• Der Nächste, bitte! – Ein Patiententag mit Professor Dr. Jens Türp, 2. Teil, 2024

    Klinik für Oral Health & Medicine, Basel, Schweiz

    Dr. Jens Türp ist stellvertretender Klinik-Leiter und Leiter der Abteilung Myoarthropathien / Orofazialer Schmerz, Klinik für Oral Health & Medicine, Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel, Schweiz.

    Dies ist ein zusammengefasster Auszug der Publikation des Autors, erschienen in der Fachzeitschrift: Kraniomandibuläre Funktion, 2025 aus dem Quintessenz Verlag.

    Myoarthropathien und Orofaziale Schmerzen

    Die Klinik ist eine der wenigen Einrichtungen im deutschsprachigen Raum, die sich auf Myoarthropathien und Orofaziale Schmerzen spezialisiert hat.

    An den meisten Universitäten im deutschsprachigen Raum wird im Zahnmedizinstudium eine vertiefte Ausbildung in den Themen Funktionsstörungen und Orofaziale Schmerzen verzichtet.

    Hat man als Student an diesen Themen Interesse, muss man sich die Inhalte eigeninitiativ aneignen. Aber eine theoretische Aneignung reicht für eine erfolgreiche Patientenbehandlung nicht aus.

    Dabei weist Dr. Türp insbesondere auf die Grenzen der direkten Übertragbarkeit von publizierten Wissen aus Leitlinien, Lehrbüchern und Fachartikeln in die Praxiswirklichkeit hin.

    2025: Beispiele aus dem Praxis-Alltag

    Dr. Türp ​stellt in seinem Artikel ein zufällig ausgewähltes Patientenspektrum vor, das sich am 3. Juni 2024 in seiner Sprechstunde im Zentrum der Zahnmedizin in Basel einfand.

    Aufgrund der großen Resonanz auf seinen 1. Artikel (2021) führte er erneut einen Patienten-Tag durch.

    Im Folgenden werden 13 Fälle beschrieben und klinisch, relevante, diagnostische und therapeutische Hinweise gegeben.

    1. Fall: Patientin, 56 Jahre, Friseuse, 16. Termin

    Vorgeschichte

    Im Jahr 2014 traten bei der Patientin im Zusammenhang mit einer Gürtelrose attackenartige, minutenlange, neuralgiforme Schmerzen im rechten Oberkiefer auf,

    Die damals durchgeführte Therapie mit dem Antikonvulsium Gabapentin führte zu einer deutlichen Schmerzlinderung,

    2018 wurde die Patientin von einem HNO-Arzt wegen der komplexen Schmerzproblematik im Bereich des rechten Trigeminusnervs an mich überwiesen,

    Diagnose Erstvorstellung (4.12.2018): Patientin ​hat als Hauptbeschwerde ein seit ​4 Jahren bestehenden, drückenden Dauerschmerz im Zahn 14​, der gegen Nachmittag zunimmt, (Schmerzintensität 4/10),

    Zahnfleisch​ fühlt sich wie eingeklemmt an​, Schmerzfreiheit ​ist bislang nicht eingetreten​,

    Zusätzlich​ kommt in der Region ein Schmerz​ (7/1)​ hinzu, der einige Minuten ​anhält, 

    Patientin gab an, im Schlaf mit den Zähnen zu knirschen​,

    Parodontologie und Endodontologische Untersuchungen in der Klinik für Kariologie ergaben keinen pathologischen Befund, klinische und röntgenologische Untersuchungen waren unauffällig, lokale Ursachen wurden ausgeschlossen​,

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 4.12.2018

    Zahn 14, Zahnschmerzen

    Bruxismus​: Zähneknirschen, Kieferpressen

    Therapievorschläge​: ​Zahnschmerzen

    ​Stufenweises Vorgehen

    • Regelmäßige Anwendung von Meridol Zahnpasta (zum Schutz vor Entzündungen)
    • Regelmäßige Anwendung von Elmex Gelée
    • Therapeutische Lokalanästhesie
    • Applikation von Adhäsiv
    • Fortsetzung der Einnahme von Gabapentin

    Therapievorschlag: ​Bruxismus

    • Mitgabe von farbigen Aufklebern zur Selbstbeobachtung des Kieferpressens, 
    • Nutzung eines Kaugummis zur Verringerung des Wachbruxismus,
    • Überweisung an CMD-Physiotherapeuten zum Erlernen einer Muskelentspannungs-Technik,
    • Anfertigung eine Michigan-Schiene im Oberkiefer,

    2. Nachkontrolle nach ​3 Wochen (Februar)

    Patientin sagt: „Ich würde die Schiene am liebsten den ganzen Tag tragen, weil ich weniger Missempfindungen am Zahn habe“.

    Halbjahreskontrolle nach 6 Monaten

    • Patientin trägt die Schiene jede Nacht,
    • Schiene wird erneut glatt geschliffen, geschmirgelt und poliert,
    • Patientin berichtet, dass die Entspannungs-Technik gut funktioniert, sie sie aber nicht täglich praktiziert, 
    • Die Zahnschmerzen sind auch besser geworden,

    Anmerkungen zu Fall 1

    Normalerweise verursacht Kaugummikauen bei CMD-Patienten keine Beschwerden.

    Beides – Kauen und Nicht-Kauen verkürzt die parafunktionelle Okklusionskontaktzeit im Wachzustand und kann somit als kausale Therapie angesehen werden.

    Michigan-Schienen werden generell für den Oberkiefer angefertigt. Sie sitzt dort stabiler, bietet mehr Raum für die Zunge und erlaubt eine viel einfachere Gestaltung der Freiheit in der Zentrik.

    Bei uns werden nur Michigan-Schienen, angefertigt für die drei Indikationen: Bruxismus, Kaumuskelschmerzen und Kiefergelenksschmerzen.

    Mittelpunkt der therapeutischen Maßnahmen:

    • Aufklärung,
    • Beratung,
    • De-Fokussierung,
    • Weniger zu machen ist manchmal besser, als eine Überbehandlung,

    2. Fall: Patient, 55 Jahre, Zollassistent, 15. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 1.10.2014

    Bruxismus​: Zähneknirschen, Kieferpressen

    Akute primäre myofaszial-orofaziale Schmerzen im Masseter, rechts,

    Heutiger Termin

    Schienen-Kontrolle und Nachschleifen, bis die Schiene glatt ist, zum Schluss wird sie von Hand nachgeschliffen.

    Anmerkung zu Fall 2

    Wir verwenden seit 15 Jahren einen Kunststoff aus Polymethylmethacrylat PMMA, der von den Patienten als sehr angenehm empfunden wird.

    Für das Beschleifen verwenden wir eine Metall-Fräse, die einen breiten Umfang hat und somit besser in der Hand liegt. 

    Beim Schmirgeln gehen die Kontaktpunkte übrigens nicht verloren.

    3. Fall: Patientin, 59 Jahre, Musikerin, 26. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 10.7.2008

    Bruxismus​: Zähneknirschen, Kieferpressen

    Chronische primäre myofasziale Schmerzen der Muskeln Masseter und Temporalis (Schläfenmuskel),

    Kiefergelenksarthralgie, beidseitig, chronische primäre Kiefergelenksschmerzen, beidseitig,

    Heutiger Termin

    Neue Schienen-Eingliederung, weil die alte Schiene ausgedient hat. Sie war im Gebrauch von 2008-2024 und hat jetzt viele Löcher.

    Bei der Schienen-Eingliederung sind folgende Schritte zu beachten:

    • Das 1. Einsetzen der Schiene erfolgt durch den Zahnarzt,
    • Passt die Schiene nicht auf die obere Zahnreihe, sind die Vestibulären Ränder zu lang und müssen gekürzt werden,
    • Ab sofort übernimmt der Patient das Raus- und Reinnehmen der Schiene,
    • Die Schiene muss bequem sitzen und darf nicht drücken,
    • Alle Seiten und Eckzähne des Gegen-Kiefers (Unterkiefer) müssen Kontakt zur Schienen-Oberfläche haben,
    • Die unteren Schneidezähne weisen keinen Kontakt auf,
    • Der Unterkiefer sollte einen Bewegungsspielraum von 1 bis 2 mm nach vorne und zur Seite haben (Freiheit in der Zentrik),

    (1. Nachkontrolle findet innerhalb einer Woche statt, die 2. Nachkontrolle innerhalb von 2 Wochen, danach folgen halbjährliche Kontrolltermine)

    Anmerkung zu Fall 3

    Im Zweifelsfall ist der Tragekomfort wichtiger als die Retention.

    Bei den Kontakten der Zähne des Gegen-Kiefers auf der Schienen-Oberfläche handelt es sich nicht um Okklusionskontakte.

    4. Fall: Patientin, 39 Jahre, Aktivierungsfachfrau, 47. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 16.10.2007

    ​​ Bruxismus​: Zähneknirschen, Kieferpressen

    Chronische primäre myofasziale-orofaziale Schmerzen im Masseter Muskel,

    Kiefergelenksarthralgie, links, chronische primäre Kiefergelenksschmerzen, links,

    Heutiger Termin

    Eingliederung der 4. Michigan Schiene

    • 1. Schiene brach beim morgendlichen Herausnehmen nach 6 Jahren auseinander,
    • 2. Schiene wies nach 10 Jahren Tragzeit zu viele Löcher auf,
    • 3. Schiene brach nach 2 Jahren aufgrund eines produktspezifischen Materialfehlers auseinander,

    5. Fall: Patient, 28 Jahre, arbeitslos, 5. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 16.4.2024 

    Bruxismus​: Kieferpressen

    Chronische primäre myofasziale-orofaziale Schmerzen in den Masseter Muskeln, beidseitig,

    Kiefergelenksarthralgie, rechts, chronische primäre Kiefergelenksschmerzen, rechts,

    Heutiger Termin

    2. Nachkontrolle nach der Schienen-Eingliederung vom 29.5.2024

    6. Fall: Patientin, 73 Jahre, pensionierte Lehrerin, 22. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 22.10.2015

    Bruxismus​: Kieferpressen

    Anteriore Diskusverlagerung mit Reposition bei Kieferöffnung (Verschiebung der Knorpelscheibe (Diskus) im Kiefergelenk, die bei Mundöffnung zurück in ihre normale Position zurück​gleitet und oft mit einem Knack- oder Klickgeräusch einhergeht),

    Heutiger Termin

    Schienen-Kontrolle: Schiene weist 3 kleine Löcher auf, bedingt durch das Nachschleifen, dies hat für die Festigkeit und die Funktion der Schiene aber keine Bedeutung.

    Schiene wird nachgeschliffen, und Zahnstein wird entfernt.

    Anmerkung zu Fall 6

    Die Diagnose stellt eine Variation der Normalität dar.

    Die Michigan-Schiene stellt nicht nur ein therapeutisches Mittel bei Bruxismus dar, sondern dient auch als ein diagnostisches Mittel bei der Ermittlung der Schwere von Bruxismus:

    • Kieferpressen: Auf der Schiene bilden sich Mulden/Vertiefungen
    • Zähneknirschen: Auf der Schiene bilden sich Furchen

    7. Fall: Patientin, 61 Jahre alt, Selbständig, 4. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung, 15.05.2023

    Bruxismus

    Heutiger Termin

    Kontrolle nach 2 Jahren, Schiene wurde in eine Michigan-Schiene umgearbeitet.


    Anmerkung zu Fall 7

    Keilförmige Defekte an den Zähnen treten nach jahrzehntelangem Kieferpressen auf.

    Bei oral-angefertigten Schienen sollte überprüft werden, ob sich die Schiene später in eine Michigan-Schiene umwandeln lässt. Dies ist kostengünstiger.

    ​8​. Fall: Patienten, 75 Jahre, Rentnerin, 35. Termin

    Diagnose bei der Er​stvorstellung, 10.10.2005​

    Bruxismus​: Zähneknirschen, Kieferpressen

    Myofaszialer Schmerz der Masseter Muskeln, chronische Primäre myofaszial-orofaziale Schmerzen der Masseter Muskeln, beidseitig,

    Heutiger Termin

    Schienen​-Kontrolle, 2. Schiene wurde hergestellt ​im Jahr 2018, die 1. Schiene war von 2005-2018 im Einsatz.

    ​9​. Fall: Patientin, 67 Jahre, Pensionistin, ​11. Termin

    Diagnose bei der Erst​vorstellung, 13.1.2021

    Bruxismus​: Zähneknirschen, ​Kieferpressen

    Myofaszialer Schmerz, chronische primäre ​myofaszial-orofaziale Schmerzen der Masseter Muskeln​, beidseitig,

    Arthralgie beider Kiefergelenke, chronische primäre Kiefergelenk​sschmerzen​, beidseitig,

    Heutiger Termin

    Schienen​-Kontrolle (Schiene vom Februar 2021)

    Es liegt eine stabile Unterkieferlage und Zahnstellung vor.

    ​1​0. Fall: Patientin, 47 Jahre, Hausfrau, 26. Termin

    Diagnose bei der Erstvorstellung,​ 27.10.2009

    Bruxismus​: Kieferpressen

    Anteriore Diskusverlagerung mit Reposition bei Kieferöffnung​, beidseitig,

    Heutiger Termin

    Schienen​-Kontrolle: Patientin erschien 2009 mit einer oralen Schiene, die von mir um​- und eingeschl​i​ffen wurde.

    2012 wurde diese Schiene durch eine ​Michigan-Schiene ersetzt​, diese weist inzwischen 13 Löcher auf, ​was aber weiterhin tragbar​ ist.

    Schiene wird heute rechts hinten gekürzt, weil sie dort so dünn ist.

    11.​ Fall: Patienten, 71 Jahre, medizinische Fachangestellte, 19. Termin

    Diagnose bei der Erst​vorstellung, 10.10.2014

    Bruxismus​: Zähneknirschen, ​Kieferpressen

    Myofaszialer Schmerz, Masseter rechts, chronische primäre ​myofaszial-orofaziale Schmerzen des rechten Masseter Muskels,

    Kiefergelenksarthralgie​, rechts, chronische primäre Kiefergelenk​sschmerzen​, rechts,

    Anteriore Diskus Verlagerung mit Reposition bei Kieferöffnung​, rechts,

    Heutiger Termin

    Schienen​-Kontrolle (Schiene vom Februar 2015)

    1​2. Fall: Patientin​, 19 Jahre, Fachfrau für Kinderbetreuung, ​1​. Termin

    Patienten Geschichte

    Patientin berichtet, dass sie seit etwa einem ​1​/2 Jahr ​u​nter Kieferschmerzen leidet, 

    morgens nach dem ​Aufwachen ​tritt fast täglich zusätzlich ​ein Ziehen​ und Schmerzen beidseitig im Schläfenbereich​ auf (Schmerzintensität​: 8/10) und in der Massetermuskulatur (​6​/10), Schmerzen halten 2 Stunden an,

    Patientin knirscht im Schlaf und presst im Wachzustand ​d​ie Kiefer zusammen,

    Beschwerden haben sich seit dem ​1​. Auftreten nicht verändert​,

    Schmerzen verstärken sich bei psychischer Belastung und Störung des Nachtschlafs​,

    Befundung

    a) Klinisch

    Bestimmung der Unterkieferbeweglichkeit, maximale Kieferöffnung, maximaler ​Seit​- und Vorschub, Bewegung des Unterkiefers,

    Palpati​on/Untersuchung des ​Muskels ​Temporal​is ​(Schläfenmuskel), Masseters und der Kiefergelenke mit Algometer,

    Provokationstest,

    Zahnstatus und Morphologie, ​Vorhandensein von Okklusionskontakten,

    b) Radiologisch

    Panoramaschichtaufnahme,​

    Diagnostische Zuordnung

    Bruxismus​: Zähneknirschen, Kieferpressen

    Myofaszialer Schmerz des Muskels Temporalis und Masseters, chronische primäre ​myofaszial-orofaziale Schmerzen des Muskels temporalis und Masseters,

    Therapie Empfehlung, wie im 1. Fall 

    • Selbstbeobachtung mit Aufklebern
    • Kaugummi im Mund
    • Entspannungsverfahren
    • Michigan-Schiene

    Anmerkung zu Fall ​1​2

    Die Untersuchung besteht bei uns aus drei Teilen:

    a​) Aufnahme der Krankheits​-Geschichte: In Form von Befundbögen und mündlichem Gespräch, das zwischen ​1​0 und 60 Minuten dauert.

    ​b​) ​Klinische​ Untersuchung: ​Diese läuft immer nach ​eine​m bestimmten Schema ab und dauert rund 10 Minuten.

    ​c​) Panoramaschichtaufnahme: ​Diese darf nicht älter als ​2 Jahre ​alt sein, sie dient bei der Funktionsdiagnostik der Differenzialdiagnose und der Beurteilung der Kiefergelenke und der Unterkieferwinkel, was ein Anzeichen für langjähriges Kieferpressen sein kann.

    Weniger ist mehr: ​Ü​berdiagnostik und ​Übertherapie sind unter allen Umständen zu vermeiden.

    Fall 13: Patientin, 69 Jahre, Soziologin, ​2​. Termin

    Diagnose bei der Erst​vorstellung, 21.5.2024

    Bruxismus​: Kieferpressen

    Heutiger Termin

    Bei der Erstvorstellung wurde eine Kieferrelationsbestimmung durchgeführt und eine Alginatabformung von ​Ober​- und Unterkiefer gemacht (ungiftige Masse, die nach dem ​Mischen mit Wasser aushärtet, bekannt für ihre hohe Detailtreue und schmerzfreie Ablösung von Körperhaaren),​

    Michigan-Schiene wird eingegliedert,

    Kommentar zu Fall 13

    Eine Daumenregel nach der University of Michigan besagt, dass nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne im ​1​2.  Lebensjahr noch ​4 Jahre für die Feineinstellung der ​Okklusion abgewartet werden soll, bevor eine ​Michigan-Schiene eingesetzt werden kann.

    Bei Patienten unter 16 Jahren wird eine weiche Oberkieferschiene gewählt.

    Diskussion

    Dieser Patienten-Tag war in gewisser Weise untypisch.

    Am heutigen Tag stand die Michigan-Schiene zufälligerweise im Vordergrund.

    Sehr wichtig bei dieser Offenlegung ist die Bedeutung des Zusammenspiels​ von externer Evidenz (aktueller Stand der Wissenschaft) und interner Evidenz (klinische Erfahrung).

    Eine Faustregel besagt, dass man mindestens 10.000 Stunden praktische Erfahrung in einem Fachgebiet gesammelt haben muss, um auch intuitiv qualitativ gute Entscheidungen treffen zu können.

    Am Ende des Behandlungtages wird ein sehr individuell ​gestalteter Befundbericht, der den Status Quo des Patienten dokumentiert, erstellt​ und an den Patienten und an den Überweis​e​r​ g​egeben.

  • „Man muss an Schmerz-Kongressen teilnehmen! “Ein Interview mit Prof. Dr. Sandro Palla und Dr. Jens Türp

    Orofaziale Schmerzen – Eine Herausforderung

    Hier möchte ich einen Auszug aus dem Interview von Herrn Dr. Türp und dem Pionier der multidisziplinären Diagnostik und Therapie orofazialer Schmerzen Prof. Dr. Palla vorstellen. Erschienen in der Zeitschrift für Kraniomandibuläre Funktion, aus dem Quintessenz Verlag.

    Er war Direktor der Klinik für Kaufunktionsstörungen, Abnehmbare Rekonstruktionen, Alters- und Behindertenzahnmedizin des zahnmedizinischen Zentrums der Universität Zürich.

    Interview mit Dr. Palla und Dr. Türp

    1) Frage: Jens Türp: Was waren die größten Leistungen und die schönsten Erfahrungen in Deiner Karriere?

    Antwort: Palla: Das ist eine gute Frage. Die größte Leistung – wir reden vom orofazialen Schmerz – war vielleicht die Fähigkeit, eine richtige interdisziplinäre Klinik aufzubauen. Außerdem haben wir vermutlich als einziges zahnärztliches Institut in der Welt zwei bis drei Psychologinnen, einen Psychiater und einen Neurologen. Dazu kamen eventuell auch ein HNO, ein Rheumatologe und nach Bedarf ein Kieferchirurg.

    2) Frage: Jens Türp: Gab es rückblickend betrachtet auch Enttäuschungen?

    Antwort: Palla: Die größte Enttäuschung ist, dass es mir nicht gelungen ist, die Zahnärzteschaft zu überzeugen, dass das Kiefergelenkproblem nicht ein okklusal/zahnärztliches Problem ist, sondern eines, das man aus der medizinischen Perspektive anschauen muss, wie alle anderen muskulo-skelettalen Erkrankungen.

    Außerdem ist es nicht gelungen, der Zahnärzteschaft (auch in der Forschung) den Unterschied zwischen dem akuten und dem chronischen Schmerz mitzugeben. Der chronische Schmerz ist ein Schmerz, der gleichzeitig mit großem, belastendem psychosozialem Distress verbunden ist (Achse II).

    3) Frage: Jens Türp: Welche Persönlichkeiten hatten den größten Einfluss auf Dein Denken und Handeln in den letzten 30 Jahren?

    Antwort: Palla: Wichtige Impulse habe ich von Albert Gerber und Major Ash. bekommen. In Bezug auf das klinische Denken sind es nämlich die Mediziner gewesen, z.B. Dr. Hansruedi Isler (Neurologe und Kopfweh-Spezialist). Er hat uns schon Anfang der 1980er-Jahre auf die orofaziale Migräne und den orofazialen Spannungstypkopfschmerz hingewiesen, also primäre Kopfschmerzen, die sich im orofazialen Bereich manifestieren.

    4) Frage: Jens Türp: Welche Assoziation verbindest Du mit dem uns permanent verfolgenden, oft missinterpretierten Begriff „die Okklusion“?

    Antwort: Palla: Obwohl Okklusions-Veränderungen bei den meisten Patienten keine negativen Folgen haben, gibt es immer noch eine Minderheit von Patienten, die okklusal hypervigilant (übertrieben wachsam oder aufmerksam, ängstlich) sind.

    Oft ist es der psychophysische Zustand des Patienten, der mitbetrachtet werden muss. Es gibt in dieser Hinsicht einige Hinweise, dass MAP-Patienten eine erniedrigte Adaptation auf okklusale Veränderungen aufweisen.

    Ich glaube, dass der Trend, den man heute sieht, die Rolle der Okklusion zu mindern, sicher falsch ist. Vor allem sind die Kriterien für die Adaptationsfähigkeit eines Patienten an okklusale Veränderungen zurzeit nicht genau definiert.

    Aber man muss es ganz klar trennen: Das eine ist die zahnärztliche Therapie. Das andere sind Okklusion und orofazialer Schmerz/Myoarthropathien. Und dort bin ich absolut überzeugt, dass eine ätiologische (ursächliche) Beziehung nicht existiert.

    Wichtig ist, dass die Okklusion nicht nur mechanistisch, sondern vor allem innerhalb neurokognitiver Prozesse betrachtet werden muss.

    5) Frage: Jens Türp: In der Schweiz verwenden wir ja den Begriff „Myoarthropathie“. Diesen bevorzuge ich auch. In Österreich und in Deutschland, teilweise neuerdings auch in der Schweiz, wird stattdessen „kraniomandibuläre Dysfunktion“ gesagt. Sind diese beiden Begriffe für Dich Synonyme oder wie stehst Du dazu?

    Antwort: Palla: Der Begriff „Myoarthropathie“ stammt von Willi Schulte (Tübingen). Ich bin nicht glücklich mit dem Begriff „kraniomandibuläre Dysfunktion“. „Myoarthropathie“ heißt ja, es hat etwas mit dem Muskel oder dem Gelenk zu tun. Diese Überbegriffe sind aber immer ein wenig problematisch.

    Die Frage ist die: Soll man überhaupt noch einen Überbegriff verwenden oder ist es besser, nur noch gewebespezifische Diagnosen zu geben? D.h., der Patient hat entweder eine aktivierte Arthrose, einen myofaszialen Schmerz oder eine Diskusverlagerung. Diese Diagnosen sind in den Diagnostic Criteria for Temporomandibular disorders (DC/TMD) beschrieben, wofür auch diagnostische Kriterien definiert wurden.

    6) Frage: Jens Türp: Generell finde ich, dass in der zahnärztlichen Praxis dem Patientengespräch auch vom Zeitaufwand her ein geringerer Stellenwert zugemessen wird als der klinischen Untersuchung. Wie ist Dein Eindruck?

    Antwort: Palla: Vor allem bei den Schmerzpatienten ist das Gespräch sehr wichtig. Wenn man den Charakter, die Intensität, die Lokalisation, den Verlauf des Schmerzes, die Einflüsse, die den Schmerz verstärken bzw. lindern, die Bedeutung des Schmerzes auf das tägliche Leben (einschränkend, nicht einschränkend) usw. nicht kennt, kann man überhaupt keine Diagnose stellen. Das sind wesentliche Faktoren der Diagnostik, die für die Diagnose entscheidend sind und im Gespräch hinterfragt werden müssen.

    7) Frage: Jens Türp: Und dann gibt es ja noch ‒ vor allem in Deutschland sehr beliebt ‒ die instrumentelle Funktionsdiagnostik. Wie stehst Du dazu im klinischen Bereich?

    Antwort: Palla: Ich glaube, man muss unterscheiden zwischen den Begriffen „Diagnostik“, „Diagnose“ und „Dokumentation“. Mit einer instrumentellen Analyse dokumentiert man etwas, aber man diagnostiziert es nicht. Das ist der Unterschied.

    8) Frage: Jens Türp: Wir führen in der Schweiz ja keine instrumentelle Funktionsdiagnostik durch, also dokumentieren wir nichts. Sie ist in der Schweizer Tarifordnung auch nicht vorgesehen. Machen wir da etwas falsch?

    Antwort: Palla: Nein, ich habe vielmehr den Eindruck, dass es nicht nötig ist. Vieles, was man mit der instrumentellen Dokumentation macht, kann man klinisch dokumentieren (z.B. die Größe und den Verlauf der Kondylen-Bewegung zu messen).

    9) Frage: Jens Türp: Warum erfahren an deutschsprachigen u.a., zahnmedizinischen, universitären Einrichtungen die Funktionsstörungen (CMD/MAP) eine viel geringere Aufmerksamkeit, als dies bei den klassischen Fächern vorkommt?

    Antwort: Palla: Der Hauptgrund liegt in der Ausbildung der Zahnmedizin, die heutzutage auf die Reparatur fokussiert ist. Früher war die Schweiz sehr fortgeschritten in Bezug auf Prophylaxe. Das war das A und O der Zahnmedizin. Heute gibt es hier keinen Lehrstuhl mehr.

    Aber „sich profilieren“ ‒ das ist, was heutzutage auf den zahnmedizinischen Kongressen passiert: Das Zeigen, wie gut man technisch ist. Der Patient ist inexistent: Ob eine perfekte Technik die Lebensqualität des Patienten verbessert, das interessiert offenbar den Vortragenden und das Publikum nicht.

    Die Zahnmedizin (orofazialer Schmerz) hat es im Grunde genommen im Laufe ihrer Existenz nicht verstanden, sich der Medizin anzunähern. Man müsste den Teil der Zahnheilkunde (Orale Medizin) fördern, der der Medizin näher liegt.

    10) Frage: Jens Türp: Welche Tipps hast Du für junge zahnärztliche Kollegen, die sich nach dem Staatsexamen schwerpunktmäßig dem Gebiet der Funktionsstörungen bzw. dem orofazialen Schmerz widmen möchten?

    Antwort: Palla: Man muss natürlich an eine Stelle gehen, wo das Fach gelehrt wird. Die betreffende Person muss unbedingt in eine medizinische Schmerzgesellschaft eintreten und an Schmerz-Kongressen teilnehmen.

    Sie muss die Augen aufmachen, sie muss gute Kenntnisse haben über:

    • die Schmerz-Ätiologie und -Pathophysiologie, über
    • den Unterschied zwischen akutem/persistierendem und chronischem Schmerz und über
    • die Risikofaktoren und die Folgen des Schmerzes auf der psychosozialen Ebene.

    Ich war lange Präsident der Schweizerischen Schmerzgesellschaft und habe gelernt, dass wir es mit einer muskulo-skelettalen Problematik zu tun haben.

    Wenn man auf schmerzmedizinische Kongresse geht, dann realisiert man, dass im Prinzip die Risikofaktoren von der psychosozialen Ebene beim orofazialen Schmerz, beim Rückenschmerz und beim Nackenschmerz absolut die gleichen sind.

    Sandro, ich bedanke mich sehr herzlich für dieses Interview.

  • Der Nächste, bitte! Ein Monat Patienten-Behandlung mit Prof. Dr. Jens Türp, Teil 1

    Klinik für Oral Health & Medicine, Basel, Schweiz

    Dr. Jens Türp ist stellvertretender Klinik-Leiter und Leiter der Abteilung Myoarthropathien / Orofazialer Schmerz, Klinik für Oral Health & Medicine, Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel, Schweiz.

    Dies ist ein zusammengefasster Auszug der Publikation des Autors, erschienen in der Fachzeitschrift: Kraniomandibuläre Funktion, 2021 aus dem Quintessenz Verlag.

    2021: Beispiele aus dem Praxis-Alltag

    Trotz vielfältiger Fortbildungsaktivitäten auf de​m Gebiet der Funktionsstörungen und des orofazialen Schmerzes ist kaum bekannt, wie Dozenten und Autoren bei der Behandlung ihrer eigenen Patienten vorgehen.

    Dr. Türp ​stellt hier ein zufällig ausgewähltes Patientenspektrum vor, das sich im Januar 2021 in seiner Sprechstunde im Zentrum der Zahnmedizin in Basel einfand.

    Die meisten Beschwerden seiner Patienten

    • B​ruxismus
    • Schmerzen im Mund​-, Kiefer​- und Gesichtsbereich
    • Einschränkungen der Unterkiefer​-Beweglichkeit,
    • Kiefergelenks​-Geräusche
    • ​B​issfindungs-Störungen
    • Zahnbezogene Miss​-Empfindungen

    1. Fall: 78-jährige Frau hat Dauer-Schmerzen seit dem Setzen von vier Einzelzahn-Implantaten vor rund zehn Jahren

    Anamnese

    Vorliegen eines persistierenden, idiopathische​n, dentoalveolären Schmerzes (a-typischer ​chronischer Gesichtsschmerz, im Bereich der Zähne/Kieferknochen, ohne klare, identifizierbare Ursache) bzw. ​posttraumatische​r, ​trigem​inaler, neuropathischer Schmerz im Sinne einer ​a-typischen Odontalgie (chronischer Schmerz im Gesicht, der nach einer Verletzung des Trigeminusnervs auftrat).

    Patientin nimmt Amitriptylin​ (Antidepressivum), Pregabalin​ (Lyrica – Muskelentspannendes Medikament/ Antikonvulsivum) ​unterdosiert.

    Klinischer und radiologische​r Befund sind unauffällig.

    Die schmerz​-psychometrisch​en Befunde​ (Achse II) sind unauffällig​ ​(​d.h. keine psychischen Belastungen wie Depressionen, Angst oder Stress​).

    Kieferschmerzen bewirken bei den Tagesaktivitäten nur eine geringe Beeinträchtigung. 

    Behandlung​s-Vorschlag

    Tägliches Entspannung​s-Verfahren durchführen, 

    Therapeutische Erhöhung der ​Tagesdosis „Pregabalin/Lyrica​“ ​(​oft sind Medikamente unterdosiert​),

    Solange eine wissenschaftlich-geprüfte Therapie​ (Arzneimittel oder Schiene) nicht verabreicht wird, aufgrund von Unterdosierung, falschem Schienen-Designs, fehlender Kontroll​-Sitzungen, kann bei ausbleibendem Behandlungserfolg, keine gültige Aussage darüber getätigt werden, ob das betreffende Behandlungsmittel wirksam oder nicht wirksam ist.

    Diagnostik

    • Millimeter Lineal​
    • Algometer/ Palpeter​ ​(​W​erden zur Messung von Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Sehnen​ verwendet)​
    • Hanel Shimstock Folie​ (Zur Überprüfung der Kontaktpunkte​ bei der Endkontrolle​)
    • Okklusions​-Folie
    • PINOFIT Kühlspray
    • ​Dolografie​ (Visuelle Kommunikations-Hilfe bei der Schmerz-Therapie)
    • Michigan-Schiene
    • Massage-Creme
    • Aqualizer​ (mit Wasser gefüllte Schiene)
    • Diclofenac-Pflaster​ (Schmerz-Plaster)
    • Lokalanästhesie 
    • Selektives okklusales Beschleifen

    Behandlung & Ergebnis

    • Detaillierte Aufklärung
    • Lokalanästhesie wegen einer Neurogenen Entzündung
    • Schmerzen wurden besser

    Nach der Erfahrung von Dr. Türp bei vergleichbaren Fällen von persistierenden (anhaltenden) Schmerzen werden anschließend bei dieser Therapie bei der Hälfte der Patienten die Schmerzen besser.

    Patientin meldet sich erneut

    • Heilanästhesie hat 15 Tage gewirkt,
    • Schmerzen sind erneut gekommen, aber anders,
    • Zusammen mit dem Hausarzt wurde das Pragabalin erhöht,
    • Patientin wünscht eine erneute Heilanästhesie,

    2. Fall: 36 Jahre alter Patient, leidet seit drei Monaten unter starken Funktions-abhängigen Schmerzen im rechten Kiefergelenk, insbesondere beim Essen auf der linken Seite

    Anamnese

    Klinischer Befund: Bei der Palpation der Schläfen, Masseter​-Muskeln​ und der Kiefergelenke ​sind keine Schmerzen aufgetreten. Also keine Auffälligkeiten im klinischen Befund.

    Diagnostischer Befund: Es besteht eine Diskrepanz zwischen dem Patienten-Bericht ​“mir tut es weh“ und dem diagnostischen Befund ​“ohne Besonderheiten​“.

    Das Problem ist hier, dass bei solchen Fällen keine Diagnose gestellt werden kann. Im schlimmsten Fall wird der Patient als Simulant oder Psycho hingestellt.

    Folgende Grundsätze müssen bei Schmerz-Patienten beachtet werden:

    a) Die Beschwerden des Patienten sind real​.

    b) Bei der Anamnese gibt es Einschränkungen bei den diagnostischen Verfahren.

    c) Bei der Schmerzdiagnostik sind die Angaben des Patienten wichtiger als die Befunde der klinischen Untersuchung​.

    d) Hier spricht man dann von chronischen Schmerzen ohne Schmerzübertragung​.

    3. Fall: Patient wünscht sich, ​entgegen der Empfehlung der Ärzte, homöopathische Präparate zu nehmen

    Dies muss akzeptiert werden,

    Die Autonomie der Patienten steht über den Behandlungdrang des Zahnarztes,

    Dieser Weg sollte nur genau dokumentiert sein,

    4. Fall: ​Zwei neue Patienten, beide knirschen und pressen mit den Zähnen, was beide auch bestätigen

    Therapie Empfehlung bei Bruxismus:

    Siehe Beitrag: Schienen-Therapie: Einblicke in die Evidence-Based Medicine – Interview mit Prof. Dr. Türp
    Beitrag: Schienen-Therapie

    • Zusätzlich empfiehlt es sich, einen Kaugummi in den Mund zu tun. Das führt dazu, dass die Zunge damit spielt, der Unterkiefer sich senkt und so die Zahnreihen keinen Kontakt mehr haben,
    • Tägliches Üben​ eines Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen/ Feldenkrais/ Alexander-Technik,​​
    • Michigan-Schiene,
    • Massage des Masseter Muskels mit einer Creme (Traumeel, homöopathische Creme),
    • Physiotherapie im Gesichtsbereich, mit Spezialisierung auf ​die Kiefergelenks-Problematik,

    5. Fall: ​57-jährige Frau mit Kiefergelenk-Athralgie zeigt eine Befund-Kongruenz auf (Übereinstimmung), ein Fall wie aus dem Lehrbuch

    Anamnese

    Bei der maximalen Kieferöffnung (35 mm ohne Schmerzen) tritt eine Abweichung der Unterkiefermitte nach rechts (5 mm) auf.

    Im Vergleich zum linken Kondylus (Gelenk) existiert eine deutlich fühlbare geringere Beweglichkeit beim rechten Kondylus.

    Frau klagt über rechts-seitige Kiefergelenks-Schmerzen bei der Unterkiefer-Bewegung.

    Wichtig: Die Nahrungsaufnahme und das Kauen erfordern im grunde keine ausgedehnten Unterkieferbewegungen. Mit einem Schneidekanten Abstand von 30 mm und einem Seit- und Vorschub von mindestens 5 mm, kann die Kieferfunktion ungestört ablaufen.

    Diagnose

    Bruxismus (Kieferpressen/Zähneknirschen) mit Attrition (Verschleiß) der Front-Zähne

    Kiefergelenk-Athralgie, rechts,

    Myofaszialer Schmerz in beiden Masseter-Muskeln,

    Therapie

    Diese Frau hat bereits 5 andere Therapien durchlaufen:

    Beitrag: Schienen-Therapie

    Ergänzend wird ein selbsthaftendes Diclofenac-Pflaster während der Nacht auf dem rechten Kiefergelenk platziert,

    6. Fall: ​64-jährige Patientin, Bruxismus: (Kieferpressen, Zähneknirschen), Abfraktion (keilförmiger Defekt im Zahnhalsbereich) an den Zähnen, Myofaszialer Schmerz in beiden Masseter-Muskeln, Arthralgie in beiden Kiefergelenken

    Anamnese

    Sie wurde überwiesen von einem anderen Arzt mit der Bitte, ein MRT der Kiefergelenke zu machen, Tumorverdacht liegt nicht vor.

    Patienten müssen vor so einem Schritt aufgeklärt werden, warum ein MRT notwendig ist. Es besteht nämlich immer die Gefahr einer Überdiagnostik/Übertherapie.

    Wohl sollte aber von jedem neuen Patienten eine Panoramaschichtaufnahme (OPT) gemacht werden und diese darf nicht älter als 2 Jahre alt sein.

    Vorgehen: Panoramaschichtaufnahme

    Die ​OPT-Aufnahme komplettiert die aus ​der Anamnese und ​der Klinischen Befundung gewonnenen diagnostischen Daten.

    Die klinisch nicht erkennbaren Informationen aus de​r OPT dienen der Differenzialdiagnostik und geben auch Aufschluss über etwaige funktionelle, knöcherne Anpassungen im Bereich der Kiefergelenke und Unterkieferwinkel aufgrund de​r langjährigen Einwirkung starker Biomechaniker Kräfte (Pressen)​.

    Bei den i​n der OPT interpretierten Schliffflächen ​im Bereich der Gelenke und Gelenk​-Höcker​ ​(meistens ein Zeichen ​einer Kiefergelenk​s-Arthrose​) handelt es sich nämlich fast immer um eine physiologische Anpassung. 

    Radiologen verwenden gerne Beschreibungen wie Destruktion, arthrotische Veränderungen, Diskusperforation, die ganz klar die Patienten verunsichern und verängstigen. Meistens sind sie aber nur biologische Variationen der Normalität.

    Bei der Patientin ​waren keine solchen radiologischen Auffälligkeiten vorhanden. Patienten w​ird ein OPT​-Befund grundsätzlich am Computerbildschirm erklärt und sie erhalten stets ​e​ine Papierkopie des Panoramabild​s zur eigenen Verfügung.

    7. Fall: Mehrere Patientinnen, Verwendung einer Michigan-Schiene; wichtige Schritte, die zu beachten sind

    Ablauf und Hinterfragung

    Schritt 1: Lässt sich die Michigan-Schiene leicht auf die Zahnreihe im Oberkiefer anbringen? Herrst hier ein Widerstand, dann ist der Vestibulare Rand zu lang, der dann gekürzt werden muss.

    Schritt 2: Drückt die Schiene und fühlt sich der Patient eingeengt, dann muss der Rand noch weiter gekürzt werden.

    Schritt 3: Weisen die Seiten- und Eckzähne des Gegenkiefers mindestens einen Kontakt mit der (glattgestalteten ohne Mulden aufweisenden) Schienenoberfläche auf?

    Schritt 4: Ist beim Schienengeführten Vor- und Seitschub des Unterkiefers Freiheit in der Zentrik gewährleistet?

    Schritt 5: Nach dem Einschleifen wird die Schiene noch händisch am Stuhl mit Schmirgelpapier geglättet.

    Schritt 6: Die erste Nachkontrolle erfolgt nach 2-5 Tagen, die zweite Kontrolle nach 2 Wochen.

    8. Fall: Patientin, 72 Jahre, Schmerzanamnese mit der Dolografie, ergänzendes Instrument

    Ablauf

    Die Dolografie ist eine Methode zur Kombination von bildgebenden Verfahren und Schmerzskalen bei der Schmerzmessung.

    Bei dieser Methode werden dem Patienten 34 Bildkarten mit verschiedenen Bildern von Personen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken oder Körpersprache gezeigt.

    Der Patient soll dann angeben, welche Bilder am besten seine aktuellen Schmerzen darstellen, wie stark er die Schmerzen empfindet und warum er bestimmte Bilder ausgewählt hat.

    Interpretation: Die Ergebnisse können helfen, die Schmerzart, -intensität und -lokalisation besser zu verstehen und eine individuelle Therapie zu planen.

    9. Fall: 53-jährige Patientin, betroffen von Bruxismus & Lyme-Borreliose, erbittet Aufklärung über den Zusammenhang dieser beiden Erkrankungen

    Patientin erhält 3 Fachartikel zum Thema mit folgenden Inhalten:

    Ein möglicher Zusammenhang zwischen Bruxismus, CMD und Lyme-Borreliose ist, dass Lyme-Borreliose orofaziale Symptome (Schmerzen im Kieferbereich, Gesichtsneuralgien, Kiefergelenksprobleme) verursachen kann.

    Lyme-Borreliose kann auch zu Muskelverspannungen und Entzündungen führen, die Bruxismus und CMD beeinflussen können.

    10. Fall: Patientin, 38 Jahre, Nebenbefund Karies mit Schädigung des Zahnbeins und Zahnfleisch-Rückgang

    Therapie

    Nachdem keine Zahnschmerzen vorliegen, wird die Patientin an die Klinik für Parodontologie, Endodontologie und Kariologie im Haus verwiesen.

    11. Fall: Patient, 42 Jahre, seit Legen einer Zahnfüllung vor einigen Jahren, anhaltendes Gefühl einer gestörten Okklusion

    Funktionsbefund

    • Normale Unterkieferposition,
    • Geringe Druckschmerzhaftigkeit des linken Masseters und des rechten Kiefergelenks, 
    • Beim starken Zusammenbeißen, rechtsseitig stärkere Kontraktion des Masseter Muskels als links,

    Okklusions-Befund

    • rechtsseitig Okklusionskontakte vorhanden,
    • fehlende Okklusale Abstützung im linken Seitenzahnbereich,

    Diagnose

    • Malokklusion

    Therapievorschlag

    • Beobachtung der weiteren Entwicklung,
    • Falls es zu keiner Verbesserung der Okklusion kommt, dann vorsichtiges und behutsames Einschleifen, mit dem Ziel mehr Okklusionskontakte auf der linken Seite zu erhalten,

    Weiterer Verlauf

    • 1. Kontrolltermin nach 2 Monaten: Auf der linken Seite waren jetzt alle Okklusionskontakte vorhanden,
    • Allerdings spürte der Patient weiterhin rechts mehr Kontakte,
    • Wegen der eingetretenen Verbesserung der Okklusion wurde vereinbart, weiter zu warten und gegebenenfalls bei Vorkontakten, die rechte Okklusions-Seite einzuschleifen, sollten weiterhin Beschwerden bestehen,
    • 2. Kontrolltermin nach einem weiteren Monat: Patient gibt weiterhin an, rechts mehr Kontakt zu haben,

    Therapie

    • Selektives, Punktuelles Einschleifen der rechten Seite,
    • Patient war sichtlich zufrieden,
    • Okklusion ist nach Ablauf von ein paar Tagen gleichmäßig geblieben,

    11. Fall: 44-jährige Patientin, nach Kieferabformung und Kieferrelationsbestimmung, Kontrolle der Michigan-Schiene

    1. Nachkontrolle

    Die Patientin ist sichtlich zufrieden, vor allem, dass sie mit der großen Schiene so gut schlafen kann.

    Zusammenfassung

    Orale Schienen sind oft zu niedrig

    Die meisten oralen Schienen, die Patienten woanders erhalten, sind oft zu niedrig. Dadurch können sie durch die intramuskulär hervorgerufenen Funktionsmuster-Veränderungen der Kiefermuskulatur (Lageänderung der Kondylen) nur beschränkt wirksam sein.

    In solchen Fällen wird die Oberfläche der Schiene mit Kunststoff aufgebaut und anschließend eingeschliffen, geschmirgelt und poliert.

    Eine Michigan-Schiene sollte bis zu 10 Jahre halten.

    Klinisch wichtige Merksätze

    Diagnostik

    Eine genaue Anamnese ist der wichtigste Aspekt bei der Diagnostik und ​unklarer Schmerzen. Sie ist wichtiger als die Untersuchung.

    Die therapeutische Erfahrung darf nicht auf ​dem Selbst-Erlebten aufgebaut sein, weil Erinnerungen​ trügerisch sein können​.

    Die Variabilität von Zahnschmerzen ist so groß, dass für jeden Untersucher eine gute Regel darin besteht, bis zum Beweis des Gegenteils aller Schmerzen im Mund und im Gesichtsbereich als dentalen Ursprungs zu betrachten.

    Unser Patienten-Gespräch variiert immer zwischen 30-60 Minuten und findet übrigens auf Augenhöhe an einem Tisch statt.

    Diagnose

    Viele Krankheitsbilder lassen sich nicht scharf gegeneinander abgrenzen. Die Zuordnung der Symptome zu den verschiedenen Krankheiten ist recht ungesichert, die Wahrscheinlichkeiten ihrer Zuordnung können nur grob abgeschätzt werden.

    In vielen Fällen lässt sich überhaupt keine Diagnose im Sinne der Erklärung der Symptome stellen.

    Indikationsstellung

    Eine Indikationsstellung ist ein fachliches Urteil im Einzelfall. Laut ethischen Prinzipien „nutzen und nicht schaden“ ist sie eine Empfehlung an den Patienten.

    Therapie Entscheidung

    Ziel der Informationsvermittlung ist der informierte Patient über Art​, Risiken und Nutzen von Alternativen, sowie über die Option ​“nichts zu tun​“.

    Therapie

    Punktuelles Einschleifen kann auch bei einem Patienten mit einer früheren Kiefergelenks-Arthropathie, die zu einem Verlust der Kondylären Abstützung und zu einem offenen Biss geführt hat, als sinnvoll erachtet werden.

    Bei solchen Patienten kann ein ​E​inschleifen der Molare​n ​für eine erhöhte Zahl antagonistischer Zahnkontakte sorgen. Ein solcher Eingriff ist jedoch nur durchzuführen, wenn es Belege dafür gibt, dass die bestehende Bissveränderung zum Stillstand gekommen ist.

    Wenn eine bestimmte Denkart mit einem ökonomischen Vorteil einhergeht, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Denkart auch ohne unterstützende Wissenschaftliche Daten aufrechterhalten wird.

    Klinische Funktionsanalyse

    Die klinische Funktionsanalyse beginnt mit der Untersuchung der Unterkiefer-Beweglichkeit. Große Bedeutung kommt dem individuellen Befundbericht zu, der nach der Erstkonsultation erstellt wird.

    Inhalte

    • Vorgeschichte
    • Akute Beschwerden
    • bisherige Therapie
    • Dolografischer Befund
    • Unterkieferfunktions-Befund
    • Okklusaler-Befund
    • Schmerzpsychometerischer Befund
    • radiologischer Befund
    • Diagnostisch zugeordnete Krankheitsbegriffe
    • Therapie-Vorschläge

    Dieses Schreiben geht dann an den Überweiser und an den Patienten.

    Evidenz-basierte Medizin

    Im heutigen Zeitalter müssen klinische Handlungs-Entscheidungen auf Argumenten mit der Beweiskraft von Tatsachen beruhen, also beleg-gestützt sein.

    Generell sind bei Patienten Diagnosen nur mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten möglich. D.h. Selbst im Falle gleicher Krankheitsmerkmale und Therapie ergeben sich bei Patienten unterschiedliche Behandlungs-Ergebnisse.

    Ärzte behandeln keine Mittelwerte, sondern individuelle Patienten und jeder Patient ist ein Unikat.

    Eine praktizierte nachweis-gestützte Zahnmedizin stellt eine wirksame Strategie gegenüber „Über-„, „Unter-“ und „Fehl-Versorgung“ dar – eine Gefahr, der vor allem funktions-gestörte Patienten ausgesetzt sind.

    Eine Faustregel besagt, dass man rund 10.000 Stunden Erfahrung haben muss, um auf einem definierten Gebiet intuitive Entscheidung hoher Qualität treffen zu können, das entspricht rund 5 1/2 Jahren ausschließlicher Beschäftigung mit der betreffenden Materie.

    Verantwortungsvolle Behandler mit Schwerpunkten in anderen Gebieten der Zahnmedizin und ohne Expertise auf dem Gebiet der Funktionsstörung handeln daher vorbildlich, wenn sie solche Patienten an kompetente Kollegen mit dem Schwerpunkt Funktion und Schmerz überweisen.

  • Skelata – Chronische Rückenleiden & das Schmerzgedächtnis

    Skelata – Chronische Rückenleiden & das Schmerzgedächtnis

    Chronische Schmerzen & der richtige Therapie-Ansatz

    Ihr habt schon alle guten, alternativen, ganzheitlichen Ansätze der Körperarbeit durch? Insbesondere bringt euch das Erlernen von neuen Bewegungsmustern oder die Neuprogrammierung der gesamten Haltung nicht weiter? Dann seid ihr bei Skelata richtig.

    Wenn ihr jetzt immer noch Schmerzen habt, dann ist es vermutlich euer Schmerzgedächtnis, das euch plagt. Das hatte ich auch im rechten Fuß – eine chronische Entzündung einer Sehne im Sprunggelenk (aufgrund eines Beckenschiefstandes).

    Das Team von Skelata

    Nina Olsson ist Neurocoach und Mentalitätstrainerin. Bei ihrer Arbeit versucht sie Veränderungen im Denk- und Verhaltensmuster der Menschen zu erreichen, die sie konsultieren.

    Michael Weber (Sohn von Nina) ist Physiotherapeut, Faszien-Therapeut und Osteopath. Er behandelt seine Patient:innen seit 15 Jahren in seiner Praxis in der Münchner Innenstadt.

    Nina war vor einigen Jahren selbst von chronischen Rückenschmerzen geplagt.  Ihr Sohn überzeugte sie davon, dass nicht die Wirbelsäule die Ursache ihrer Schmerzen war. Es waren verklebte Faszien, verkümmerte Muskeln und verkürzte Sehnen.

    Durch osteopathische Übungen zum Selbermachen und gezielte Veränderung von falschen Überzeugungen wurde Nina in wenigen Wochen vom Schmerzgedächtnis befreit und ist bis heute noch beschwerdefrei.

    Was ist das Schmerzgedächtnis überhaupt?

    Symptome die auf ein Schmerzgedächtnis hindeuten:

    • Chronische Schmerzen, die über Wochen andauern,
    • sie kehren regelmäßig wieder,
    • es gibt keine klare Ursache für den anhaltenden Schmerz,
    • Schmerzen, die in Situationen auftreten, die mit dem ursprünglichen Schmerzauslöser verbunden sind,

    Man kann es so erklären, dass das Gehirn den ursprünglichen Schmerz als Erinnerung abspeichert. Es speichert Erlebnisse, basierend auf unseren Gefühlen und Gedanken (Wut, Angst, Trauer, Beschimpfungen vom Chef etc.) ab.

    Starke, insbesondere schmerzhafte Erlebnisse setzen sich tief im Gedächtnis fest. Auch die Selbstsabotage, das „sich Beklagen“ durch ständiges Negativ-Denken, schlechte Glaubenssätze und die Opferhaltung schütten Stress-Hormone (Cortisol/Adrenalin) aus, die einen sensibler für Schmerzen machen. 

    Wie das Gehirn arbeitet

    Bei einer Verletzung überprüft das Gehirn regelmäßig, ob der Schmerz immer noch wehtut oder ob die Struktur beschädigt ist. Nach 6 Wochen sind akute Schmerzen meistens verheilt.

    Generell ist unser Gehirn sehr faul, aber es will uns beschützen. D.h. nach 6 Wochen hat das Gehirn keinen Bock mehr, immer alles zu überprüfen. Es baut sich nun eine Abkürzung und verschiebt den Schmerz ins Langzeitgedächtnis. Somit reagiert es immer sofort und der Schmerz wird chronisch.

    ▶ Vorneweg: Man kann das Schmerzgedächtnis leider nicht komplett löschen, aber die Erinnerungen positiv umbauen und im Gedächtnis festsetzen.

    ▶ Bei mir z.B. merke ich das Schmerzgedächtnis manchmal, aber das ist so selten, dass ich gar nicht mehr daran denke.

    Die Skelata-Methode

    In ihrem Patienten-Seminar für Rückenschmerzen lernt man, veraltete Schmerz-Erinnerungen sanft hervorzuholen und durch emotional positive und schmerzfreie Erlebnisse zu ersetzen.

    Das wird kombiniert mit osteopathischen Techniken zum Selbermachen. Auf diese Weise wird dem Schmerz die Macht über dein Leben genommen. Du gewinnst die Kontrolle über deine Erinnerungen zurück. So lebst du wieder ohne Angst vor dem Schmerz.

    Wie du wieder die Kontrolle über deinen Körper erlangst

    Atme dich frei

    Schmerzen können durch die Atmung beeinflusst werden. Eine bewusste, tiefe Atmung kann Schmerzen lindern, während eine flache, oberflächliche Atmung Schmerzen verstärken kann. (siehe Post)

    Beitrag: Richtig Atmen: Buteyko & Wim Hof

    Überschreibe negative Glaubenssätze

    Arbeite an deinen Überzeugungen und programmiere dich neu: Lege die Opferhaltung ab und arbeite an deinem „Angst-Schmerz-Kreislauf“, in dem du „Stopp“ sagst – du hast die Macht, dort wieder rauszukommen. „Yes I can“

    Bewegung und Musik wirken schmerzstillend

    Bewege dich wieder: Tanzen zur Musik setzt Oxytocin frei, das entzündungshemmend wirkt.

    Neuro-Tango als neue Bewegungs-Therapie
    https://physiotherapeuten.de/artikel/neurotango

    Dankbarkeits-Übungen und Selbsthypnose

    Studien zeigen, dass dankbare Menschen weniger anfällig für körperliche Beschwerden und Schmerzen sind. Auch Visualisierung-Übungen aus der Selbsthypnose haben einen positiven Impact auf die Schmerzen.

    Ich habe auch mal ein paar Sitzungen bei einer Hypno-Therapeutin gebucht, wegen einer stressigen Phase in meinem Leben, wo ich ziemlich ausgepowert war.

    Sie hat mir dann empfohlen, mich täglich mit einem Energie-Ort aus meiner Vergangenheit zu verbinden (Urlaub am Strand). Weil, alles an positiven Erfahrungen ist in unseren Zellen gespeichert und du kannst diese Emotionen und Momente wieder in dein Bewusstsein rufen.

    Tägliches Üben

    Ich empfehle dir, täglich 30 Minuten zu üben. Das Gehirn braucht Zeit, um die alten Schmerz-Pfade mit positiven Trampel-Pfaden zu überschreiben. Ihr müsst euch motivieren und dranbleiben, dann werdet ihr auch Erfolg haben.

    Buch: Neurocoaching

    Wie der Körper den Schmerz vergisst – Schmerzgedächtnis löschen – Schmerzkontrolle lernen

    Dieser Beitrag ist lediglich ein Auszug aus dem Patienten-Seminar. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, kann sich das Buch kaufen. Im Buch sind alle Seminar-Inhalte enthalten und ich kann es auf jeden Fall weiter empfehlen.

    Die Teilnahme am Seminar hat mich ebenfalls persönlich weiter gebracht, obwohl ich das Buch zuerst gelesen habe. Die Wissensvermittlung über ein angeleitetes Trainings-Programm bringt mehr Verständnis über die korrekte Ausführung der Therapie und die Umsetzung zu Hause.

    Fazit:

    Ich finde, wenn man mit dem Schmerzgedächtnis arbeitet, sollte man trotzdem auch mit der Struktur arbeiten (verklebte Faszien/Funktioneller Beckenschiefstand, etc.)

    Erst nachdem meine Achsensymmetrie (Beckenschiefstand habe ich täglich mit Übungen korrigiert) wieder hergestellt war, hat sich der Zug auf die entzündete Sehne im Sprunggelenk gelockert. Dann wurden die Schmerzen besser.

    Die Skelata-Methode nutze ich regelmäßig, wenn ich zu sehr gestresst bin und meine Lockerungs-Übungen nicht mehr funktionieren. D.h. wenn sich durch meine Feldenkrais-Übungen abends mein Tinnitus verstärkt, dann weiß ich, dass ich anders arbeiten muss.

    Ja, das stimmt. Das, was ich euch an ganzheitlichen Übungen empfehle, kann auch Stress für den Körper sein. D.h. Schmerzen verstärken sich, oder nichts funktioniert mehr von dem, was mal funktioniert hat.

  • Neuroathletik Training – Funktionelle Neurologie und das Nervensystem

    Neuroathletik Training –  Funktionelle Neurologie und das Nervensystem

    Die Arbeit an den Ursachen und nicht an den Symptomen

    Obwohl ich mich in den letzten 15 Jahren intensiv mit Körperarbeit auseinander gesetzt habe, hatte ich trotzdem noch Wissenslücken, was die Arbeit mit Schmerzen am Körper angeht.

    Ich habe mich zu sehr auf die Funktion von Gelenken und Muskeln konzentriert und bin die Störquellen nicht differenziert genug angegangen.

    Neuro-Basic Trainer

    2024 habe ich dann das Online-Seminar „Neuro-Basic Trainer“ bei der Deutschen Neuro-Akademie mit Lisa & Andreas Könings absolviert. Hier geht es vorallem um die gezielte Analyse des Nervensystems und der Gehirnfunktionen.

    Ziele des Neuroathletik Trainings sind die Bewegungskontrolle, Kraft- und Leistungssteigerung sowie die Schmerzreduktion.

    Folgendes Wissen konnte ich mir u.a. in diesem Seminar aneignen:

    • Neuroanatomie (Neuronale Hierarchie), 
    • Neuro-Mobilisation (das Spiegelkonzept, Neurologische Aktivierung der Propriozeption/Mobilisation), 
    • Schmerz- und Schmerzentstehung, 
    • Steuerungssysteme,
    • Einführung in das neurozentrierte Testprinzip​, 
    • Ganganalyse nach neuroathletischen Prinzipien​,

    (Die Thematisierung des Orofazialen Systems ist nicht im Basis Seminar enthalten – aber im Buch.)

    Schmerz entsteht im Gehirn

    Es gibt keine Schmerzrezeptoren im Körper, sondern lediglich Gefahren-Rezeptoren. Das Gehirn schickt bei Schmerzen z.B. im Knie ein Schmerzsignal/Warnung, damit man seine äußeren Umstände verändert (mehr Bewegung, das Gleichgewicht wieder herstellen, eine gesunde Ernährung, Stress reduzieren).

    So wie ich es in meinem Blog schon mehrmals erwähnt habe, geht es beim Neuroathletik Training nicht um eine passive Therapie-Methode. Niemand kann euren Schmerz beseitigen, außer ihr selbst. Und dazu gehört ein aktiver Einsatz.

    Austesten der Störquellen

    Das Nervensystem reagiert sehr schnell auf gesetzte Reize/Tests. Dies lässt sich nutzen, um folgende Störquellen (siehe meinen Beitrag: Ursachen von Schmerzen und Fehlhaltungen) mit bestimmten Übungen auszutesten:

    • Visuelles-System (Augen),
    • Vestibular-System (Gleichgewicht),
    • Orofaziales-System (Zunge, Mimik),
    • Propriozeptives-System (alle Gelenke im Körper),

    Beitrag: Ursachen von Fehlhaltungen und Schmerzen

    Neuro-Analyse des Gangbildes – der Goldstandard

    Für mich ist nun die Analyse des Gangbildes (ohne Schuhe ausführen) neu dazu gekommen. Hierzu gibt es von Andreas Könings eine Podcast-Folge mit folgenden Inhalten:

    • Warum dein Gang so viel über die Funktionsweise deines Gehirns verrät,
    • Welche typischen Gangbilder auf bestimmte neuronale Auffälligkeiten hinweisen,
    • Wie du eine Ganganalyse sofort praktisch einsetzen kannst,

    Auffälligkeiten beim Gehen

    Asymetrischer Armschwung: Die Pendelbewegung der Arme sollte gleichmäßig sein, (Probleme im Kortex, Großhirnrinde),

    Vestibular-Gang: Wackelkopf, ganzer Körper ist instabil, (Gleichgewichts-Problem, auch visuelles Problem möglich),

    Kleinhirn-Gang: Innenrotation von Armen, Beinen und Füßen,

    Hirnstamm-Gang (PMRF): Innenrotation der Schultern, Hüfte geht in eine Außenrotation, Fußspitzen gehen nach außen,

    #52: Ganganalyse aus neurozentrierter Sicht – Was dein Gang über dein Gehirn verrät, Spotify
    ​https://creators.spotify.com/pod/profile/neuro360

    Ablauf Test Schema

    1) Test: Ermittlung des Ausgangs-Punktes

    Als Test-Übung bieten sich Beweglichkeits-Tests an. Merkt euch immer, wie weit ihr mit einer Übung kommt. Sucht euch aus folgender Aufzählung eure Wohlfühl-Übung aus:

    Vorbeuge: Wie weit kommt ihr zu euren Füßen runter?

    Ganzkörper-Rotation mit ausgestreckten Armen: Wie weit kommt ihr nach links, rechts hinten?

    Seh-Test: Wie gut könnt ihr Kleingedrucktes lesen?

    Gleichgewichts-Test: Wie gut könnt ihr mit zusammen gestellten Füßen und verschlossenen Augen stehen?

    Tiefe Knie-Beuge: Wie gut kommt ihr mit zusammen gestellten Füßen runter?

    Analyse des Gangbildes: Welches Gangbild fällt euch beim Zuschauen auf?

    Sucht euch nur 1-2 Übungen aus. Ihr müsst nicht alle Übungen ausführen.

    2) Übung: Durchführung einer gewählten Übung

    Jetzt ist es wichtig, dass ihr alle Störquellen nacheinander austestet.

    • Ausgangs-Lage aus 1) ermitteln (eine Übung auswählen, z.B. Vorbeuge),
    • Testen, wie beweglich bin ich (Wie weit komme ich runter?),
    • Übung aus 2) durchführen (z.B. Augen-Übung),
    • Re-Test aus 3) durchführen (Was hat sich verändert?),

    Störquellen & Übungen

    Augen: Nach oben, unten, links, rechts, diagonal schauen, Augen-8er ausführen, (3x in jede Richtung).

    Gleichgewichts-Organ: Augen auf einen bestimmten Punkt vor dem Gesichtsfeld fokussieren. Dann Kopf nach oben, unten, links, rechts bewegen und den Kopf-8er ausführen, (3x in jede Richtung).

    Zunge/Lippen/Mimik: MFT-Übungen ausführen, z.B. Zungen-8er, Zähne-Putzen mit der Zunge, Zunge breit und eng machen, Lippen spitzen und breit ziehen, (jeweils 3 Wiederholungen).

    Propriozeptives System/alle Gelenke: Alle 13 Gelenke nacheinander mit einem Unendlichkeits-Zeichen/8er-Übung durchbewegen (3x jedes Gelenk).

    3) Re-Test: Überprüfen der Auswirkungen der gewählten Übung

    • Für den Re-Test führt ihr die gleiche Übung aus, die ihr in 1) gewählt habt.
    • Dann vergleicht, ob ihr nach der Übung aus 2) beweglicher geworden seid.
    • Der Re-Test sollte innerhalb von 30 Sekunden durchgeführt werden.

    4) Dokumentation der Ergebnisse der Übungen

    Der Re-Test kann folgendermaßen ausfallen:

    Positiv: Glückwunsch, euer Nervensystem hat diese Übung positiv bewertet und ihr habt die richtige Störquelle korrigiert. Integriert diese Übung in euren Alltag mit ein.

    Negativ: Das Nervensystem möchte euch schützen. Führt diese Übung nicht mehr durch.

    Keine Veränderung: Euer Nervensystem arbeitet hier einwandfrei. Integriert diese Übung nach Lust und Laune.

    Jetz kommt die nächste Störquelle dran (nach den Augen) – das Gleichgewichts-System. So weiter machen.

    Mobilisations-Übungen nach dem Spiegelgelenk-Konzept

    Dieses Konzept nennt sich auch das ​“Opposing-Joint-Prinzip​“, das sich auf die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Gelenken im Körper konzentriert.

    Durch gezielte Bewegungen im „gesunden“ Gelenk können zudem neuronale Verbindungen aktiviert werden, die Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen im „kranken“ Gelenk lindern können.​

    So sind z.B. die Zehen mit den Fingern und die Hüfte mit der Schulter jeweils auf der anderen Körperhälfte gekoppelt. Auch die Lendenwirbelsäule ist mit der Brustwirbelsäule und der Kiefer mit dem Steißbein (Becken) verbunden.

    Nicht-lineare Bewegungen​ & Beispiele

    Übungen wie 8er, Kreise oder Spiralen werden auf der schmerzfreien Seite ausgeführt, mit dem Ziel der Schmerzreduktion im kranken Gelenk auf der anderen Seite.

    Bei Schulterschmerzen könnte eine Übung mit dem Ellenbogen der schmerzfreien Seite durchgeführt werden. Bei Knieschmerzen eine Übung mit dem Hüftgelenk der schmerzfreien Seite.

    Buch: Schmerz ist Kopfsache

    Mit neurozentrierten Übungen Beschwerden in den Gelenken im Verdauungstrakt und chronische Schmerzen selbt behandeln.

    Dieser Beitrag ist lediglich ein Auszug aus dem Seminar. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, kann sich das Buch kaufen. Im Buch sind alle Seminar-Inhalte enthalten und ich kann es auf jeden Fall empfehlen.

    Die Teilnahme am Seminar hat mich persönlich weiter gebracht, obwohl ich das Buch zuerst gelesen habe. Die Wissensvermittlung über einen Trainer bringt mehr Verständnis über die korrekte Ausführung der Therapie und die Umsetzung bei Patienten.

    Fazit:

    Ich habe jetzt gelernt, dass ich noch gezielter alle Störquellen nacheinander durchgehe und die Übungen öfters mit einbaue. D.h. ich fange mit den Augen an und gehe nach einander die anderen Störquellen durch.

    Insbesondere, wenn ich in der rechten Schulter Schmerzen habe, mache ich mit meiner linken Hüfte Übungen.

    Wenn nun eine Störquelle nicht mit einer Übung positiv zu beeinflussen ist, lass ich sie weg.

  • Richtig Atmen: Buteyko & Wim Hof

    Richtig Atmen: Buteyko & Wim Hof

    Buteyko-Atmung – Konstantin Pavlovich Buteyko

    Reduziertes Atmen & Lufthunger

    Die Buteyko-Methode geht auf den russischen Arzt Professor Konstantin Pavlovich Buteyko (1923 – 2003) zurück.

    Während seines Studiums untersuchte er das Atemverhalten von Patienten – insbesondere die Verbindung zwischen der Schwere einer Krankheit und der Prognose des Krankheitsverlaufs.

    ▶ Er kam zum Schluss, dass zwischen den zwei Faktoren eine Wechselbeziehung besteht.

    Je mehr sich der Zustand eines Patienten verschlechterte, desto mehr atmete er (chronische Hyperventilation oder Überatmung).

    Buteyko hatte selbst die damals oft tödlich verlaufende Form des Bluthochdrucks. Mit seiner reduzierten Atem-Technik und gleichzeitiger Entspannung brachte er die Krankheit zum Verschwinden. Und dies, obwohl ihm von mehreren Ärzten nur noch eine Lebenserwartung von 1-2 Jahren zugesprochen wurde! 

    Kohlendioxid als Übeltäter

    Vor allem der Verlust des Kohlendioxids (durch das Überatmen bei Stress) im Blut machte er für diverse Erkrankungen verantwortlich. Mit seiner Methode behandelte er Patienten mit Asthma, chronisch verstopfter Nase, Bluthochdruck und vielen weiteren Beschwerdebildern.

    Bohr-Effekt

    Bohrs Theorie zeigt, dass Kohlendioxid die Sauerstofffreisetzung in den Körper katalysiert, sobald unser Blut in der Lunge Sauerstoff aufnimmt . Höhere CO2-Konzentrationen erhöhen daher unsere Sauerstoffaufnahme. Wenn wir höhere Kohlendioxid-Konzentrationen vertragen, nutzen wir den Sauerstoff effizienter.

    Einfluss von Ruhigem Atmen auf den Gesundheitszustand

    Wenn Menschen in Ruhe weniger Atmen, als 4 l pro Minute, besonders auch im Schlaf, dann haben sie so gut wie nie chronische Krankheiten und können ihren natürlichen Zustand mit funktionalen Selbstheilungskräften zurückerlangen. 

    Das System der Atmung ist im Körper das übergeordnete System. Es zeigt den Gesundheitszustand in den meisten Fällen sehr präzise an, z.B. wie der Einfluss von Lifestyle-Faktoren (wie Schlaf, Ernährung, Medikamente, Sport usw.) die Gesundheit beeinflussen. Weitere Vorteile sein:

    • Stresspegel minimiert sich
    • Steigerung der Leistungsfähigkeit
    • Reduktion von Schmerzen
    • Weniger Verspannungen im Nacken-Schulter-Bereich als Effekt der Entspannungstechnik/Achtsamkeitsübung
    • Körper wird beweglicher, besonders im Oberkörper und im Schulterbereich, ebenfalls aufgrund des Entspannungseffekts
    • Die Sauerstoffversorgung in den Zellen wird optimiert

    Schafft man es, wirklich konsequent das Training durchzuziehen, dann kann man Stress- Krankheiten wie: Long Covid, Chronic Fatigue Syndrom, Bluthochdruck, leichte psychische Erkrankungen positiv beeinflussen.

    Buteyko-Atmung in 3 Schritten lernen

    Es empfiehlt sich, mit 5-10 Minuten Trainingszeit zu beginnen und diese bis auf 30 Minuten zu steigern. 

    ​1​) Nasenatmung

    Atmet konsequent durch die Nase​!

    • Achte​t im Alltag immer wieder darauf, den Mund geschlossen zu halten. 
    • Solltet ihr euch dabei erwischen​, dass ihr durch den Mund atme​t, schließ​t ​euren Mund und halte​t für zehn Sekunden die Luft an.
    • Steiger​t die Intensität, indem ​i​hr beim Spazierengehen, also bei leichter Belastung, auf ​die Nasenatmung achte​t.

    ▶ Das fühlt sich anfangs extrem ungewohnt an. ​Ihr werde​t aber schnell Verbesserungen bemerken​.

    ​2​) Atempause

    • Führ​t diese Übung entspannt im Sitzen aus.
    • Wenn ​e​uch die Nasenatmung leicht fällt, steiger​t das Training durch eine Atempause nach der Ausatmung. 
    • Halte​t nach der Ausatmung für ein paar Sekunden die Luft an, sodass ​ihr anschließend entspannt wieder einatmen könn​t. 

    ▶ Für die meisten sind das anfangs nur ein bis drei Sekunden. Fang​t langsam an und steiger​t euch allmählich.

    ​3​) Reduzierte Atmung

    • Reduzier​t ​e​ure Atmung, indem ​ihr kleinere und langsamere Atemzüge macht.
    • L​angsam steigern.
    • Bei der Einatmung darf sich der Bauch nach außen wölben, bei der Ausatmung zieht der Bauch dagegen wieder nach innen. 
    • Achte​t darauf, die Atmung Zug für Zug zu reduzieren.
    • Achte​t bei der Übung darauf zu entspannen und lass​t ​bewusst den Schulter-Nackenbereich locker. 

    ▶ Es geht nicht um eine tiefe Ein- und Ausatmung. Sondern im Gegenteil darum, die Atmung zu reduzieren und sich allmählich an den Lufthunger zu gewöhnen. 

    ▶ Idealerweise führ​t ​i​hr die Übung drei bis fünf Minuten durch.

    Meine Erfahrung mit der Buteyko-Methode

    Ich habe tatsächlich, bevor ich diese Methode kennengelernt habe, die meiste Zeit des Tages durch den Mund geatmet. Und das vermutlich schon jahrelang.

    ​Die letzten 25 Jahre habe ich jeden Tag Sport gemacht und vor 2 Jahren hatte ich keine Lust mehr dazu. Ich liebe jetzt dagegen lange Spaziergänge und ich versuche so gut es geht, durch die Nase zu atmen und immer mehr die Atmung zu reduzieren.

    Die Buteyko-Atmung kann durch den Lufthunger nämlich indirekt die Sauerstoffaufnahme verbessern, was sich positiv auf die Sauerstoffversorgung des Körpers und somit auch auf die Produktion roter Blutkörperchen auswirken kann. 

    Das bedeutet: Eine Leistungs-Steigerung ohne Sport. Aber ich sag’s euch. Es hört sich leicht an, ist jedoch eine Herausforderung, dran zu bleiben.

    https://www.buteyko-deutschland.de

    https://schmitz-volker.com

    Wim-Hof-Methode

    Ursprünge des Iceman

    Der niederländische Extremsportler Wim Hof erhielt seinen Spitznamen „The Iceman“, weil er eine Reihe von Kälterekorden brach, darunter die Besteigung des Kilimandscharo in Shorts, das Barfußlaufen eines Halbmarathons oberhalb des Polarkreises und das Stehen in einem mit Eiswürfeln bedeckten Behälter für mehr als 112 Minuten.

    Durch sein umfangreiches Training lernte er, seine Atmung, seinen Herzschlag und seinen Blutkreislauf zu kontrollieren und extremen Temperaturen standzuhalten.

    Atmung – Kälte – Kraft des Geistes

    1) Die Kraft des Atmens

    Wie wir atmen, hat einen starken Einfluss auf unsere Physiologie. Richtig angewendet, kann man sein Energieniveau deutlich verbessern, den Körper entgiften, Stress und Spannungen abbauen und das Immunsystem stärken.

    Die Wim-Hof-Atmung ist eine Atemtechnik, die aus drei Phasen besteht:

    • kontrollierte Hyperventilation (2 Minuten Ein- und Ausatmen)
    • Ausatmen und dann Atem anhalten (30 Sekunden)
    • abschließende Atemübung (Tief einatmen und 15 Sekunden anhalten)
    • Ausatmen (5 Sekunden)

    Sie soll den Körper​, ​im Gegensatz zur Buteyko-Atmung, mit Sauerstoff anreichern und das autonome Nervensystem aktivieren​.

    German Guided Wim Hof Method Breathing Exercise (11 Minuten)
    https://www.youtube.com/watch?v=BckqffhrF1M

    2) Die Kraft der Kälte

    Kälte ist nicht so beängstigend, wie oft gedacht wird. Die allmähliche Kälteexposition durch kalte Duschen/Eisbaden trainiert das Gefäßsystem, hilft bei der Fettverbrennung und steigert die „Wohlfühl“-Chemikalien im Gehirn.

    3) Die Kraft des Geistes

    Das letzte und wichtigste Puzzleteil ist die Kraft der Geist-Körper-Verbindung. Hier spielt die Macht der Absicht eine Rolle und wie man sie nutzen kann, um die Kontrolle zurückzugewinnen und ein ideales Leben zu leben.

    Vorteile für die körperliche Gesundheit

    • Natürliches entzündungshemmendes Mittel
    • Reduktion von Schmerzen
    • Steigerung der sportlichen Leistung
    • Linderung von Autoimmunerkrankungen
    • Linderung von Schmerzen
    • Senkung des Blutdrucks
    • Stärkung des Immunsystems
    • Verbesserung des Schlafes
    • Linderung von Migräne

    Meine Erfahrung mit der Wim-Hof-Methode

    Atmung

    Mit der Atem-Technik bin ich gut zurechtgekommen. Ich habe es nach etwas Übung geschafft, meinen Atem 2 Minuten anzuhalten. Trotzdem habe ich mich mit der Buteyko-Atmung besser gefühlt, weil die Wim-HofAtmung mir manchmal zu anstrengend war.

    Kälte: Duschen und kalt Baden

    Das Kalt-Duschen und Schwimmen im kalten Wasser im Winter hat mich extrem gereizt. D.h. Ich wollte es unbedingt erlernen, diese Kälte auszuhalten. Und das, obwohl ich eine absolute Frostbeule war.

    Es hat mir jedes Mal ein gutes Gefühl gegeben, wenn ich mal einen Tag einen Durchhänger hatte und nichts so richtig geschafft habe. Nach der Kälte-Exposition war ich stolz auf mich, dass ich es durchgezogen habe.

    Meditation und Visualisierung

    Da ich auf diesem Gebiet schon mehrere Jahre Erfahrung habe, war dies nichts Neues für mich. Ich kann nur sagen, dass dieses geistige Training bei regelmäßiger Anwendung einen positiven Impact auf die mentale Stärke hat.

    https://www.wimhofmethod.com

    Fazit:

    Nichts passiert ohne regelmäßiges Üben. Mich haben die vielen Dokumentationen zum Thema „Atmung und die Auswirkungen auf Schmerzen“ im Internet sehr motiviert.

    Ich bin aber auch kein Streber, d.h. ich mache diese Techniken nicht jeden Tag. Ich will mich nicht zu sehr unter Druck setzen.

    ▶ Achtung: Psychische Krankheiten: Insbesondere Wim Hof und Buteyko propagieren, dass ihre Methoden vor allem bei psychischen Erkrankungen positive Veränderungen bringen können.

    ▶ Meine Erfahrung ist: Bei leichten Beschwerden können diese Methoden helfen. Wenn man aber gerade ein schlimmes psychisches Tief hat, da helfen selbst die besten Atem-Übungen, kalten Duschen oder Meditationen nicht wirklich, weil man EINFACH keine Kraft hat, sie durchzuführen.

  • 5) Alexander-Technik: Für Musiker, Sänger, Künstler, Schauspieler & Tänzer

    Gesundheit gehört zum guten Ton

    Der Körper spielt mit beim Musizieren. Deshalb ist ein gesunder Umgang mit ihm eine wichtige Voraussetzung für eine präzise Koordination.

    Beim Spielen eines Instruments können Verspannungen entstehen. Symptome wie Schulter-Nacken-Probleme, Probleme an den Armen und Handgelenken, Sehnenscheidenentzündung, Rückenschmerzen oder fokale Dystonie kommen bei Musikern häufig vor.

    Auch die Atmung bei Bläsern ist dadurch eingeschränkt.

    Fehlerhafte Gewohnheiten durch neue Bewegungsarten ersetzen

    Die Alexander-Technik hilft dabei, Musik zu machen, ohne sich dabei „zu verbiegen“, zu verspannen, oder sogar langfristig ernsthaft zu schädigen. 

    Alexander-Technik für Sänger

    Sänger haben häufig Angst, vor zu hohen Tönen oder vor einem Oktavsprung. Diese Angst ist unnötig, denn diese technischen Hürden sind gar nicht so schwierig.

    Es ist viel mehr diese Angst, die eine zu hohe muskuläre Anspannung in der äußeren Kehlkopfmuskulatur erzeugt. Folgen können sein:

    • ein Engegefühl,
    • ein Druck in der Kehle,
    • Heiserkeit, Halsschmerzen,
    • Stimmbandknötchen, oder
    • Stimmverlust,

    Wer seine Atmung gekonnt einsetzt, verhindert zudem das Gefühl von Kurzatmigkeit oder Atemnot.

    Alexander-Technik für Tänzer

    Wer tanzt, braucht eine optimale Körperbeherrschung, Balance und Koordination. Dies gelingt leichter, wenn Tänzer unnötige Anspannung und Nebenbewegungen eliminieren. So wird die Kraft optimal eingeteilt, ohne sie unnötig zu verschwenden.

    Viele Tänzer hemmen z.B. den natürlichen Bewegungsablauf, indem sie sich zu aufrecht halten, dadurch jedoch versteifen und weniger flexibel in ihrem Bewegungsradius werden. Folgen können sein:

    • starke Rückenschmerzen,
    • Problemen an Gelenken,
    • ​entzündete Sehnen und Bänder,

    Wer die Vorstellung von einer anstrengenden geraden Haltung loslässt, erlaubt dem Körper, wieder flexibler und gleichzeitig stabiler in seiner Achse zu werden.

    https://alexander-technik.de

  • Geschlechteraspekte, Yellow Flags & Pain Reprocessing Therapy

    Frauen und Männer empfinden Schmerzen unterschiedlich und auch Schmerzmedikamente wirken geschlechtsabhängig.

    Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer, Leiterin der Arbeitsgruppe „Cognition & Gender“ an der Klinik für Radiologie der medizinischen Fakultät der Universität Münster, forderte in ihrem Vortrag zum Auftakt des Deutschen Schmerz- und Palliativtages, dieses Wissen in der Schmerzmedizin stärker zu berücksichtigen.

    Schon im 19. Jahrhundert wurde behauptet, dass Frauen empfindlichere Nerven hätten. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen eine niedrigere Schmerzschwelle bei Frauen. Etwa 70 Prozent der Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, sind weiblich.

    „In Studien zur Untersuchung von Schmerzmitteln spiegelt sich dieses Geschlechterverhältnis jedoch noch nicht wider, was zu verzerrten Ergebnissen führt“, kritisiert Pfleiderer.

    Mehrere Faktoren beeinflussen die Schmerzverarbeitung

    In der Schmerzmedizin beeinflussen zahlreiche Faktoren die Schmerzverarbeitung.

    Frauen empfinden beispielsweise Druckschmerz stärker als Männer, unter anderem aufgrund ihrer dünneren Haut. Das weibliche Hormon Östrogen erhöht ebenfalls die Schmerzempfindlichkeit, während Testosteron Schmerzreize eher dämpft.

    Vielen Schmerzmedizinern ist nicht bewusst, dass die Strukturen des Gehirns, die in der Schmerzverarbeitung involviert sind, auch Östrogenrezeptoren aufweisen.

    Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin
    https://www.dgschmerzmedizin.de/news/dgs-pressemitteilungen/detail/news/geschlechteraspekte-in-der-schmerzmedizin-staerker-beruecksichtigen/

    Psycho-Soziale Gefährdungsfaktoren „Yellow Flags“

    Glaube, Bewertung, BeurteilungEmotionale ReaktionSchmerz-Verhalten (Bewältigungs-strategie)
    Negative Einstellung gegenüber Schmerzen
    Angabe der Schädigung als unkontrollierbar
    Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung
    Erwartung von weiteren erfolglosen Therapien
    Verzögerung der Rückkehr zur Arbeit
    Leiden und Schmerz erfüllen keine Kriterien einer psychischen Erkrankung

    Sorgen, Ängste
    Vermeidung von Bewegungen/ Aktivitäten aufgrund erwarteter Schmerz-verschlimmerung und/oder einer erneuten Verletzung

    Blindes Vertrauen in passive Behandlungs-methoden (Fango, Kälte, Schmerzmittel…)

    Die „Yellow Flags“ spielen in der Therapie von A-spezifischen Rückenschmerzen sowohl im akuten als auch im chronischen Stadium eine elementare Rolle. Anhand dieser Faktoren kann man erkennen und objektiv entscheiden, ob bereits eine Chronifizierung vorliegt.

    In einer zielgerichteten und strukturierten Behandlung von chronischen Schmerzen werden die „Yellow Flags“ gemeinsam mit dem Patienten analysiert und beseitigt. Dies erfordert jedoch von den Therapeuten Mut, Übung und professionelle, kommunikative Fähigkeiten.

    Kommunikation & Verhaltenstraining als zusätzliches Instrument

    Die Kommunikation nimmt einen eigenen Stellenwert als Behandlungsmethode ein. Daher sollte die Physiotherapie die therapeutischen Kommunikations-Fertigkeiten mehr ins Blickfeld rücken.

    Zudem ist ein Verhaltenstraining (Pacing, Graded Activity) notwendig. In diesem Verhaltenstraining erlernt der Patient Eigenverantwortung für seine Erkrankung zu übernehmen und Bewegung aus einem positiven Blickwinkel zubetrachten.

    Podcast: „Individuelle Therapien gegen chronische Schmerzen“, 2024

    Unter diesem Motto bieten das Universitätsklinikum Heidelberg und die Rhein-Neckar-Zeitung die Vortragsreihe „Medizin am Abend“ an.

    Welche Therapieoptionen und Möglichkeiten sich für Patientinnen und Patienten ergeben, erläutert Professor Dr. Jonas Tesarz im Podcast.

    Dr. Jonas Tesarz ist Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik am Universitätsklinikum Heidelberg und untersucht in seiner Studienambulanz neue Therapien gegen chronische Schmerzen

    Inhalte

    • Was für einen Einfluss haben psychische Traumata auf die Schmerzen?
    • Welche Faktoren sind relevant für die Schmerz-Aufrechterhaltung?
    • Unsicherheit gegenüber dem Körper,
    • Schmerz als Bedrohnung, Angst-Kreislauf,
    • Wie kann man die Patienten beim Aufbau von Vertrauen gegenüber dem eignenen Körper unterstützen?
    • Schlaf hat einen starken Einfluss darauf, ob Schmerzen chronisch werden,
    • Die Wirkung von Opiaten bei chronischen Schmerzen wird überschätzt,
    • Psychotherapie bei mehreren komplexen Schmerz-Phänomenen,
    • Physiotherapie gibt nur das Handwerkszeug,
    • Patient muss „aktiv“ werden und sein bester/eigener Experte werden,
    • Paradigmenwechsel: Früher lag der Fokus mehr auf dem Körper, jetzt mehr auf das Nervensystem,
    • Mehrere Schmerzsyndrome können gleichzeitig vorliegen, Medikamente wirken nicht für alle Schmerzen gleich gut,
    • Selbsthilfegruppen haben einen hohen Stellenwert,
    • Auch Gesunde haben degenerative Veränderungen (z.B. Bandscheibenvorfall) am Bewegungsapparat, 1/3 der Gesunden Betroffenen sind Schmerzfrei,
    • Chronische Schmerzen wird als eigenes Krankheitsbild mit aufgenommen

    Schmerz-Unterscheidung

    1) Neuropathischer Schmerz:

    Eine spezifische Art von chronischem Schmerz, der durch eine Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems verursacht wird. Im Gegensatz zu Schmerzen, die durch eine Verletzung oder Entzündung entstehen, liegt die Ursache hier in einer Dysfunktion der Nerven selbst, entweder im peripheren oder zentralen Nervensystem.

    2) Nozizeptiver Schmerz:

    Schmerzart, die durch die Aktivierung von Nozizeptoren/Nervenenden entsteht, welche Schmerzreize in Geweben, wie Haut, Muskeln oder Gelenken, erkennen und weiterleiten.

    3) Noziplastischer Schmerz:

    Schmerzart, die weder auf einer Gewebeschädigung (Nozizeptiver Schmerz) noch auf einer Nervenschädigung (Neuropathischer Schmerz) beruht, sondern auf einer veränderten Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem.

    Jede dieser 3 Schmerzarten braucht eine individuelle Therapie.

    https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/newsroom/podcast-mit-individuellen-therapien-gegen-chronische-schmerzen/

    2025 Pain Reprocessing Therapy (PRT)

    Dies ist eine relativ neue psychotherapeutische Methode zur Behandlung von chronischen Schmerzen, die darauf abzielt, die Schmerzverarbeitung im Gehirn neu zu verdrahten.

    Statt die Schmerzen als Reaktion auf eine tatsächliche Gewebeschädigung zu interpretieren, lehrt PRT den Patienten, den Schmerz als eine Fehlfunktion des Nervensystems zu erkennen und zu verstehen. 

    Ziel der PRT ist es:

    • Das überaktive Alarmsystem des Gehirns zu beruhigen,
    • Fehlinterpretationen von Schmerzsignalen zu korrigieren,
    • Den Teufelskreis aus Angst und Schmerz zu durchbrechen,
    • Die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren,
    • Die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern,

    Ablauf der Pain Reprocessing Therapy (PRT)

    Inhalt & ZielBeispiele & Methoden
    Schmerzedukation Neues Verständnis von Schmerz vermitteln („Fehlalarm“, Neuroplastizität, Reversibilität) PNE (Pain Neuroscience Education)
    Empathische Aufklärung
    Identifikation noziplastischer Mechanismen Schmerz als Ausdruck zentraler Sensitivierung und noziplastischer Mechanismen erkennen Schmerzanamnese
    Beweisliste
    Central Sensitization Inventory (CSI),
    Pain Catastrophizing Scale (PCS),
    Gemeinsame Hypothesenbildung
    Kognitive Umstrukturierung & Dekonditionierung Bedrohliche Schmerz-Interpretationen verändern

    Bewegungs-Vermeidung abbauen
    Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
    Akzeptanz-und-Commitment-Therapie (ACT)
    Reframing, Affirmationen, Exposition
    Graded Exposure Therapy (GET),
    Wertearbeit
    Somatische Achtsamkeit (Somatic Tracking) Schmerzen aufmerksam und ohne Angst beobachten

    Umdeutung in sichere Empfindung
    Achtsamkeit, ACT
    Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR)
    Körperfokus mit positiver Bewertung
    Emotionale Verarbeitung Emotionale Belastungen als Schmerzauslöser erkennen und bearbeiten Emotional Awareness and Expression Therapy (EAET)
    Expressives Schreiben
    Emotions-fokussierte Gespräche
    Selbstmitgefühl
    Positive Fokussierung & Integration Ressourcen stärken

    Fokus auf Freude und Sicherheit im Alltag lenken
    Dankbarkeitspraxis
    Visualisierung
    Positive Körper-Wahrnehmung
    Bewegung

    Neue Methode zur Behandlung von chronischem Schmerz, 2025
    https://www.springermedizin.de/chronisches-schmerzsyndrom/angst/pain-reprocessing-therapy-schmerz-neu-denken/51111662

  • Ganzheitliche CMD-Therapie – Dr. Jürgen Dapprich

    CMD Centrum Düsseldorf

    Anlässlich der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT)

    Hier möchte ich einen Bericht vorstellen, wie eine Patientin bei Dr. Jürgen Dapprich nach 13 Monaten Schienen-Therapie, Physiotherapie und wöchentlichem Einschleifen beschwerdefrei wurde.

    Interdisziplinäre orthopädische Diagnosen bei CMD

    Bei Dr. Dapprich wurden CMD-Patienten, die keine optimale Okklusion hatten (95 %), mit einer Schiene vorbehandelt und eingeschliffen. Danach erfolgten, falls erforderlich, prothetische Versorgungen. 

    Erfahrungsgemäß änderte sich bei 40 % seiner Patienten die Okklusion nicht mehr, bei 60 % dagegen änderte sich ständig die Kondylenposition und damit die Okklusion.

    Das liegt daran, dass alle CMD-Patienten einen Beckenschiefstand mit Skoliose der Wirbelsäule haben und sich deswegen die Okklusion ständig ändert.

    Vorgehensweise & Therapie

    Zuerst wurde bei der Patientin der Beckenschiefstand mit einer Beckenwaage sowie die Skoliose der Wirbelsäule mit der Diers 4-D-Wirbelsäulenvermessung gemessen.

    Wenn ein Bein länger ist, gibt es drei verschiedene Ursachen:

    • ein Bein kann funktionell länger oder
    • das andere funktionell kürzer sein oder
    • es ist eine echte Beinlängendifferenz vorhanden, die aber selten ist.

    Der nächste Schritt war, dass die Patientin bei einer Fehlstellung des obersten Halswirbels, des Atlas, zuerst zum Atlas-Therapeuten überwiesen wurde. 

    Erfahrungsgemäß haben 96 % aller CMD-Patienten eine Atlasblockade und ohne Korrektur durch einen Atlas-Therapeuten kommt man mit der Therapie nicht weiter.

    Danach behandelte ein Osteopath mehrmals die Patientin und daneben CMD-Physiotherapeuten wöchentlich 1-2 mal

    Nach dem Osteopathen wurde die Patientin noch vom Chiropraktiker behandelt. Zu ihm kamen die Patienten die ersten 5 Monate einmal wöchentlich zum Einschleifen der Schiene und dann alle 2 Wochen, bis die Schmerzen weg waren.

    Bericht: Interdisziplinäre orthopädische Diagnosen bei CMD – 56. Jahrestagung (DGFDT) https://www.dgfdt.de/documents/266840/122009076/Supplement+DGFDT+2023/de3ec0ca-bbec-4e98-87ca-bd23a601174b

    Mein Austausch mit Herrn Dr. Dapprich

    1) Frage: Sie haben ja auch mit Schuhmachern zusammengearbeitet. Welche Art von Einlegesohlen wurden hierbei verwendet? Zum Beispiel: Sensomotorische Einlagen/ Einlagen mit Sand, die einen Funktionellen Beckenschiefstand über die Muskulatur wieder korrigieren?

    Antwort: Dapprich: Das hängt mit der Vermessung der Wirbelsäule zusammen, die mein Schumacher gemacht hat. Das konnten sensomotorische oder auch normale Einlagen sein.

    Einen funktionellen Beckenschiefstand zu korrigieren, kann man nur durch die Okklusion mit einer UK- Schiene erreichen.

    2) Frage: Wozu braucht man dann noch die Schuheinlagen, wenn der Beckenschiefstand durch die Schiene korrigiert wird? Bei einer echten Beinlängendifferenz?

    Antwort: Dapprich: Nur bei einer seltenen echten Beinlängendifferenz muss man das Bein durch eine Schuherhöhung ausgleichen. Die Beinlängendifferenzen werden im Alter häufiger, bedingt durch die OP der Hüften.

    3) Frage: Was war es bei Ihren Patienten, wenn eine zu große Angle-Klasse vorlag (II oder III)? Haben Sie dann Kieferchirurgen hinzugezogen? Und in wie viel Prozent der Fälle kam das vor?

    Antwort: Dapprich: Eine Klasse II oder III hat mit einer CMD mit Beckenschiefstand nichts zu tun. Jeder CMD-Patient hat einen Beckenschiefstand.

    4) Frage: Die Augen haben auch einen Einfluss auf die Körperhaltung. Wurden diese auch untersucht? Fehlstellungen, richtig eingestellte Brille?

    Eine CMD kann auch Einfluss auf das Sehen oder Hören haben, nicht umgekehrt.

    5) Frage: Wie war Ihr Therapie-Ansatz, wenn in der Vergangenheit schon ein künstliches Gelenk (Hüfte/Knie) bei einem funktionellen Beckenschiefstand eingesetzt wurde? Wenn man quasi den Faktor Okklusion übersehen hat?

    Antwort: Dapprich: Das Knie ist kein Problem, da das Knie nach der OP genauso lang ist wie vorher. Die Hüfte ist allerdings ein Problem. Bei Patienten von mir habe ich das Becken vor der OP gerade gestellt, sodass dann beide Beine wieder gleich lang waren.

    Probleme hatten die Patienten, bei denen das Becken schief war und dadurch danach ein Bein kürzer oder länger wurde.

    6) Frage: Meine Freundin als Beispiel: Sie presst mit den Zähnen. Kann das auch durch einen Vorkontakt verursacht werden? Oder ist es einfach nur Stress?

    Antwort: Dapprich: Es kann beides sein, häufig Stress. Trotzdem braucht keine CMD vorhanden sein, das sieht man, wenn eine funktionelle Beinlängendifferenz vorhanden ist. Eine CMD hat immer einen Beckenschiefstand!

    7) Frage: Wie gut konnten Sie Patienten mit zentral-gesteuerten Bruxismus helfen? Ausgelöst durch Krankheiten der Psyche, Medikamente etc?

    Antwort: Dapprich: Bruxismus ist keine Krankheit. Er kann durch Stress und/oder eine CMD ausgelöst werden.

    8) Frage: Nochmal zu den Angle-Klassen: Muss man hier nicht zusätzlich operieren, um eine CMD richtig in den Griff zu bekommen?

    Antwort: Dapprich: Nein, das bringt nur sehr selten etwas, nur wenn z.B. OK und UK nicht zusammen passen. Eine andere Therapie ist meiner Meinung nach ein Kunstfehler.

    Dazu ein Beispiel: Ich hatte eine junge Patientin aus Ägypten, die einen frontal offenen Biss hatte. In der Charite wollte man OK und UK operieren, weil die Kieferchirurgen von der Funktion nichts verstanden.

    Sie hatte ein myofunktionelles Problem, sie schluckte falsch, die Zunge ging beim Schlucken zwischen die Frontzähne, sodass ein offener Biss entstand. Ich habe ihr gezeigt, wie man richtig schluckt und innerhalb von 3 Monaten waren die Zähne zusammen und die OP war überflüssig.

    Das myofunktionelle Problem macht sehr viel Probleme, deshalb habe ich diese Patienten immer zu einer Myofunktionellen Therapeutin geschickt.

    Leider kennen das die meisten Zahnärzte nicht, nur Kieferorthopäden sehen das. Dadurch haben die Patienten keine Front- Eckzahnführung und fangen an zu knirschen.

    Praxis heute leider geschlossen

    Seit einem Jahr habe ich nach über 50 Jahren meine Praxis geschlossen, ich arbeite nicht mehr.

    Die Methoden, die ich praktiziert habe und über 90 % erfolgreich waren, können leider nur sehr wenige Zahnärzte.

    Ich empfehle Ihnen mein Buch über Funktionstherapie (CMD) erschienen im Deutschen Ärzteverlag Köln, 2. Auflage 2018. Oder Sie schauen auf meine Homepage CMD-Centrum-Düsseldorf , dort können Sie unter Veröffentlichung für Ärzte über 20 Veröffentlichungen von mir herunterladen.

  • DROS®-Therapie-Konzept bei CMD mit einer 2-phasigen Okklusions-Schiene

    Der falsche Biss – Wenn die Okklusion nicht stimmt

    Im Jahr 2023, als ich meinen Blog im Sommer neu aufsetzte, recherchierte ich damals schon zum Thema Schienen-Therapien. Ich wollte wissen, ob sie wirklich bei CMD helfen können und welche Systeme vertrauenswürdig sind.

    Meine erste Anlaufstelle war im August 2024 Herr Franz Weiß (König & Weiß Dentaltechnik in München), der mich einlud, die Entstehung und Funktionsweise seines selbst entwickelten DROS®-Konzeptes, näher kennenzulernen.

    Er ist Zahntechniker und der Geschäftsführer der Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA), die ebenfalls von ihm ins Leben gerufen wurde. 

    https://www.gzfa.de

    Inhaltsübersicht

    Hier nun die detaillierte Zusammenfassung aller Fakten und Informationen rund um das Thema Schienen- und die DROS®-Therapie.

    • Okklusionsthese
    • Geschichte der Kaufunktion
    • Fakten und Ablauf der DROS®-Therapie
    • Watterollentest nach Meyer
    • Beispiele aus „Der Kopfschmerz“
    • Behandlung erfolgt in 2 Phasen
    • Ablauf in 7 Arbeitsschritten
    • Ziel: Weg von der Schiene
    • Studien DROS®-Therapie
    • Bekannte Praktiker und Koryphäen in der Funktionsdiagnostik
    • Aktuelle Entwicklungen und Ansichten zum Thema CMD
    • Interessant zu wissen: Interview mit Herrn Franz Weiß

    Okklusionsthese: „function follows form“ –
    Die Form bestimmt die Funktion

    Eine gesunde Kaufunktion ist abhängig von der Form, Stellung und Länge der Zähne sowie der Stellung der Kiefergelenke und der neurophysiologischen Steuerung des gesamten Kausystems.

    Zahnfehlstellungen (gekippte, elongierte Zähne), fehlerhafte Restaurationen, schlechte Kieferorthopädie, unversorgte Lücken und Zahnfrühkontakte können starke Verspannungen der Muskeln provozieren, weil sie ein „Ausweichverhalten“ beim Zusammenbiss anstreben.

    Das liegt daran, weil das Kausystem so programmiert ist, immer einen Vielpunktkontakt der Zähne von Ober- und Unterkiefer anzustreben.

    Anzeichen einer Okklusionsstörung

    • Schlifffacetten
    • Frakturen von Zähnen und Füllungen
    • Pseudopulpitiden (Entzündungen des Zahnmarks)
    • parodontale Überbelastung mit pathologischer Zahnbeweglichkeit
    • Verschlimmerung parodontaler Entzündungen
    • überempfindliche Zahnhälse, keilförmige Defekte
    • Kopf- und Gesichtsschmerzen, Migräne, Tinnitus, Schwindel
    • Kiefergelenks-, HWS-, Knie-, Fuß- und Rückenprobleme

    Kaufunktionsstörungen werden in erster Linie durch okklusale Abweichungen verursacht, sobald diese den Bereich der desmodontalen Taktilität (Berührung und Druck) von ca. 10 bis 20 μm (1 mü – Tausendstel Millimeter) deutlich über oder unterschreiten.

    Ein Beispiel ist eine zu hohe Füllung (Vorkontakt) bei einem Zahn, der in einer Größenordnung von 100 μm liegt. Dies führt dann zu einer hyperaktiven, druckempfindlichen Kau-, Kopf- und Gesichtsmuskulatur.

    Tipp: Der Aqualizer – Sofort-Hilfe bei CMD Beschwerden

    Der Aqualizer ist keine Schiene im herkömmlichen Sinn, sondern ein „Wasserkissen“ als Soforthilfsmittel. Er liefert nicht direkt diagnostische Parameter,  gibt jedoch Hinweise auf funktionelle Probleme.

    Mein Aqualizer ist nachts geplatzt. Er hat also nur kurzfristig gehalten. 🙂

    Geschichte der Kaufunktion: Biomechanik und Neurophysiologie –
    Dr. Robert Lee

    Die grundlegenden Erkenntnisse der Bioästhetischen Zahnheilkunde beruhen auf den umfangreichen Studien des amerikanischen Zahnarztes und Biologen Dr. Robert Lee.

    Bereits in den 1960er Jahren verglich er Hunderte von Gebissen bei Patienten unterschiedlichen Alters und erforschte grundsätzliche Fragen:

    • Warum funktionieren manche Kausysteme ein Leben lang problemlos, andere dagegen nicht?
    • Von welchen Faktoren ist es abhängig, ob ein Kausystem gesund und harmonisch arbeitet oder sich im Laufe der Zeit unästhetisch abnutzt und erkrankt?
    • Welche Behandlungsmöglichkeiten hat der Zahnarzt, um die Harmonie im Kausystem wiederherzustellen?

    Fakten und Ablauf der DROS®-Therapie

    Die Zielgruppe der DROS®-Therapie sind Patienten mit okklusal bedingten Zahn- und Kieferfehlstellungen/Dysgnathien (Fehlbiss).

    DROS steht für Diagnostische, Relaxierende, Orientierende, Stabilisierende Oberkiefer-Aufbissschiene.

    Die DROS®-Therapie basiert auf einer Okklusions-Schiene aus hochwertigem Kaltpolymerisat. Sie dauert etwa 7 Wochen und kostet etwa 3.300 €. Sie wird schon von einigen Privaten Krankenversicherungen oder Zahnzusatzversicherungen als Therapie-Konzept anerkannt. Hier die wichtigsten Fakten:

    • 35 Jahre Erfahrung
    • Evidenzbasierte Zahnmedizin
    • Gebrauchsmusterschutz DROS® seit 2006/2007
    • Gebrauchsmusterschutz Oberkiefer- Aufbissschiene
    • Sie wird im µ-Bereich feinjustiert:
      1 tausendstel Millimeter (0.001 mm)
    • Insgesamt 7 standardisierte Arbeitsschritte
    • Front-Eckzahn-Führung bringt im Seitenzahnbereich eine relaxierende Wirkung auf die Muskulatur

    1) Kaumuster erkennen mit dem Artikulator

    Mit dem Artikulator (Gerät zur Simulation der Kiefergelenksbewegung) wird untersucht, wie das Kaumuster des Patienten ist.

    • Gipsmodelle im Artikulator geben Aufschluss über die habituelle/gewohnheitsmäßige Position des Unter- und Oberkiefers beim Zusammenbiss.
    • Eine genaue Funktionsanalyse bestimmt die zentrische/physiologische Position für die Kiefergelenke.  
    • Der Gesichtsbogen hilft bei der Ermittlung der Lagebeziehung des Oberkiefers im Verhältnis zur Schädelbasis bzw. zum Kiefergelenk.
    • Mit einem Zentrikregistrat wird der erste Frühkontakt ermittelt, die sog. Tageszentrik. 

    2) Die Habituelle Interkuspidation (HIKP), Okklusion und Kondylenposition

    Die HIKP ist diejenige Kondylenposition (Gelenkposition), die durch den gewohnheitsmäßigen Zusammenschluss der Zahnreihen entsteht.

    3) Die Einstellung des richtigen Bisses

    Mit der physiologischen Zentrik (Nullposition) wird ein Zustand maximaler Entspannung der Protraktoren und Retraktoren bezeichnet (Prof. Dr. Georg Meyer, Greifswald). Das heißt, es liegt die maximale Entspannung der am Kausystem beteiligten Muskeln vor.

    Watterollentest nach Meyer – Kurzscreening zur Überprüfung der physiologischen Zentrik

    Der Test der physiologischen Zentrik ist eine schnelle und einfache Prüfung, um vorab die Bisslage der Oberkiefer- und Unterkieferzähne von Patienten zu überprüfen.

    Er wird vor allem bei Okklusionskontrollen oder bei der Bissnahme (syn.: Relationsbestimmung, Zentrikregistrat) durchgeführt.

    Eine Entkoppelung der Okklusion durch leicht angefeuchtete Watterollen im Bereich der ersten Prämolaren (vordere, kleine Backenzähne) kann reflektorisch zu einer Muskelentspannung führen, die wichtige Voraussetzung für eine klinische Okklusionsdiagnostik und für ein Registrat in physiologischer Zentrik ist.

    4) Arbeit im Netzwerk

    Der Zahnarzt ist zunächst alleiniger Ansprechpartner für die Patienten. Die Teamarbeit mit funktionsdiagnostisch versierten Zahntechnikern unterstützt jedoch maßgeblich den Behandlungserfolg.

    Allgemein gilt, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, Zahntechnikern und Fachärzten/Therapeuten bei der CMD-Behandlung notwendig ist.

    Mittlerweile bestehen 27 DROS®-CMD-Praxen bundesweit.

    Beispiele aus „Der Kopfschmerz – ein interdisziplinäres Problem Aspekte der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik und -therapie“, Meyer G., Bernhardt O., Küppers A..

    Psychische Erkrankungen

    Es kommt häufig vor, dass okklusale Störungen erst bei gleichzeitig auftretenden anderen Risikofaktoren, z. B. psycho-emotionalem Stress, zum Auslöser von CMD werden können.

    Allgemein gilt, dass jede Maßnahme zur körperlichen und seelischen Entspannung zum Behandlungserfolg einer Schienentherapie beiträgt.

    Deswegen ist es wichtig, dass begleitend zur Schienentherapie eine Aufklärung, eine Anleitung zur Selbstbeobachtung, zur Entspannung und zur Muskelmassage erfolgen sollte.

    Im Falle von richtigen psychischen Erkrankungen helfen auch trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) die Muskulatur zu entspannen und die Schmerzen zu reduzieren.

    Neurologie und Neurochirurgie

    Lotzmann et al. fanden bei einer diagnostisch-therapeutisch orientierten zahnmedizinischen Nachuntersuchung von Patienten, bei denen vorher durch Neurologen und Neurochirurgen die Diagnose Trigeminusneuralgie gestellt worden war, dass in bis zu 50 % der Fälle CMD die eigentlichen Ursachen der neuralgiformen Symptomatik waren.

    Interessanterweise handelte es sich bei über 70 % dieser Fälle um infraokklusionen/nonokklusionen (Zähne haben keinen Kontakt zum Antagonisten) im Seitenzahnbereich in zentrischer Position, die häufig durch einen zu niedrigen Zahnersatz oder eine kieferorthopädische Behandlung bedingt waren.

    Migräne: Während Wechselwirkungen zwischen CMD und unspezifischen Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Trigeminusneuralgien wissenschaftlich belegt sind, wird ein zahnmedizinischer Anteil bei der Ätiologie von Migräne bzw. migräneartigen Schmerzen kontrovers diskutiert.

    Bei nicht wechselnden, sondern auf eine Gesichtshälfte begrenzten Migränebeschwerden, empfehlen einige Neurologen eine Zahnärztliche Untersuchung.

    Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

    Es konnte im Rahmen der SHIP-Studie Zusammenhänge zwischen Tinnitus und CMD belegt werden. Wright zeigte anhand von 200 CMD-Patienten, die gleichzeitig an Tinnitus, Ohrenschmerzen und Schwindel litten, dass nach erfolgreicher Behandlung der Kaufunktionsstörungen eine signifikante Besserung der genannten Begleitsymptome eintrat.

    Ein Patientenfall für die Gynäkologie

    1. Anamnese: Eine 42-jährige Patientin stellte sich wegen periodisch anfallsartig auftretender, auf die rechte Gesichtshälfte beschränkter massiver Kopfschmerzen bei uns vor. Neurologisch und HNO-ärztlicherseits waren keine Ursachen feststellbar.
    2. Befunde: Es fanden sich asymmetrische Verspannungen im Kau- und Schultermuskelbereich, einige mittelgroße Amalgamfüllungen und andere Auffälligkeiten.
    3. Therapie: Es erfolgte eine erfolgreiche Entspannungs-Schienentherapie. Doch nach 4 Wochen kamen die Schmerzen zurück und es erfolgten weitere Zahnextraktionen, die keinen längerfristigen Erfolg brachten.

    Es war letztendlich der Hausarzt dieser Patientin, der Zusammenhänge mit der Menstruation vermutete und es wurde in der Frauenklinik die Diagnose
    Endometriosis extragenitalis festgestellt.

    Dabei handelte es sich um – während der embryonalen Entwicklung – in der rechten Gesichtshälfte versprengtes Gewebe, das jeweils während der monatlichen Periode aktiviert wurde und dann die Gesichtsschmerzen auslöste.

    Eine nachfolgende und hierauf abgestimmte Hormonbehandlung führte zur Beschwerdefreiheit.

    Behandlung erfolgt in 2 Phasen

    Die DROS®-Schiene ist eine Kombination aus Relaxierungsschiene und adjustierter Aufbissschiene (= Michigan-Schiene). Das heißt, es werden nicht 2 verschiedene Schienen neu gefertigt, sondern das Behandlungsziel über Feinjustierungen auf nur einer Schiene erreicht.

    Diese 2 Phasen charakterisieren das Konzept und sind damit der Hauptunterschied zu vergleichbaren Aufbissschienen.

    1) Diagnose- und Relaxierungs-Phase (DROS® I –Schiene) 

    Entspannung der am Kausystem beteiligten Kopf-, Kiefer- und Gesichtsmuskeln.

    Die erste Phase zeigt, wie ohne Bewegungseinschränkung des Unterkiefers, eine Muskelrelaxierung erzielt, neuromuskuläre Reflexe unterbunden werden und dient der Neuorientierung des Unterkiefers.

    • Im Frontzahnbereich ist ein Plateau für die Entspannung der Muskulatur
    • Die Seitenzahnkontakte werden aufgehoben
    • Dreidimensionale Neuausrichtung des Unterkiefers mit geringer Neigung
    • Kaumuskulatur entspannt sich zumeist innerhalb von 1 Woche
    • Diagnostik der Okklusion/Fehlkontakte
    • Frühkontakte sind eliminiert.

    Die Chance, dass die Schienentherapie hilft, unabhängig vom Konzept, beträgt laut Prof. Dr. Dr. Georg Meyer 50 Prozent. Das muss dem Patienten vor der Behandlung kommuniziert werden!

    Bei Patienten, bei denen schon viele andere Ursachen/Risikofaktoren ausgeschlossen werden können, ist die Erfolgsrate höher, v.a. wenn es einen Verdacht auf z.B. Frühkontakte gibt (Beschwerden sind nach einer Zahnersatzversorgung z.B. neue Krone, Brücke, Füllung aufgetreten).

    Sehr häufig besteht auch ein Frühkontakt schon sehr lange Zeit, ohne Beschwerden. Kommt dann ein Stressfaktor hinzu, treten die Beschwerden erst auf.  Bsp: Weisheitszähne bei einem erwachsenen Patienten, die jahrelang keine Beschwerden gemacht haben.

    Durch starken psycho-emotionalen Stress (Tod eines Angehörigen, Jobverlust, schwere Krankheit, Scheidung etc.) können dann „plötzlich“ CMD-Symptome auftreten, die zunächst nicht mit der Okklusionsstörung (Fehlkontakte) durch die Weisheitszähne in Verbindung gebracht werden.

    2) Orientierungs- und Stabilisierungs-Phase (DROS® II –Schiene)

    Orientierung der Kondylen in die physiologische Lage mit Anpassung der Okklusion.

    Das bedeutet einfach gesagt: „nicht zueinander passende Zähne von Ober- und Unterkiefer durch die Schiene wieder passend zu machen“.

    Die zweite Phase beginnt nach etwa einer Woche Tragedauer mit erneuter Registrierung auf derselben Schiene bei entspannter Kaumuskulatur.

    Nach dem Umbau der Schiene durch den Zahntechniker mit Front-Eckzahnführung und punktförmigen Auflagepunkten pro Zahn im Seitenzahnbereich, kann nach mehrmaliger Feinjustierung durch den Zahnarzt in einem Zeitraum von 7-10 Wochen eine Harmonisierung von Okklusion und Kondylenposition auf der Schiene erfolgen.

    Die Überleitung in die zweite Phase der DROS®-Schiene wird mit hilfe von
    Registrierungen auf der Schiene gestaltet.

    • Umbau der Schiene mit seitlicher Abstützung
    • Front/Eckzahnführung von nur 25-30 Grad verlaufender Neigung
    • Rücklage des Unterkiefers wird vermieden
    • Therapieziel: Erlangen einer neuen zentrischen Relation zwischen Ober- und Unterkiefer
    • Ziel: Eine stabile Kondylenposition (SKP)
    • Vergleichbar mit der Michigan-Schiene

    Ablauf in 7 Arbeitsschritten

    1. Diagnostik | – DROS® -Zentrik-Registrat (Ober- und Unterkiefer)

    2. Eingliederung DROS® I – Schiene | Relaxierung

    3. Eingliederung DROS® II – Schiene | Orientierung und Stabilisierung

    4. Kontrolltermin | Zinnfolienkontrolle und Feinjustierung

    5. Kontrolltermin | Feinjustierung

    6. Kontrolltermin | Feinjustierung

    7. Abschlussregistrat API/CPI | stabile Kondylenposition (SKP)

    Ziel: Weg von der Schiene

    Die DROS® I-Schiene ist nur ein Teil der Therapie und wird anfangs nur für die Relaxierung der Muskulatur eingesetzt. Ist die Bisslage dann (DROS®II) stabil und die Schmerzen verschwinden, werden dann nach etwa 7 Wochen folgende Möglichkeiten evaluiert:

    1) Wenig aufwändige Einschleifmaßnahmen

    Oft reicht schon die Korrektur einer einzigen zu hohen Füllung oder eines Frühkontakts, aufgrund eines gekippten Zahnes aus, um Schmerzfreiheit bzw. Linderung zu bekommen.

    2) Funktionell-ästhetisches Wax-up/Coronaplasty

    Mit Hilfe von Spezialwachs wird der Substanzverlust aufgrund von
    Zähneknirschen/-pressen rekonstruiert, sofern dies nach Abschluss der Schienentherapie noch nötig ist.

    3) Kieferorthopädie

    Auch bei Erwachsenen ist eine Zahnregulierung noch möglich. Dies erfolgt durch transparente sog. Aligner-Schienen, (dünne, transparente Kuststofffolien) die die Zähne ohne Klammern schonend und unauffällig korrigieren.

    Eine kieferorthopädische Maßnahme kann sich über einen sehr langen Zeitraum hinziehen. Die Diagnostik in der Kieferorthopädie ist deshalb äußerst wichtig, denn sie gibt Klarheit, ob ein kieferorthopädischer Eingriff notwendig und sinnvoll ist.

    4) Prothetische Versorgung

    Dies erfolgt vor allem in denjenigen Fällen, in denen ein Zahnsubstanzverlust von mehreren Millimetern vorliegt (Knirschen/ Bruxismus).

    Das Ausmaß dieses Substanzverlusts wird pro Zahn zunächst mit Wachs rekonstruiert und dann mit z.B. metallfreien Materialien (Keramik) umgesetzt.

    Der Patient kann jedoch auch auf Dauer auf der Schiene bleiben, sollte aber mehrmals pro Jahr zur Kontrolle in die Praxis kommen!

    Die DROS®-Therapie wird im Netzwerk auch im Rahmen einer prothetischen Sanierung angewendet. Das verbessert die Zahnersatzbehandlung insgesamt und schont die finanziellen Ressourcen der Patienten wie auch des Gesundheitssystems.

    Wesentliche Vorteile der DROS®-Schiene

    • Kürzere Behandlungszeiten
    • Rasche Linderung von CMD-Symptomen
    • Qualitätssicherung durch standardisierte und reproduzierbare Behandlungsschritte
    • Konzept bietet Transparenz und Orientierung für Behandler und Patienten
    • Wenn eine weitere Behandlung notwendig ist, kann diese aus einer stabilen physiologischen Kondylenposition erfolgen

    Evidenzbasierte Zahnmedizin vs. Randomisiert-kontrollierte Studie

    1) Evidenzbasierte Zahnmedizin

    Sie sorgt für eine zuverlässige und schnelle Anwendung der besten wissenschaftlichen Behandlungsmethoden. Es geht genau um das Zusammenspiel von Wissenschaft, Zahnarzt und Patient.

    2) Randomisierte kontrollierte Studie

    Sie ist die hochwertigste Form (Goldstandard) einer klinischen Studie. Aber auch sie kann Verzerrungen unterliegen, je nachdem, unter welcher Zielsetzung sie erfolgt.

    2007 Umfrage der GZFA®

    Die Studie mit 10 Zahnärzten (Funktionsdiagnostiker des GZFA®-Netzwerks) und 493 Patienten hat gezeigt, dass:

    • sich mit der DROS®-Therapie schmerzhafte CMD-Beschwerden innerhalb von zwei bis vier Tagen lindern lassen.
    • die Mehrheit, über 89 Prozent, die DROS®-Therapie als sehr angenehm empfand.

    2008-2011: Auswertung von Dr. Hinderk Ohling

    Dr. Ohling zählt mit zu jenen Pionieren, die an CMD erkrankte Patienten mit der DROS®-Schiene behandeln.

    Er hat die Daten von 78 Patientenfällen aus den Jahren 2008 bis 2011 ausgewertet. Folgende Ergebnisse wurden beobachtet:

    • 86 % Verbesserung von Symptomen in der ersten Phase (Relaxierung)
    • 5 % Auflösung von Symptomen in der ersten Phase
    • 58 % Verbesserungen in der zweiten Phase (Orientierung und Stabilisierung der Kiefergelenkposition)
    • 34 % haben keine Symptome mehr
    • Bei 51 Patienten dauerte die Therapie nur 6-7 Wochen
    • Bei 15 Patienten dauerte die Therapie lediglich eine Woche mehr
    • Bei den letzten 12 Patienten verlängerte sich die Behandlungszeit wegen physiotherapeutischer Maßnahmen oder klärender Verhandlungen mit den Kostenträgern.

    Zum überwiegenden Teil kamen die CMD-Patienten mit einem abradierten
    Gebiss
    in die Praxis. So musste Dr. Ohling bei 69 Patienten additive
    Rekonstruktionen für den Kauflächenaufbau
    vornehmen.

    Nur bei wenigen Patienten waren mit Einschleifen subtraktive Maßnahmen notwendig, in einzelnen Fällen kombiniert.

    2009 Pilotstudie mit der LMU in München

    Die Rosenheimer Zahnärztin Dr. Claudia Michl hat mit einer Pilotstudie in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München gezeigt, dass die DROS®-SCHIENE als Diagnose- und Behandlungs-Instrument erstmals wissenschaftlich belegt ist, und eingesetzt werden kann.

    Bekannte Praktiker und Koryphäen in der Funktionsdiagnostik

    Grundsätzlich sind es die Theoretiker, die Profs, die verantwortlich für die Lehre sind und sie bestimmen, in welche Richtung die Zahnmedizin geht.

    Die Praktiker aber kennen die Technik und merken direkt am Patienten, was geht, und was nicht geht.

    1) Prof. Dr. Wolfgang B. Freesmeyer (verstorben)

    Ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -Therapie (DGFDT).

    Sein Interesse galt der Ausbildung der Studenten, der Funktionsdiagnostik und -Therapie, der klinischen Prothetik und Prophylaxe sowie der zahnärztlichen Werkstoffkunde.

    2) Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer

    Deutscher Zahnmediziner und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)

    In seiner Amtszeit als Präsident der DGZMK war es ihm ein besonderes Anliegen, die Zahnmedizin als integralen Bestandteil der Medizin zu etablieren.

    3) Prof. Dr. Alexander Gutowski

    Er ist ein Zahnarzt aus Schwäbisch Gmünd und hat einen exzellenten Ruf in der Fortbildung von Zahnärzten.

    Sein Credo: Nicht ruhen, sondern stets bestrebt sein, sich weiter zu entwickeln, um das Wissen und Können denen zu vermitteln, die selbst bessere Zahnärzte werden möchten.

    4) Prof. Slavicek„Wiener Schule/VieSID-Institut“ (verstorben)

    Weltweit der führende Experte für Gnathologie und interdisziplinäre Zahnmedizin.

    Er war ein Hauptakteur auf dem Gebiet der oralen Medizin und der interdisziplinären funktionellen Zahnmedizin.

    Sein interdisziplinäres zahnmedizinisches Behandlungskonzept zeigt Lösungen auf, innovative Prozesse und Behandlungsmethoden in den Praxisalltag zu integrieren.

    5) Prof. Dr. Dr. W. G. Krogh-Poulsen – Funktionsdiagnostiker

    Einer der Wegbereiter der modernen Funktionslehre. Der Kopenhagener Professor Willi Krogh-Poulsen merkt an: „Entscheidend für eine harmonische Behandlung ist nicht das Konzept, sondern das Erreichen eines akzeptablen neuromuskulären Funktionsniveaus, zu dem auch die Zähne passen“.

    Genau darin besteht das Ziel einer Vorbehandlung funktionsgestörter Patienten mit der Schienentherapie und den damit einhergehenden flankierenden Behandlungen wie Entspannung durch Selbstbeobachtung, Physiotherapie, medikamentöse und psychologische Therapien u. a..

    Erst danach sind okklusale Restaurationen sinnvoll, angefangen von der Füllungstherapie bis hin zur umfassenden Prothetik und Kieferorthopädie.

    Aktuelle Entwicklungen und Ansichten zum Thema CMD

    Aktuell gibt es viele neue Schienen und Hilfsmittel für die Therapie von CMD, die mit viel Marketing ohne Fachwissen, auf den Markt kommen.

    Die Ausbildung der Zahnärzte und Zahntechniker ist aber sehr wichtig, um wirklichen Erfolg bei den Patienten zu haben.

    Das Wissen um die Bedeutung der Okklusion (Gnathologie) von früher geht leider verloren. Das bedeutet, es wird einen Qualitätsverlust in der Zahnmedizin und Zahntechnik geben – zulasten der Patienten.

    Leider werden Zusammenhänge zwischen Kaufunktionsstörungen und Beschwerdesymptomatik an den Universitäten nicht näher behandelt.

    CMD nimmt zu. Aber die Ursachen liegen jetzt verstärkt im biopsychosozialen Umfeld.

    Digitalisierung in der Zahnmedizin

    In der Zukunft wird es mehr Richtung Digitalisierung gehen. Das bedeutet, dass Schienen mit CAD/CAM Programmen am Computer gefertigt werden.

    Vorteile:

    • Schienen können mittels 3-D-Drucker hergestellt werden
    • Kein handwerkliches Geschick mehr nötig
    • Der größte Vorteil der CAD/CAM-Produktion ist jedoch, dass die Modellierung während der Produktion nicht mehr verloren gehen kann. 

    Nachteile:

    • Fachliches Wissen und Kenntnis von Funktion und Design sind aber weiterhin unumgänglich.
    • Informatik-Wissen und dementsprechende Anwendungskenntnisse werden bei Zahnärzten und Zahntechnikern vorausgesetzt
    • Planung mittels CAD-Software kann neue Problemfelder bringen

    Entscheidend für die digitale Umsetzung ist ein originäres Wissen über die
    analoge Vorgehensweise bzw. vertiefte Kenntnisse der Funktionslehre
    und
    ihrer praktischen Anwendung.

    Die Gefahr besteht darin, dass dieses Wissen verloren geht, wenn nur noch die digitale Umsetzung (Scannen/CAD/CAM-Technik) eingesetzt wird (habituelle Versorgung).

    Das gilt im Besonderen für die Nachfolgegenerationen der Zahnärzte und Zahntechniker, die in Studium und Lehre nicht mehr über diese elementaren Grundlagen eingewiesen werden.

    Interessant zu wissen: Interview mit Herrn Franz Weiß

    1) Frage: Warum wird eine Schienen-Therapie so oft abgebrochen?

    Antwort: Weiß: Die meisten der Schienen-Nutzer geben nach einer Weile auf, die Schiene zu tragen, weil sie nicht den gewünschten Therapie-Erfolg merken. Damit eine Schiene aber optimal wirkt, sollte sie vom Zahnarzt regelmäßig kontrolliert und feinjustiert werden.

    Auch gilt das wöchentliche Feinjustieren nur für das DROS® -Schienenkonzept. Wie dies bei anderen Schienen gehandhabt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Für die DROS®-Schiene gilt das „Aufgeben“ in dieser Form nicht. Die meisten Patienten durchlaufen die gesamte Schienentherapie und profitieren vom hohen therapeutischen Erfolg.

    2) Frage: Was muss bei der Wahl einer Schiene beachtet werden?

    Antwort: Weiß: Harte Schienen sind zu bevorzugen. Bei weichen, flexiblen Schienen hat eine Studie gezeigt, dass der Bruxismus noch zunimmt, weil dieses knautschige Material eher dazu reizt, darauf herumzukauen.

    Die Schiene sollte zudem alle Zähne des Kiefers bedecken und gut angepasst sein.

    3) Frage: Wie merke ich, dass die Okklusion die Ursache der Schmerzen ist?

    Antwort: Weiß: Die Ursache der Schmerzen/Symptome ist immer eine Verspannung der am Kausystem beteiligten Muskeln. Die zahnärztliche klinische, manuelle und instrumentelle Funktionsanalyse dient hier der Abklärung, ob die Okklusion ursächlich für die Verspannungen verantwortlich ist.

    D.h. Der Zahnarzt klärt immer nur den „zahnmedizinischen Risikofaktor“ für CMD ab, also ob eine Störung der Okklusion vorliegt.

    Die habituelle Okklusion ist die Position, in der die Zähne des Ober- und Unterkiefers auf natürliche Weise aufeinandertreffen, wenn der Unterkiefer in einer entspannten Position ist. Sie ist individuell verschieden und repräsentiert die gewohnheitsmäßige Bissstellung einer Person.

    4) Frage: Beckenschiefstand, Entspannung der Kaumuskeln durch Physiotherapeuten vor der Abnahme der Registrate etc.: Schicken Sie die Patienten vorher zum Physiotherapeuten? Oder wann ist dies notwendig?

    Antwort: Weiß: Das ist nicht regelmäßig vor jeder DROS®-Schienenbehandlung angezeigt, nur in Einzelfällen, wenn z.B. massive Verspannungen vorliegen, so dass der Patient nicht „zentrikfähig“ ist. Und nur dann macht eine Bissregistrierung überhaupt Sinn.

    5) Frage: Ist billiger Zahnersatz aus dem Ausland eine Alternative?

    Antwort: Weiß: Zahntechnik und Zahnersatz in Billiglohnländern zu nutzen, ist nicht wirklich sinnvoll. CMD ist ein komplexes Krankheitsbild.

    Es stellt sich auch die Frage, was für Materialien benutzt werden, und wie gut sich die ausländischen Zahnärzte und Zahntechniker mit der Technik auskennen?

    6) Frage: Können CMD-Symptome auch von anderen Krankheiten her kommen?

    Antwort: Weiß: Die Grundlage für CMD bzw. CMD-Symptome ist eine Verspannung der Kau-, Kopf- und Gesichtsmuskulatur. Die Ursachen für diese Verspannungen sind vielfältig und reichen in alle medizinischen Bereiche hinein.

    Der Zahnarzt/die Zahnärztin ist nur für die Abklärung und ggf. Behandlung des „Risikofaktors Okklusionsstörung“ zuständig, als einem Faktor unter vielen.

    Mögliche Misserfolge bei der Schienentherapie sollten zunächst nicht der Methode angelastet werden, sondern es muss zuerst ausgeschlossen werden, ob z.B. folgende Krankheitsbilder eventuell vorliegen:

    • Stress
    • Echte psychische und neurologische Erkrankungen
    • Orthopädische Probleme (Extremitäten, Wirbelsäule)
    • Isometrische Muskelarbeit (Körperfehlhaltungen)
    • Hormonelle Faktoren (Menopause, Pubertät, Schilddrüsendysfunktionen)
    • Metabolische Faktoren
    • Propriozeptive Reflexe (Vermögen, die Position eines Körperteils im dreidimensionalen Raum zu spüren und zu steuern) aus primär erkrankten über- oder fehlbelasteten Gelenken
    • Trauma, Mikrotrauma, Unfälle,
    • Sehstörungen, fehlerhaft eingestellte Brille u. a.
    • Erkrankungen der Pulpa (Zahnmark)
    • Entzündungen im Parodontium (Zahnhalteapparat)
    • Drüsen
    • Nasennebenhöhlen
    • Tumore

    8) Frage: Wie gut sind unsichtbare Aligner-Systeme

    Antwort: Weiß: Aligner-Systeme (hauchdünne, transparente Zahnschienen in der Kieferorthopädie) werden entwickelt mit Computer-Systemen.

    Zu beachten ist, dass es häufig zu okklusalen Veränderungen kommt und der Patient funktionelle Probleme (CMD-Symptome) entwickeln kann.

    9) Frage: Heißt das, dass die Systeme nur nach der Ästhetik arbeiten und nicht an der Funktion?

    Antwort: Weiß: Das wird von vielen funktionell-ästhetisch arbeitenden Zahnärzten vermutet, da viele Patienten nach solchen Therapiemaßnahmen funktionelle Probleme haben (Overbite/Overjet).

    Zumal dann, wenn die Aligner-Schienen teilweise von den Patienten selbst im Internet bestellt werden können und keine konsequente Therapiekontrolle stattfindet.

    Antwort: Weiß: Bissregistrierung im Sitzen: Aufrechte Kopfhaltung, horizontale Ausrichtung des Kopfes.

    Bei der Bissregistrierung im Liegen, positioniert sich der Unterkiefer zwangsläufig in eine retrudierte (zurückgeschobene) Position. Diese retrudierte Position entspricht nicht der physiologischen Zentrik (falsche Tageszentrik) und ist nach moderner Funktionslehre veraltet.

    11) Frage: Wie lange hält das Ergebnis der DROS®-Therapie aus Ihrer Erfahrung an? Wenn der Stress nicht aufhört, knirscht man ja weiter (neuronale Signale/Nervensystem) und dadurch geht auch wieder Zahnsubstanz verloren.

    Antwort: Weiß: Wenn die Okklusionsstörung behoben ist, d.h. die Fehlkontakte nicht mehr vorhanden und damit nicht mehr Ursache für Verspannungen sind, hält das Ergebnis der Behandlung in aller Regel an.

    Bei starkem Stress und psycho-emotionaler Belastung sollten aber immer begleitend Entspannungsmaßnahmen stattfinden wie etwa Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson u. dergleichen.

    Patienten können auch dauerhaft auf der Schiene bleiben, ohne Umsetzung in die Prothetik. Da die Schiene eine harte adjustierte Aufbissschiene ist, hält sie auch deutlich länger, z.T. Jahre, im Gegensatz zu weichen Knirscherschienen, die ständig erneuert werden müssen.

    Wird durch die Schienentherapie primär eine neuromuskuläre Entspannung im Kausystem erreicht, ist zwar schon ein großer Teil der Ursachenkette behoben, aber die Anwendung der Schiene allein führt trotzdem nicht immer zum vollständigen Therapieerfolg.

    Hat das Zähneknirschen bzw. der Bruxismus beim Patienten beispielsweise zu einem starken vertikalen Verlust der Bisshöhe von 4 bis 8 mm geführt, kann zusätzlich auch eine prothetisch-rekonstruktive Behandlung notwendig werden (Dr. Hinderk Ohling).

    12) Frage: Schwierige Patienten-Fälle: Patienten, die schon mehrere erfolglose Behandlungen hinter sich haben, und bei denen der Biss total verschoben ist, haben die Chancen bei Ihnen?

    Antwort: Weiß: Ja, zunächst natürlich bei einem Zahnarzt, der DROS®-Therapeut ist, sofern er die Okklusion als tatsächliche Ursache der Beschwerden diagnostiziert hat und alle anderen Risikofaktoren interdisziplinär abgeklärt wurden.

    Eine vom Zahnarzt fachmännisch durchgeführte Funktionsanalyse muss vorliegen und den Verdacht bestätigen.

    13) Frage: Wenn man weg von der Schiene kommen will, kommen bei der DROS®-Therapie begleitend eine Kieferorthopädie oder prothetische Vorsorge hinzu, die nicht in den Kosten der DROS®-Therapie mit inbegriffen sind. Richtig?

    Antwort: Weiß: Alle Maßnahmen im Anschluss an die DROS®-Schienentherapie oder auch anderer Schienentherapiekonzepte, sind extra anfallende Kosten, je nach individueller Notwendigkeit.

    Denn anschließende Maßnahmen können völlig unterschiedlicher Art und Umfangs sein. Darüber erstellt der behandelnde Zahnarzt, wie bei jeder anderen Maßnahme auch, einen Heil- und Kostenplan.

    14) Frage: Was sind die Vorteile von der DROS®-Methode gegenüber dem DIR-System und der Slavicek Methode?

    Antwort: Weiß: Das DIR®-System beruht meines Wissens auf einer Unterkiefer-Distraktionssschiene, die nur im Seitenzahnbereich abgestützt ist – ohne Protrusionsführung der Zähne.

    Das DIR-System unterscheidet sich demnach deutlich von der DROS®-Schienentherapie: Diese beruht auf einer 2-phasigen Oberkiefer-Aufbissschiene mit dem Ziel neuromuskulärer Entspannung und Harmonisierung von Okklusion und Kondylenposition auf der Schiene.

    Eine „Slavicek-Methode“ existiert in diesem Sinne nicht, er hat jedoch die Funktion in den Mittelpunkt von Diagnostik und Therapie eingebunden, unter interdisziplinärer Zusammenarbeit.

    15) Frage zum Vortrag: Die nächste Stufe der Evolution – Digitale Okklusionsschienen: Dr. Tadas Korzinskas, Dr. Stefano Pieralli, Andre-Joubin Derakhshani, 56. Jahrestagung der DGFDTF

    „Der analoge Weg zur Herstellung von Okklusionsschienen ist sehr techniksensitiv. Abformung, Modellherstellung, Übertragung der Oberkieferposition, Zentrikregistrat und Montage des Unterkiefermodells, Handling des Materials sowie Ausarbeitung und Eingliederung können Fehler beinhalten.

    Diese führen bei ihrem Auftreten zu Differenzen der Kontaktsituation im Artikulator und am Patienten. Dazu kommt, dass durch das digitale Modell es zu einer massiven Zeitersparnis bei der Verarbeitung und Eingliederung der Schiene kommt.“

    Wie sehen Sie das?

    Antwort: Weiß: Die Fehleranfälligkeit kann bei digitalen Prozessen genau so groß sein, wie bei analogen Prozessen. Ist der vom Zahnarzt gelieferte Scan nicht perfekt, setzen sich etwaige Fehler auch in der weiterführenden Arbeit fort, also ebenso in die Übertragung in den (virtuellen) Artikulator etc.  Die Kontrollmöglichkeit für die Herstellung der Schiene ist eingeschränkt.

    Obwohl viele Arbeitsschritte durch die Digitalität entfallen, ist eine „Zeitersparnis“ nur dann gegeben, wenn die digitalen Parameter korrekt sind und der Work-Flow im Team Zahnarzt/Zahntechniker perfekt eingespielt ist.

    Ideal ist es, wenn analoges und digitales Know-How in gleicher Weise vorhanden ist. Das soll heißen, wenn die analoge Vorgehensweise nicht bekannt ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die digitale Vorgehensweise auch fehleranfälliger ist.