Kieferchirurgie bei Fehlbissen: Chancen und Risiken – Ein Leitfaden

Ästhetisch-Plastische Operationen/
Funktionelle Kiefergelenks-Operationen/Dysgnathien
Unfall-Chirurgie

Kieferfehl-Stellungen – Auswirkungen auf die CMD

Angle-Klasse I – Neutralbiss: Damit wird ein normales, ideales Gebiss beschrieben (Neutral-Okklusion). 60-70 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse II – Distalbiss/Überbiss/Prognathie/ Deckbiss/Tiefbiss: Damit wird ein Überbiss beschrieben. Der Unterkiefer liegt im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit hinten. 20-25 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse II – Offener BissHier liegt ein nicht verschließbarer Spalt zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen vor. 5 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse III – Progenie/Vorbiss: Diese Angle-Klasse beschreibt einen Vorbiss. Der Oberkiefer steht zu weit zurück bzw. der Unterkiefer zu weit vor. 1-3 % der Bevölkerung.

Angle-Klasse III – KreuzbissDie Zähne in Ober- und Unterkiefer beißen auf beiden Seiten falsch zusammen. 1-7 % der Bevölkerung.

Die häufigsten Zahnfehlstellungen: Überbiss, Kreuzbiss, Tiefbiss – Kieferorthopädische Praxis Dr. med. dent. Peter Borg (dr-borg.de)

MFT bei Kiefer-Chirurgie besonders wichtig!

  • Schlucken (80% der „Falsch-Schlucker“ haben Dysgnathien)
  • Mundatmung anstatt Nasenatmung
  • Orale Habits
  • Zungenruhelage (Einlagerung im Unterkiefer)
  • Artikulationsfehler (Sprachfehler)

Leider führt die KFO und die Chirurgie zu keiner ursächlichen Verbesserung der Zungen-Funktion. Nur die „Myofunktionelle Therapie“ stellt hier das Gleichgewicht wieder her.

  • Logopädie VOR orthognath-chirurg. Eingriffen dient der Kräftigungs- und Umlernphase.
  • Logopädie NACH orthognath-chirurg. Eingriffen hilft bei der Anpassungs- und Entspannungsphase.

Eine korrekte Zungenruhelage und ein gutes Schluckmuster führen zu einer ausgewogenen Balance der Funktion (Muskeln), die wiederum die Struktur (Knochen/Zähne) unterstützt.

  • Funktionelle Dysgnathien (Atemstörungen, Zungenfehlfunktion oder Daumenlutschen)
  • Skelettale Dysgnathien (disharmonischer Wachstumsverlauf z.B. Klasse II- oder III- Dysgnathien/Trauma/Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten/Kiefergelenksfrakturen)
  • Dentoalveoläre Dysgnathien (Zahnverlagerungen und Zahnretentionen)

Weichteil (Zunge, Lippen, Wangen) formt Hartteil (Zähne, Kiefer)

Passt hier bitte auf, denn eine ständige Botox-Therapie wird sau teuer.

Voraussetzungen für Langzeit-Erfolge in der Kiefer-Chirurgie

Studienergebnisse:

  • Patienten mit einer auffallenden Myofunktionellen Störung, hatten postoperative skelettale und okklusale Rezidive. Bei Patienten ohne Myofunktionelle Störungen blieb das Operationsergebnis stabil. (Ist die Frage wie lange?)
  • Bei einer außerordentlichen Dysgnathie konnte auch nach einer 2. Operation keine neutrale Verzahnung erreicht werden.
  • Tonus Lippenbefund
  • Schluckbefund 
  • Zungenbefund
  • Daumenlutschen
  • Schnuller
  • Oberlippe und Unterlippe
  • Größe der Zunge
  • fehlendes Lippenbändchen, Zungenbändchen
  • Missverhältnis zwischen Größe der Zunge und des Gaumens (Zunge zu groß für Gaumen), Druck der Zunge gegen die unteren Zahnreihen
  • Wachstumsschübe
  • Nägelkauen und Zusammenpressen der Zähne
  • Ungewöhnlich ist es nicht, wenn Patienten nach einer gelungenen Osteotomie zu Knirschen und Pressen anfangen, was wieder zu einer Myofunktionellen Störung führen kann.
  • Obwohl eine geringe Myofunktionelle Störung besteht, muss es nicht zu einem Rezidiv kommen (Ist die Frage wie lange?). Patienten mit einer massiven Myofunktionellen Störung neigen oft zu Rezidiven oder schlechten Langzeitergebnissen. Sie zeigen vor allem Störungen bei der Schluckfunktion.
  • Natürlich ist es auch schwierig, bei Erwachsenen ihre Funktionsmuster umzutrainieren. Hier muss man am Ball bleiben. Wichtig ist dabei, dass ein genügend großer Cranialer Zungenraum in korrekter Lage mit Achsengerechter Stellung der Zähne in richtiger Position zu den Kieferbasen geschaffen wird und der Molarenbereich abgestützt ist.

Studienergebnisse:

  • Ehrlich gesagt, ist jede zweite Progenie im Oberkiefer zu suchen. Das hat natürlich auch eine enge Verbindung mit der Zungenfunktion
  • Besteht beispielsweise postoperativ ein ausreichender Überbiss, blieben die Ergebnisse weitgehend stabil.
  • Bei Patienten mit Änderungen in der frontalen Verzahnung waren massive Myofunktionelle Störungen klinisch feststellbar (falsche Ruhelage der Zunge und Druck der Zunge beim Schlucken gegen den Unterkiefer oder zwischen die Zahnreihen).
  • Patienten, die eine Makromandibulie (Vergrößerung des Unterkiefers), jedoch in 50 % der Fälle gleichzeitig eine Mikromaxillie (Oberkiefer ist dreidimensional auffallend klein) kombinierten, hatten häufig auch ein myofunktionelles Problem. Bei all diesen Patienten ist die Zunge im Verhältnis zum Gaumen zu groß und ihr Ansatz am Unterkiefer im Verhältnis zum sagittalen Gaumengewölbe zu weit vorn gelegen.
  • Eine mangelhafte Prothetische Versorgung postoperativ kann auch zu einem Rezidiv führen.

Interviews

Nach der OP finden Anpassungen im ganzen Körper statt

Beispiele für Kiefergelenks-OPs aus meinem Umfeld

2025: Aktuell steht jetzt eine Operation des anderen Knie-Gelenks an. So sieht man, wie sich die ganze Haltung verändert hat und nun weitere Operationen folgen.

Weitere Links und Studien

Einfluss der kombinierten kieferchirurgisch-kieferorthopädischen Therapie auf die Lebensqualität von Dysgnathie-Patienten – ein systematisches Review, 2022
http://openscience.ub.uni-mainz.de/bitstreams/2fb6c329-5f80-466b-83d6-370ad586be82/download

Einfluss der Umstellungsosteotomie auf die postoperative Position des Kondylus und auf die Patientenzufriedenheit, 2020
https://epub.uni-regensburg.de/43811/1/Dissertation

Digitale Planung revolutioniert Kieferchirurgie
https://www.marienhospital-stuttgart.de/newsdetail/digitale-planung-revolutioniert-kieferchirurgie/