunge, Mimik, Augen, Gleichgewichtsorgan), die das Kiefergelenk neu zentrieren und Becken, Knie, Fuß-, Handgelenke und Schulter neu ausrichten. Und genau das hat auch Auswirkungen auf die Myozentrik und die Okklusion.
Der Unterkiefer befindet sich dann wieder mittig und durch die Verbesserung der Haltung wandert er auch wieder weiter nach hinten oder nach vorne.
Bei Prothetik-Fehlern ist eine tägliche Mitarbeit gefragt, damit der CMD-Betroffene selbst ein Gefühl dafür bekommt, wie die Kieferposition „vor dem Behandlungstermin“ physiologisch optimal ausgerichtet werden kann.
Mein Bericht: Logopädie & Myofunktionelle Therapie: Vorteile und Übungen
Weiterführende Informationen zu CMD und Prothetik liefert Frau Dr. Dr. Ingrid Grunert aus Innsbruck.
https://www.zmk-innsbruck.at/Prothetik.10.0.html
Ein Beispiel aus meinem Umfeld – Wie schwierig der richtige Weg bei der CMD-Therapie sein kann
Meine Freundin hatte Zahnreihen, die einen Kurven-ähnlichen Verlauf hatten, dazu hatte sie einen offenen Biss und konnte deswegen nicht richtig essen (20 Kilo Gewichtsverlust). Folgende Behandlungen wurden erwogen/durchgeführt:
1) CMD-Zentrum Kiel – Dr. von Peschke – Überkronen der Zähne
Sie hat bei Herrn Dr. von Peschke, der sich als ziemlich bekannter CMD-Experte vorstellt, einen Termin gemacht.
Er hat ihr den Vorschlag unterbreitet, unter Nichtbeachtung der Myofunktionellen Strukturen, für etwa 20.000 € ihre kompletten Zähne überkronen zu lassen.
▶ Hmmmm. Da kommt man erst mal ins Grübeln.
2) Bessere Alternative? Weichteil-Funktionsregler + Kieferorthopädie?
Sie überlegte und entschied sich, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Daraufhin fing sie zunächst eine 1,5 Jahrelange MF-Therapie (nach S. Codoni) an, plus eine Therapie mit einem Weichteil-Funktionsregler (siehe Relaktor weiter unten) bei einem anderen Therapeuten.
Kosten – Relaktor-Therapie: 1.000 €.
Das Ergebnis war, dass sich die Zahnreihen gut angenähert haben. Für den Rest entschied sie sich, mit einem alternativ-arbeitenden Kieferorthopäden zusammenzuarbeiten, damit der offene Biss geschlossen werden kann.
Kosten – Kieferorthopädie: 5.000 €.
▶ Jetzt hätte sie besser aufhören sollen!
3) Kiefer-Chirurgie
Der Kieferorthopäde eröffnete ihr dann, dass die Kieferorthopädie nicht ausreichend sein würde. Er schlug ihr eine Kiefer-OP vor, da es ihr nicht gelang, einen vollständigen Lippenschluss zu erzielen. Die Oberlippe ging nicht weit genug nach unten.
▶ Der Lippenschluss und die richtige Zungenruhelage sind aber extrem wichtig!
Gesagt, getan. Sie entschied sich für die OP und war positiv gestimmt. Das Ergebnis der OP war aber nicht zufriedenstellend. Dieses Mal gab es Probleme mit der Unterlippe. Sie war nämlich nicht lang genug, um mit der Oberlippe aufzuschließen.
B) OROFAZIALES SYSTEM/ MUSKULATUR
Funktions-Kieferorthopädie & Geräte
1) Aktivator nach Dr. Klammt – Ein Konstruktionsbiss mit geführter Unterkieferposition – Kosten: ab 1000€

Die Kieferorthopädie, die Myofunktionelles Handeln (MFT) nicht einbezieht, verwendet auch Geräte wie den Aktivator oder Bionator (Monoblock).
Das bedeutet, der Unterkiefer wird über einen Konstruktionsbiss, der auf die Geräte übertragen wird, mechanisch in die gewünschte Position gezwungen und soll Wachstum anregen (Angle-Klasse II) oder bremsen (Angle-Klasse III).
So angewendet, kann man nicht wirklich von Funktions-Kieferorthopädie sprechen.
Der Aktivator schiebt außerdem die Zunge zu weit nach hinten, weil nur da Platz für sie ist.
Der Aktivator funktioniert nur, wenn es gelingt, muskuläre Muster zu korrigieren, die für die Dysgnathie (Fehlentwicklungen der Zähne, der Kiefer und/oder des Kausystems) verantwortlich sind.
Er wird ausschließlich bei Kindern verwendet, da in diesem Alter noch Wachstum möglich ist. Im Erwachsenenalter ist es eher schwierig.
2) Bionator nach Balters – Ein Konstruktionsbiss mit geführter Unterkieferposition – Kosten: 1000 € – 1500 €

Der Bionator funktioniert ähnlich wie der Aktivator. Der Unterschied: Der Kunststoffanteil der Zahnspange ist schmaler als bei einem Aktivator und der Bereich der oberen Schneidezähne bleibt frei. Außerdem ist ein Gaumenbügel integriert, mit dem die Zungenlage korrigiert wird.
Das Verständnis von Wachstumszusammenhängen ist wichtiger als das Gerät. Der Monoblock wird im Konstruktionsbiss verwendet und dabei wird der Unterkiefer in Kopfbiss-Stellung gebracht.
Mehr als 2,5 mm Vorverlagerung verkraftet die Muskulatur nicht, alles, was darüber hinausgeht, ist unphysiologisch und macht das Gerät wirkungslos.
Wer sich den Bionator, verglichen mit dem Aktivator, anschaut, sieht, dass er schon ein Element hat, den Zungentonus anzusprechen. Allerdings wird der Biss von außen und von innen noch geführt (Zwangsbiss – das sieht auch jeder Laie), was den Unterkiefer noch sehr einschränkt, in seiner Beweglichkeit.
3) Funktionsregler nach Fränkel – Funktionelle Orthopädie im orofazialen Bereich – Kosten:

Die Fränkel Apparatur ist ein kieferorthopädisches Behandlungs- und Übungsgerät und dient der Behebung von Haltungsfehlern und abwegigen tonischen Funktionsmustern der Muskulatur.
Die Weitung der umgebenden Strukturen, insbesondere durch die vestibulären Schilde und Pelotten, soll strukturelle und funktionelle Restriktionen beseitigen und die Voraussetzungen für eine physiologische Größenentwicklung der Kiefer sowie für deren korrekte Lagerelation schaffen.
Der Funktionsregler folgt dabei dem Prinzip einer „erzwungenen Gymnastik“. Er soll nach dem Einsetzen das Erlernen neuer Funktionsmuster erzwingen.
Zudem wird ein physiotherapeutischer Effekt angenommen, der auf strukturelle Veränderungen der Weichteilkapsel im Sinne einer Dehnung und Streckung wirkt.
https://www.fraenkelzentrum.de
4) Relaktor (2010) – Freie Unterkieferbeweglichkeit – Kosten: 1000 €

Ein Betroffener Zahntechniker, hat aus seiner eigenen CMD-Geschichte einen Funktionsregler entwickelt, der über die Muskulatur ein neues und gesundes Bewegungsmuster im Gehirn verankert – ohne primär in die Okklusion einzugreifen.
Unterschied zu konventionellen Therapien
Eine befreundete Ärztin erklärte mir, dass die CMD-Therapeuten, die sich nicht tiefgreifend mit der Materie auskennen und zu starr im Denken sind, leider nur was von skelettalen Problemstellungen (Knöchernen Strukturen u.a. die Zähne) verstehen.
Das bedeutet, dass sie massiv in die Okklusion mit Kronen, Schienen oder Kieferorthopädie eingreifen.
▶ Leider ist der Erfinder des Relaktors 2023 in Rente gegangen. Und der Zahnarzt, mit dem er zusammengearbeitet hat, ist 2024 gestorben.
Mein Bericht: CMD-Therapie: Minimal-invasiv mit neuromuskulärem Ansatz – Relaktor
http://www.relaktor.de/das-relaktor-prinzip
Minimalinvasive Hilfsmittel
1) RelaxBogen – Kosten: 200 €

Setzt an zwei Muskelpaaren an
Der primäre Fokus des RelaxBogens liegt auf der Entspannung der beiden großen Kiefermuskeln und ihrer Faszien, da diese den größten Anteil der für das Knirschen und Pressen verantwortlichen Kräfte übernehmen.
Er ist ein Linderungsgerät, das aber kausal nicht zu einer Heilung beiträgt. Das bedeutet, dass ein ganzes Bündel an Muskeln notwendig ist, um gestörte Muster zu regulieren (Zunge, Mimik, Lippen etc.).
Studie zur Wirksamkeit des RelaxBogens
https://link.springer.com/content
2) Dr. Berndsen FaceFormer – Kosten: 30 €


Die Atmung und das Schlucken als essenzielle Funktions-Systeme
Er fördert die Entwicklung einer physiologischen Zungenhaltung, Zungenbewegung, Schluckbewegung und Atmung.
Hier ein ausführlicher Erfahrungsbericht von Christian Koch:
https://schluss-mit-zaehneknirschen.de/faceformer-gegen-zaehneknirschen-meine-ersten-erfahrungen
Mein Bericht: FaceFormer – Neurophysiologische Übungstherapie: Alternative zur Schienen-Therapie – Kontakt mit Dr. Klaus Berndsen
3) RehaBite – Kosten: 90 €

Kraftkontrolliertes intraorales koordinatives Training der Kaumuskulatur
Der RehaBite ist das erste Trainingsgerät, das ein kraftkontrolliertes intraorales koordinatives Training unter reproduzierbaren Trainingsbedingungen mithilfe eines hydrostatischen Systems – vergleichbar mit dem Balancieren auf einer Wippe – ermöglicht.
▶ Leider wird nichts zur Zungen- oder Lippenfunktion gesagt.
Mein Bericht: RehaBite, RehaSplint, Spoony – Interview mit Julia Bausch
http://www.rehabite.de
4) bruXane: 2go & personal –
Kosten: 40 € – 50 € / 700 € – 1000 €

Eine Zahnschiene mit Biofeedback in „Die Höhle der Löwen“
Eine andere Herangehensweise ermöglicht das sogenannte Biofeedback-Verfahren. Dabei werden Sensoren an der Schläfe oder – wie bei bruXane – in der Zahnschiene angebracht, die registrieren, wie sich die Kiefermuskulatur verhält.
Fängt der Betroffene an, Ober- und Unterkiefer aufeinanderzupressen, wird ein Impuls ausgesendet. Dieser ist so schwach, dass der Betroffene in der Regel nicht davon aufwacht, der Kiefermuskel sich aufgrund des Impulses jedoch entspannt.
Durch kontinuierliches Tragen wird man auf diese Weise im Schlaf „konditioniert“, nicht mehr zu knirschen.
▶ Aber: Die empfohlene Tragedauer beträgt maximal 8 Wochen.
Hier ein Erfahrungsbericht von Christian Koch
https://schluss-mit-zaehneknirschen.de/bruxane-zahnschiene-mit-biofeedback-gegen-bruxismus
Therapie des Bruxismus mit Biofeedback
https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/article-download/856360/journal-of-craniomandibular-function/2017/03/therapie-des-bruxismus-mit-biofeedbackapparatur
5) FreeBite – Kosten: 18 € – 30 €

Bisskissen zur Diagnose und Therapie der CMD
Rainer Schöttl, D.D.S.(USA), lernte während seines Studiums in den USA eine neue Sichtweise der CMD kennen, bei der Muskeln die Hauptrolle spielen und nicht, wie gewohnt, die Kiefergelenke.
Bald wurde ihm auch klar, dass solche Bisskissen, wie der Aqualizer, ein wertvolles Hilfsmittel für die Diagnose der CMD darstellen. FreeBite Therapiekissen sind für die CMD-Therapie in zwei Phasen ausgelegt:
- Bewegungstherapie zur Muskeldurchblutung
- Stabilisierung
Bisskissen stellen aber keine Endlösung dar. Stimmt etwas mit dem Biss nicht und er verursacht Probleme, sollte man diese bei der Wurzel anpacken.
Langfristiges Tragen von Bisskissen kann nämlich auch die Verschiebung von Zähnen verursachen.
Mein Bericht: FreeBite – Kontakt mit Dr. Rainer Schöttl, D.D.S.(USA)
6) BUTLER® GrindCare – Kosten: 370 €

Biofeedbackgerät mit Vibration bei Bruxismus
Der GrindCare überwacht die Schlafbruxismus Aktivitäten. Er reduziert das Zähneknirschen und Pressen durch die Aktivierung eines natürlichen Reflexes, der die Kiefermuskeln entspannt.
Der GrindCare wurde wegen mangelnden Erfolgs 2020 vom Markt genommen. Weitere Studien mit einer größeren Kohorte und einer Kontrollgruppe sind notwendig, um die Ergebnisse zu sichern.
Eine längere Therapiedauer und ein ausgedehntes Follow-up könnten sinnvoll sein.
https://www.sunstar.com/brands/professional-oral-care
7) Cerezen – Kosten: £ 500 – £ 1000

Bruxismus & Schmerzlinderung durch individuell angepasste Ohrimplantate
Die Funktionsweise von Cerezen baut darauf auf, dass der Bruxer dazu gebracht wird, eine entspanntere Kieferposition einzunehmen – sprich, den Mund wieder zu öffnen. Der Cerezen sorgt dafür, die Spannungssequenz zu unterbrechen.
Anwendung von Ohreinsätzen zur Behandlung bei CMD und Bruxismus
https://www.researchgate.net/publication
Cerezen Informationen
https://www.cosmeticdentists-belfast.co.uk/treatments/other-treatments/cerezen
▶ Leider finde ich keine weiteren Informationen zur Cerezen-Therapie.
▶ Der Cerezen war aber ein sehr guter Ansatz bei der CMD-Therapie.
Forschung: Bruxane, Cerezen, Grindcare, RehaBite und RelaxBogen
Die meisten diskutierten Geräte – Bruxane, Cerezen, Grindcare, RehaBite und RelaxBogen – sind ähnlich wirksam wie der Goldstandard Michigan-Schiene.
Sie haben anwendungsbezogene Besonderheiten, die sie jeweils für bestimmte Patientengruppen besser geeignet erscheinen lassen. Und sie sind zum Teil nur für entweder die Tag- oder Nachtanwendung zu empfehlen.
Sie werden als sinnvolle Ergänzung zu den gängigen Therapie-Methoden gesehen. Eine dauerhafte Wirkung ist aber jedoch ebenso wenig belegt, wie bei Anwendung geeigneter Schienen.
Myofunktionelle Therapie – MFT

1) Susanne Codoni – Die Bedeutung der Myofunktionellen Therapie
▶ Bedeutung MFT: Orale Fehlfunktionen beeinflussen nicht nur die Zahnstellung. Sie haben auch Auswirkungen auf die Atmung, das Schlucken, Sprechen und die Körperhaltung.
2) Frau Dr. Dr. Ingrid Grunert: 1981 – 1983
Ungefähr vor 30 Jahren hat Frau. Dr. Dr. Ingrid Grunert (Mitarbeiterin der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Innsbruck) erste Studien zu folgenden Themen durchgeführt.
Schon damals kannte sie sich mehr mit der Zunge, Schlucken, Gesichtsmimik, Nasenatmung und Rezidiv-Entstehung aus, als oben stehende Konzepte.
Schwerpunkte ihrer klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit
- Geroprothetik
- neue Konzepte zur Rehabilitation zahnloser Patienten
- prothetische Rehabilitation mittels festsitzender Prothetik
- kombiniert festsitzend-abnehmbarer Zahnersatz
- implantatgetragene Prothetik
- Rehabilitation von Patienten mit Funktionsstörungen im Bereich des Stomatognathen Systems (Kiefergelenksbehandlung)
Die Myofunktionelle Therapie eignet sich als Maßnahme zur Korrektur von muskulären Fehlfunktionen, welche Einfluss auf das Sprach-Lautbild haben, oder als kieferorthopädische Begleittherapie.
Myofunktionelle Therapie – Anwendungsgebiete
- für Kinder und Erwachsene
- bei Problemen im Alter (Prothetik)
- bei Kiefer-/Gesichtschirurgie-Patienten (prä- und postoperativ)
▶ MFT – „The name of the game is occlusion“
„Eine dauerhafte Korrektur von Zahnfehlstellungen ist meist nur möglich, wenn zusätzlich zur mechanischen Therapie auch die Kiefermuskulatur gezielt trainiert wird (Prof. Dr. Sergl, Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie in Mainz).
Mein Bericht: Logopädie & Myofunktionelle Therapie: Vorteile und Übungen
CMD-Therapie: Schulmedizin vs. Alternative Ansätze

Querdenkende Freundin als Vertrauensperson
Kennengelernt habe ich Sabine in der Klinik. Sie war meine Tischnachbarin. Sofort war uns klar, dass wir aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Unser Humor war bombastischer Natur und mit viel Eigen-Ironie gesalzen.
Evidence-Based Medicine meets Alternative Medizin
Was mich dann wirklich positiv überrascht hat an ihr, war, dass sie trotz Evidence-Based Medicine und schulmedizinischem Hintergrund, sich auf die alternativen Behandlungsmethoden einlassen konnte.
Als ich sie einmal Haltungs-technisch neu aus-justierte und alle Gelenke ausbalancierte, waren sofort große Offenheit und Neugier in ihrem Blick zu erkennen. Sie konnte sich – trotz großer Selbstüberzeugung – auf dieses Experiment einlassen.
Hier mein Interview mit Sabine:
Thema: Skelettale oder Muskuläre Ansätze bei der CMD-Therapie
1) Ich konfrontiere dich gleich mit dem Grundsatz „Form Follows Function (Weichteil formt Hartteil)“. Bitte sag was dazu:
(Natürlich ging ich davon aus, dass sie als Schulmedizinerin die Gegen-Theorie vertritt.)
Antwort: Sabine: Natürlich gibt’s das. Eins meiner Fachgebiete ist ja die Anatomie. Wenn man nun das Skelett und die Muskulatur von Mann und Frau vergleicht, wird sichtbar, dass bei den Männern am Ansatz/Ursprung der Muskeln mehr Aufrauhungen an den Ansätzen vorhanden sind, als bei den Frauen.
Das lässt sich dadurch erklären, dass der Mann über mehr Muskelmasse verfügt, als die Frau und so mehr Kraft am Ansatz/Ursprung der Muskulatur ausgeübt wird. Das Skelett (Hartteil) passt sich mit diesen Aufrauhungen der Funktion der Muskulatur (Weichteil) an.
2) Wie verbreitet ist der Grundsatz in der Schulmedizin „Function Follows Form? (Hartteil formt Weichteil)“?
Antwort: Sabine: Es hängt immer davon ab, zu welchem Arzt man geht. Natürlich wollen alle Ärzte, Kieferorthopäden und Chirurgen zu 90 % operieren. Wenige Zahnärzte oder KO’s suchen einen Alternativen Ansatz und Chirurgen eigentlich gar nicht.
3) Kann man den Grundsatz (Function Follows Form) vergleichen mit der uralten Denke, die Erde sei noch eine Scheibe?
Antwort: Sabine: Nein, Erfahrungen prägen. Wenn die Schulmedizinischen Therapie-Maßnahmen kurz bis mittelfristig gut laufen, dann ist ja jeder zufrieden.
Die Ärzte informieren sich ständig über die neuesten Entwicklungen in ihrem Fachgebiet, z.B. Bei der Ellbogen-Luxation gibt es ganz viele Ansätze. Die einen sind für Ruhig-Stellung, die nächsten verfolgen eine Operation.
Auch hier, in der Evidence-Based Medicine, scheiden sich die Geister. Es hängt immer mit dem Behandlungserfolg zusammen. Querdenker fehlen hier leider, insbesondere in jedem Berufszweig.
4) Wieso mangelt es eigentlich den Schulmedizinern an Wissen über die Muskulatur?
Antwort: Sabine: Ärzte sind keine Physiotherapeuten oder Osteopathen, sie haben nur ein paar Semester-Stunden in Physiologie besucht. Das reicht aber nicht aus, um tiefer in die Materie einsteigen zu können.
Sportmediziner haben zu dem ein profunderes Wissen über die Muskulatur als ihre konventionellen Kollegen.
Hauptsächlich geht es aber hier wieder um das liebe Geld. Bei Kassenärzten zahlen die Krankenkassen innovative Diagnose-Techniken und alternative Behandlungsansätze – was über die Muskulatur anvisiert wird – einfach nicht.
5) Wann sind Operationen sinnvoll?
Antwort: Sabine: Zahnärzte, Kieferorthopäden und Chirurgen machen das, was sie studiert haben. Zu 90 % werden Prothetik, Zahnspangen und Operationen empfohlen, weil sie trotzdem mehr Geld bringen als Alternative Methoden.
Insbesondere bei schlimmen Fehlstellungen der Hüfte/Knie/Füße etc. sind Operationen wahrscheinlich eine sinnvolle Methode gegen die Schmerzen. Es ist wichtig, dass das Schmerzgedächtnis gelöscht wird, sonst wird der Schmerz chronisch.
(Da habe ich eine andere Meinung. Mit Körperarbeit, wenn man früh genug damit anfängt, so wie bei mir, braucht man keine OP.)
6) Was ist mit Fortbildungen in ihrem Fachbereich?
Antwort: Sabine: Generell sind Ärzte sehr von sich überzeugt. Auch wenn es bei den Alternativen Methoden sehr gute, kausal wirkende Ansätze gibt, bleiben sie ihren Grundsätzen treu.
Sie bilden sich auch weiter, kaufen die neueste Literatur und evaluieren immer neue Studien. Ohne Evidence-Based Medicine und Studien läuft hier leider gar nichts. Die Patienten wollen Ergebnisse in Form von sauber durchgeführten Studien sehen.
Mit einer Studie unter 50 Personen braucht man gar nicht erst anzufangen. Sie sind definitiv ein eigenes Völkchen. Hier geht es nicht um Empathie-Fähigkeit.
7) Was meinst du, sind die Auslöser von Fehlhaltungen? Was hast du gelernt?
Antwort: Sabine: Die Störungen von den Füßen, von einer Brille bzw. vom Visuellen Apparat oder dem Kau-Apparat sind recht gut bekannt. Nur die vollständige interdisziplinierte und kausale Arbeit ist nicht immer gewährleistet.
Viele Mediziner bekommen für eine Behandlung einen Betrag X zugewiesen. Es geht nicht um Nächstenliebe oder Ursachen-Forschung im Sinne des Patienten, sondern, es geht nur um’s Geld.
8) Wieso können sich ganzheitlich denkende Ansätze so schwer flächendeckend in Deutschland etablieren?
Antwort: Sabine: Das Thema nennt sich Evidence-Based Medicine. Es geht immer um das Wissenschaftliche Arbeiten. Nur Studien, die repräsentativ sind (z.B. 30 Leute sind zu wenig), werden von der Ethik-Kommission genehmigt.
Wesentliche Punkte, die zugelassene Studien erfüllen müssen, sind:
- Es bedarf eines Studien-Entwurfs.
- Die Ergebnisse müssen fundiert bei der Ethik-Kommission vorgelegt werden.
- Die Studien müssen am Menschen durchgeführt werden.
- Sie müssen in einem Krankenhaus durchgeführt werden.
- Am besten ist es, die Studien in einer Universitätsklinik durchzuführen. Dort ist es einfacher.
- Die Versuchsteilnehmer müssen umfassend über rechtliche Aspekte aufgeklärt werden. Die Patienten unterschreiben auch, dass sie über alle wesentlichen Punkte informiert worden sind. Das ist aber sehr viel Papierkram.
- Es dauert oft Monate bis Jahre, bis die Studien vollständig abgeschlossen sind.
- Wenn der Studien-Entwurf und die ganze Studie nicht objektiv vorgeführt sind, dann gibt es auch keine Zulassung.
- Die Studien-Durchführer müssen damit rechnen, dass es zu einem sich widersprechenden Ergebnis kommt. Dieser Grundsatz muss speziell im Abstract bei der Einführung, aufgegriffen werden.
- z.B. Die Hypothese, dass die Schienen-Therapie (oder die funktionskieferorthopädischen Geräte) eine Craniomandibuläre-Dysfunktion kausal lindern oder sogar heilen können, ist nicht wirklich gegeben.
- Fazit: Schienen (oder funktionskieferorthopädische Geräte) sind kein Allheilmittel.
Beispiel EBM : Eine Studie mit Kindern
Kinder zwischen 4-7 Jahren werden in Bezug auf ihre Cortisol-Ausschüttung im Blut vor und nach einem Kino-Besuch („Die Biene Maya“) untersucht. Das Ergebnis:
- Vor dem Film war der Cortisol-Spiegel im Norm-Bereich.
- Nach dem Film war der Cortisol-Spiegel kurzzeitig um das 150-fache erhöht.
- Bei einem 3D-Kino war der Cortisol-Spiegel kurzfristig sogar um das 400-fache erhöht.
- Die Kinder waren auf jeden Fall nach dem Film sehr aufgedreht.
Hier dreht es sich um objektive, reproduzierbare und messbare Ergebnisse, die in Studien verlangt werden.
Wichtig:
- Traue keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast.
- Kombiniere die Schulmedizin mit der Alternativmedizin.
- Minimal-Invasiv vor Irreversiblen Eingriffen.
- Frage kritisch nach, auch wenn ihr noch nicht durchblickt. Hakt nach, bis ihr es wirklich verstanden habt.
- Je mehr das Produkt umworben wird, keine klaren Indikationen (Pro/Kontra) oder Ausschlusskriterien im Gespräch thematisiert werden, oder auf der Webseite aufgelistet sind, hohe Risiken und unklare, geringe Erfolgsaussichten bestehen und wenn bei einer CMD-Behandlung mehr als 5000 € verlangt werden, wäre eine Zweit-Meinung ganz sinnvoll.
- Es gibt auch noch ein Bauchgefühl, lasst euch nicht beirren und hört auf euren Bauch. Wartet lieber auch mal eine Weile, bis ihr die Zusammenhänge eurer CMD wirklich besser verstanden habt. Nichts läuft euch weg.
C) ZENTRALE THESE/PSYCHE
Psyche und CMD-Therapie
Ich habe vor ein paar Jahren ein Gespräch mit dem CMD-Spezialisten Dr. Madsen (Kieferorthopäde) aus Ludwigshafen geführt. Ich wollte wissen, wie er meinen Fall beurteilt.
Grundsätzlich erwähnte er, dass bei Zahn- und Kieferfehlstellungen fast nie eindeutig eine Ursache auszumachen ist (so wie bei mir).
Vor allem haben Zahnärzte jahrelang geglaubt, dass kleine Fehlkontakte der Zähne die hauptsächliche Ursache von CMD seien. Heute weiß man, dass die Zähne nur eine geringe Rolle bei der Entstehung der Beschwerden spielen.
Tatsächlich findet man bei CMD-Patienten meistens keine anderen Bissverhältnisse als bei Gesunden.
Die größten bekannten Risikofaktoren für das Auftreten von CMD sind das weibliche Geschlecht, ein Alter zwischen 20 und 50 Jahren und zahlreiche psychische Belastungsfaktoren.
Gerade bei schweren, chronischen Schmerzfällen und psychisch-kranken Patienten sollten solche invasiven Eingriffe (Kieferorthopädie, Zahnersatz, OP) in aller Regel unterlassen werden, weil sie meistens mehr Schaden als Nutzen verursachen.
CMD Therapie nach Madsen
Die wichtigsten Bestandteile seiner Therapie sind die Beratung, Aufklärung und Anleitung zur Selbsthilfe:
- Vermeiden unnötiger Zahnkontakte
- Entspannungsübungen für die Kaumuskulatur
- Stressmanagement
- Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
- manchmal Aufbissschienen
- manuelle Therapie bei CMD-Therapeuten
- die Gabe von Medikamenten
- eine psychologische Schmerztherapie
Mehr dazu unter Madsen
https://www.madsen.de/behandlung/cmd
Keiner der Spezialisten in Neckarsulm, in Stuttgart (KO-Sonnenberg), in Tübingen (Uniklinik), in München (LMU-Klinik), in Ulm (Frau Dr. Weiss, Zahnärztin), in Nürnberg (Dr. Lindorf, Chirurg) und paar andere, haben mich DAMALS (2011) nach meinem Psychischen Befinden oder Myofunktionellen Dysfunktionen gefragt. Aber vielleicht ist es heute anders.
Mein Bericht: Körper-Geist-Seele-Verbindungen: Erfahrungen aus einem CMD-Forum
Mein Bericht: Zahn- und Kieferfehlstellungen und die psychische Gesundheit
Mein Bericht: Vegetatives Nervensystem: Sympathikus und Parasympathikus: CMD verstehen
Mein Bericht: MBSR: Stressbewältigung durch Achtsamkeit
Mein Bericht: Schmerzgedächtnis & Neurologie: Schmerzmechanismen erklärt
Weg der Entscheidung
Ich weiß, es ist bei CMD fast unmöglich, das ganze Informationsangebot, die Therapien und Methoden zu durchschauen. Man ist hilflos und ertrinkt in dieser kontroversen Datenflut.
Fazit:
▶ Bevor man mit invasiven Therapien (Schienen, Kieferorthopädie, Kiefer-Chirurgie) anfängt, würde ich erst mal die Hintergründe der Beschwerden erkunden und erst mal mit entspannenden Medikamenten anfangen.
▶ Oft ist auch schon ein Schmerzgedächtsnis entstanden oder hormonelle (Wechseljahre bei der Frau) bzw. Stoffwechsel-Probleme liegen vor. Auch die Darmgesundheit, das Immunsystem, Bewegungsmangel und die Ernährung spielen eine wesentliche Rolle.
▶ Kieferorthopädie und Chirurgie bleiben „risikoreich“, wenn der Behandler keine Ahnung von MFT hat. Der Körper hat sich größte Mühe gegeben, alles perfekt zu formen. Diese Biodynamik kann eine Technik nicht verbessern, sondern nur verschlechtern. Es gibt aber auch Positiv-Beispiele, bei denen alles richtig gemacht wurde.
▶ Leider muss auch gesagt werden, dass bei einem gewissen Prozentsatz zunächst keine Therapie mehr hilft: Sozusagen „Austherapiert“.
Der Faktor Zeit spielt dabei eine große Rolle. Beginnende Beschwerden sind leichter zu therapieren als chronische CMD-Beschwerden mit vielen Fehlern. Je länger die Beschwerden bestehen, umso schwieriger wird die Therapie.
Insbesondere bei Kieferfehlstellungen, muskulären Dysbalancen und einer Psychischen Erkrankung, stoßen die CMD-Behandler an ihre Grenzen.
Hier ist wiederum die Körperarbeit (darüber mehr in meinen weiteren Beiträgen) ein Weg, Besserung zu erlangen.
▶ Und genau an diese Zielgruppe richtet sich mein Blog!
▶ MFT: Ich selbst musste feststellen, dass sich durch die täglichen Übungen meine Okklusion verbesserte. Sie halfen mir, meinen Unterkiefer wieder mittig auszurichten.
Bitte nicht vergessen. Hinter Zungenruhelage, Lippen, Gesichtsmimik, Nasenatmung und Lippenschluss etc. liegt ein großes Potential. Fragt die Zahnärzte oder Kieferorthopäden, wie sie arbeiten.
ABER: Myofunktionelle Therapie ist nicht EBM (Evidenz-basierte Medizin) und ist deswegen in der Schulmedizin nicht akzeptiert.
Viele Mediziner (sagt meine Freundin – Ärztin) sind wie Metzger. Sie lieben es, zu operieren, aufzuschneiden, zu sägen, zu brechen, zu überkronen oder die Okklusion mit Schienen langfristig zum Nachteil zu verändern.
▶ Fragt immer nach, ob Euer Arzt Myofunktionell geschult ist und ob er weiß, was eine Zungenfehlfunktion ist.