Neuroathletik Training – Funktionelle Neurologie und das Nervensystem

Die Arbeit an den Ursachen und nicht an den Symptomen

Obwohl ich mich in den letzten 15 Jahren intensiv mit Körperarbeit auseinander gesetzt habe, hatte ich trotzdem noch Wissenslücken, was die Arbeit mit Schmerzen am Körper angeht.

Ich habe mich zu sehr auf die Funktion von Gelenken und Muskeln konzentriert und bin die Störquellen nicht differenziert genug angegangen.

Neuro-Basic Trainer

2024 habe ich dann das Online-Seminar „Neuro-Basic Trainer“ bei der Deutschen Neuro-Akademie mit Lisa & Andreas Könings absolviert. Hier geht es vorallem um die gezielte Analyse des Nervensystems und der Gehirnfunktionen.

Ziele des Neuroathletik Trainings sind die Bewegungskontrolle, Kraft- und Leistungssteigerung sowie die Schmerzreduktion.

Folgendes Wissen konnte ich mir u.a. in diesem Seminar aneignen:

  • Neuroanatomie (Neuronale Hierarchie), 
  • Neuro-Mobilisation (das Spiegelkonzept, Neurologische Aktivierung der Propriozeption/Mobilisation), 
  • Schmerz- und Schmerzentstehung, 
  • Steuerungssysteme,
  • Einführung in das neurozentrierte Testprinzip​, 
  • Ganganalyse nach neuroathletischen Prinzipien​,

(Die Thematisierung des Orofazialen Systems ist nicht im Basis Seminar enthalten – aber im Buch.)

Schmerz entsteht im Gehirn

Es gibt keine Schmerzrezeptoren im Körper, sondern lediglich Gefahren-Rezeptoren. Das Gehirn schickt bei Schmerzen z.B. im Knie ein Schmerzsignal/Warnung, damit man seine äußeren Umstände verändert (mehr Bewegung, das Gleichgewicht wieder herstellen, eine gesunde Ernährung, Stress reduzieren).

So wie ich es in meinem Blog schon mehrmals erwähnt habe, geht es beim Neuroathletik Training nicht um eine passive Therapie-Methode. Niemand kann euren Schmerz beseitigen, außer ihr selbst. Und dazu gehört ein aktiver Einsatz.

Austesten der Störquellen

Das Nervensystem reagiert sehr schnell auf gesetzte Reize/Tests. Dies lässt sich nutzen, um folgende Störquellen (siehe meinen Beitrag: Ursachen von Schmerzen und Fehlhaltungen) mit bestimmten Übungen auszutesten:

  • Visuelles-System (Augen),
  • Vestibular-System (Gleichgewicht),
  • Orofaziales-System (Zunge, Mimik),
  • Propriozeptives-System (alle Gelenke im Körper),

Beitrag: Ursachen von Fehlhaltungen und Schmerzen

Neuro-Analyse des Gangbildes – der Goldstandard

Für mich ist nun die Analyse des Gangbildes (ohne Schuhe ausführen) neu dazu gekommen. Hierzu gibt es von Andreas Könings eine Podcast-Folge mit folgenden Inhalten:

  • Warum dein Gang so viel über die Funktionsweise deines Gehirns verrät,
  • Welche typischen Gangbilder auf bestimmte neuronale Auffälligkeiten hinweisen,
  • Wie du eine Ganganalyse sofort praktisch einsetzen kannst,

Auffälligkeiten beim Gehen

Asymetrischer Armschwung: Die Pendelbewegung der Arme sollte gleichmäßig sein, (Probleme im Kortex, Großhirnrinde),

Vestibular-Gang: Wackelkopf, ganzer Körper ist instabil, (Gleichgewichts-Problem, auch visuelles Problem möglich),

Kleinhirn-Gang: Innenrotation von Armen, Beinen und Füßen,

Hirnstamm-Gang (PMRF): Innenrotation der Schultern, Hüfte geht in eine Außenrotation, Fußspitzen gehen nach außen,

#52: Ganganalyse aus neurozentrierter Sicht – Was dein Gang über dein Gehirn verrät, Spotify
​https://creators.spotify.com/pod/profile/neuro360

Ablauf Test Schema

1) Test: Ermittlung des Ausgangs-Punktes

Als Test-Übung bieten sich Beweglichkeits-Tests an. Merkt euch immer, wie weit ihr mit einer Übung kommt. Sucht euch aus folgender Aufzählung eure Wohlfühl-Übung aus:

Vorbeuge: Wie weit kommt ihr zu euren Füßen runter?

Ganzkörper-Rotation mit ausgestreckten Armen: Wie weit kommt ihr nach links, rechts hinten?

Seh-Test: Wie gut könnt ihr Kleingedrucktes lesen?

Gleichgewichts-Test: Wie gut könnt ihr mit zusammen gestellten Füßen und verschlossenen Augen stehen?

Tiefe Knie-Beuge: Wie gut kommt ihr mit zusammen gestellten Füßen runter?

Analyse des Gangbildes: Welches Gangbild fällt euch beim Zuschauen auf?

Sucht euch nur 1-2 Übungen aus. Ihr müsst nicht alle Übungen ausführen.

2) Übung: Durchführung einer gewählten Übung

Jetzt ist es wichtig, dass ihr alle Störquellen nacheinander austestet.

  • Ausgangs-Lage aus 1) ermitteln (eine Übung auswählen, z.B. Vorbeuge),
  • Testen, wie beweglich bin ich (Wie weit komme ich runter?),
  • Übung aus 2) durchführen (z.B. Augen-Übung),
  • Re-Test aus 3) durchführen (Was hat sich verändert?),

Störquellen & Übungen

Augen: Nach oben, unten, links, rechts, diagonal schauen, Augen-8er ausführen, (3x in jede Richtung).

Gleichgewichts-Organ: Augen auf einen bestimmten Punkt vor dem Gesichtsfeld fokussieren. Dann Kopf nach oben, unten, links, rechts bewegen und den Kopf-8er ausführen, (3x in jede Richtung).

Zunge/Lippen/Mimik: MFT-Übungen ausführen, z.B. Zungen-8er, Zähne-Putzen mit der Zunge, Zunge breit und eng machen, Lippen spitzen und breit ziehen, (jeweils 3 Wiederholungen).

Propriozeptives System/alle Gelenke: Alle 13 Gelenke nacheinander mit einem Unendlichkeits-Zeichen/8er-Übung durchbewegen (3x jedes Gelenk).

3) Re-Test: Überprüfen der Auswirkungen der gewählten Übung

  • Für den Re-Test führt ihr die gleiche Übung aus, die ihr in 1) gewählt habt.
  • Dann vergleicht, ob ihr nach der Übung aus 2) beweglicher geworden seid.
  • Der Re-Test sollte innerhalb von 30 Sekunden durchgeführt werden.

4) Dokumentation der Ergebnisse der Übungen

Der Re-Test kann folgendermaßen ausfallen:

Positiv: Glückwunsch, euer Nervensystem hat diese Übung positiv bewertet und ihr habt die richtige Störquelle korrigiert. Integriert diese Übung in euren Alltag mit ein.

Negativ: Das Nervensystem möchte euch schützen. Führt diese Übung nicht mehr durch.

Keine Veränderung: Euer Nervensystem arbeitet hier einwandfrei. Integriert diese Übung nach Lust und Laune.

Jetz kommt die nächste Störquelle dran (nach den Augen) – das Gleichgewichts-System. So weiter machen.

Mobilisations-Übungen nach dem Spiegelgelenk-Konzept

Dieses Konzept nennt sich auch das ​“Opposing-Joint-Prinzip​“, das sich auf die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Gelenken im Körper konzentriert.

Durch gezielte Bewegungen im „gesunden“ Gelenk können zudem neuronale Verbindungen aktiviert werden, die Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen im „kranken“ Gelenk lindern können.​

So sind z.B. die Zehen mit den Fingern und die Hüfte mit der Schulter jeweils auf der anderen Körperhälfte gekoppelt. Auch die Lendenwirbelsäule ist mit der Brustwirbelsäule und der Kiefer mit dem Steißbein (Becken) verbunden.

Nicht-lineare Bewegungen​ & Beispiele

Übungen wie 8er, Kreise oder Spiralen werden auf der schmerzfreien Seite ausgeführt, mit dem Ziel der Schmerzreduktion im kranken Gelenk auf der anderen Seite.

Bei Schulterschmerzen könnte eine Übung mit dem Ellenbogen der schmerzfreien Seite durchgeführt werden. Bei Knieschmerzen eine Übung mit dem Hüftgelenk der schmerzfreien Seite.

Buch: Schmerz ist Kopfsache

Mit neurozentrierten Übungen Beschwerden in den Gelenken im Verdauungstrakt und chronische Schmerzen selbt behandeln.

Dieser Beitrag ist lediglich ein Auszug aus dem Seminar. Wer noch mehr darüber erfahren möchte, kann sich das Buch kaufen. Im Buch sind alle Seminar-Inhalte enthalten und ich kann es auf jeden Fall empfehlen.

Die Teilnahme am Seminar hat mich persönlich weiter gebracht, obwohl ich das Buch zuerst gelesen habe. Die Wissensvermittlung über einen Trainer bringt mehr Verständnis über die korrekte Ausführung der Therapie und die Umsetzung bei Patienten.

Fazit:

Ich habe jetzt gelernt, dass ich noch gezielter alle Störquellen nacheinander durchgehe und die Übungen öfters mit einbaue. D.h. ich fange mit den Augen an und gehe nach einander die anderen Störquellen durch.

Insbesondere, wenn ich in der rechten Schulter Schmerzen habe, mache ich mit meiner linken Hüfte Übungen.

Wenn nun eine Störquelle nicht mit einer Übung positiv zu beeinflussen ist, lass ich sie weg.