Ganzheitliche CMD-Therapie – Dr. Jürgen Dapprich

CMD Centrum Düsseldorf

Anlässlich der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT)

Hier möchte ich einen Bericht vorstellen, wie eine Patientin bei Dr. Jürgen Dapprich nach 13 Monaten Schienen-Therapie, Physiotherapie und wöchentlichem Einschleifen beschwerdefrei wurde.

Interdisziplinäre orthopädische Diagnosen bei CMD

Bei Dr. Dapprich wurden CMD-Patienten, die keine optimale Okklusion hatten (95 %), mit einer Schiene vorbehandelt und eingeschliffen. Danach erfolgten, falls erforderlich, prothetische Versorgungen. 

Erfahrungsgemäß änderte sich bei 40 % seiner Patienten die Okklusion nicht mehr, bei 60 % dagegen änderte sich ständig die Kondylenposition und damit die Okklusion.

Das liegt daran, dass alle CMD-Patienten einen Beckenschiefstand mit Skoliose der Wirbelsäule haben und sich deswegen die Okklusion ständig ändert.

Vorgehensweise & Therapie

Zuerst wurde bei der Patientin der Beckenschiefstand mit einer Beckenwaage sowie die Skoliose der Wirbelsäule mit der Diers 4-D-Wirbelsäulenvermessung gemessen.

Wenn ein Bein länger ist, gibt es drei verschiedene Ursachen:

  • ein Bein kann funktionell länger oder
  • das andere funktionell kürzer sein oder
  • es ist eine echte Beinlängendifferenz vorhanden, die aber selten ist.

Der nächste Schritt war, dass die Patientin bei einer Fehlstellung des obersten Halswirbels, des Atlas, zuerst zum Atlas-Therapeuten überwiesen wurde. 

Erfahrungsgemäß haben 96 % aller CMD-Patienten eine Atlasblockade und ohne Korrektur durch einen Atlas-Therapeuten kommt man mit der Therapie nicht weiter.

Danach behandelte ein Osteopath mehrmals die Patientin und daneben CMD-Physiotherapeuten wöchentlich 1-2 mal

Nach dem Osteopathen wurde die Patientin noch vom Chiropraktiker behandelt. Zu ihm kamen die Patienten die ersten 5 Monate einmal wöchentlich zum Einschleifen der Schiene und dann alle 2 Wochen, bis die Schmerzen weg waren.

Bericht: Interdisziplinäre orthopädische Diagnosen bei CMD – 56. Jahrestagung (DGFDT) https://www.dgfdt.de/documents/266840/122009076/Supplement+DGFDT+2023/de3ec0ca-bbec-4e98-87ca-bd23a601174b

Mein Austausch mit Herrn Dr. Dapprich

1) Frage: Sie haben ja auch mit Schuhmachern zusammengearbeitet. Welche Art von Einlegesohlen wurden hierbei verwendet? Zum Beispiel: Sensomotorische Einlagen/ Einlagen mit Sand, die einen Funktionellen Beckenschiefstand über die Muskulatur wieder korrigieren?

Antwort: Dapprich: Das hängt mit der Vermessung der Wirbelsäule zusammen, die mein Schumacher gemacht hat. Das konnten sensomotorische oder auch normale Einlagen sein.

Einen funktionellen Beckenschiefstand zu korrigieren, kann man nur durch die Okklusion mit einer UK- Schiene erreichen.

2) Frage: Wozu braucht man dann noch die Schuheinlagen, wenn der Beckenschiefstand durch die Schiene korrigiert wird? Bei einer echten Beinlängendifferenz?

Antwort: Dapprich: Nur bei einer seltenen echten Beinlängendifferenz muss man das Bein durch eine Schuherhöhung ausgleichen. Die Beinlängendifferenzen werden im Alter häufiger, bedingt durch die OP der Hüften.

3) Frage: Was war es bei Ihren Patienten, wenn eine zu große Angle-Klasse vorlag (II oder III)? Haben Sie dann Kieferchirurgen hinzugezogen? Und in wie viel Prozent der Fälle kam das vor?

Antwort: Dapprich: Eine Klasse II oder III hat mit einer CMD mit Beckenschiefstand nichts zu tun. Jeder CMD-Patient hat einen Beckenschiefstand.

4) Frage: Die Augen haben auch einen Einfluss auf die Körperhaltung. Wurden diese auch untersucht? Fehlstellungen, richtig eingestellte Brille?

Eine CMD kann auch Einfluss auf das Sehen oder Hören haben, nicht umgekehrt.

5) Frage: Wie war Ihr Therapie-Ansatz, wenn in der Vergangenheit schon ein künstliches Gelenk (Hüfte/Knie) bei einem funktionellen Beckenschiefstand eingesetzt wurde? Wenn man quasi den Faktor Okklusion übersehen hat?

Antwort: Dapprich: Das Knie ist kein Problem, da das Knie nach der OP genauso lang ist wie vorher. Die Hüfte ist allerdings ein Problem. Bei Patienten von mir habe ich das Becken vor der OP gerade gestellt, sodass dann beide Beine wieder gleich lang waren.

Probleme hatten die Patienten, bei denen das Becken schief war und dadurch danach ein Bein kürzer oder länger wurde.

6) Frage: Meine Freundin als Beispiel: Sie presst mit den Zähnen. Kann das auch durch einen Vorkontakt verursacht werden? Oder ist es einfach nur Stress?

Antwort: Dapprich: Es kann beides sein, häufig Stress. Trotzdem braucht keine CMD vorhanden sein, das sieht man, wenn eine funktionelle Beinlängendifferenz vorhanden ist. Eine CMD hat immer einen Beckenschiefstand!

7) Frage: Wie gut konnten Sie Patienten mit zentral-gesteuerten Bruxismus helfen? Ausgelöst durch Krankheiten der Psyche, Medikamente etc?

Antwort: Dapprich: Bruxismus ist keine Krankheit. Er kann durch Stress und/oder eine CMD ausgelöst werden.

8) Frage: Nochmal zu den Angle-Klassen: Muss man hier nicht zusätzlich operieren, um eine CMD richtig in den Griff zu bekommen?

Antwort: Dapprich: Nein, das bringt nur sehr selten etwas, nur wenn z.B. OK und UK nicht zusammen passen. Eine andere Therapie ist meiner Meinung nach ein Kunstfehler.

Dazu ein Beispiel: Ich hatte eine junge Patientin aus Ägypten, die einen frontal offenen Biss hatte. In der Charite wollte man OK und UK operieren, weil die Kieferchirurgen von der Funktion nichts verstanden.

Sie hatte ein myofunktionelles Problem, sie schluckte falsch, die Zunge ging beim Schlucken zwischen die Frontzähne, sodass ein offener Biss entstand. Ich habe ihr gezeigt, wie man richtig schluckt und innerhalb von 3 Monaten waren die Zähne zusammen und die OP war überflüssig.

Das myofunktionelle Problem macht sehr viel Probleme, deshalb habe ich diese Patienten immer zu einer Myofunktionellen Therapeutin geschickt.

Leider kennen das die meisten Zahnärzte nicht, nur Kieferorthopäden sehen das. Dadurch haben die Patienten keine Front- Eckzahnführung und fangen an zu knirschen.

Praxis heute leider geschlossen

Seit einem Jahr habe ich nach über 50 Jahren meine Praxis geschlossen, ich arbeite nicht mehr.

Die Methoden, die ich praktiziert habe und über 90 % erfolgreich waren, können leider nur sehr wenige Zahnärzte.

Ich empfehle Ihnen mein Buch über Funktionstherapie (CMD) erschienen im Deutschen Ärzteverlag Köln, 2. Auflage 2018. Oder Sie schauen auf meine Homepage CMD-Centrum-Düsseldorf , dort können Sie unter Veröffentlichung für Ärzte über 20 Veröffentlichungen von mir herunterladen.