
Der falsche Biss – Wenn die Okklusion nicht stimmt
Im Jahr 2023, als ich meinen Blog im Sommer neu aufsetzte, recherchierte ich damals schon zum Thema Schienen-Therapien. Ich wollte wissen, ob sie wirklich bei CMD helfen können und welche Systeme vertrauenswürdig sind.
Meine erste Anlaufstelle war im August 2024 Herr Franz Weiß (König & Weiß Dentaltechnik in München), der mich einlud, die Entstehung und Funktionsweise seines selbst entwickelten DROS®-Konzeptes, näher kennenzulernen.
Er ist Zahntechniker und der Geschäftsführer der Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA), die ebenfalls von ihm ins Leben gerufen wurde.
Inhaltsübersicht
Hier nun die detaillierte Zusammenfassung aller Fakten und Informationen rund um das Thema Schienen- und die DROS®-Therapie.
- Okklusionsthese
- Geschichte der Kaufunktion
- Fakten und Ablauf der DROS®-Therapie
- Watterollentest nach Meyer
- Beispiele aus „Der Kopfschmerz“
- Behandlung erfolgt in 2 Phasen
- Ablauf in 7 Arbeitsschritten
- Ziel: Weg von der Schiene
- Studien DROS®-Therapie
- Bekannte Praktiker und Koryphäen in der Funktionsdiagnostik
- Aktuelle Entwicklungen und Ansichten zum Thema CMD
- Interessant zu wissen: Interview mit Herrn Franz Weiß
Okklusionsthese: „function follows form“ –
Die Form bestimmt die Funktion
Eine gesunde Kaufunktion ist abhängig von der Form, Stellung und Länge der Zähne sowie der Stellung der Kiefergelenke und der neurophysiologischen Steuerung des gesamten Kausystems.
Zahnfehlstellungen (gekippte, elongierte Zähne), fehlerhafte Restaurationen, schlechte Kieferorthopädie, unversorgte Lücken und Zahnfrühkontakte können starke Verspannungen der Muskeln provozieren, weil sie ein „Ausweichverhalten“ beim Zusammenbiss anstreben.
Das liegt daran, weil das Kausystem so programmiert ist, immer einen Vielpunktkontakt der Zähne von Ober- und Unterkiefer anzustreben.
Anzeichen einer Okklusionsstörung
- Schlifffacetten
- Frakturen von Zähnen und Füllungen
- Pseudopulpitiden (Entzündungen des Zahnmarks)
- parodontale Überbelastung mit pathologischer Zahnbeweglichkeit
- Verschlimmerung parodontaler Entzündungen
- überempfindliche Zahnhälse, keilförmige Defekte
- Kopf- und Gesichtsschmerzen, Migräne, Tinnitus, Schwindel
- Kiefergelenks-, HWS-, Knie-, Fuß- und Rückenprobleme
Kaufunktionsstörungen werden in erster Linie durch okklusale Abweichungen verursacht, sobald diese den Bereich der desmodontalen Taktilität (Berührung und Druck) von ca. 10 bis 20 μm (1 mü – Tausendstel Millimeter) deutlich über oder unterschreiten.
Ein Beispiel ist eine zu hohe Füllung (Vorkontakt) bei einem Zahn, der in einer Größenordnung von 100 μm liegt. Dies führt dann zu einer hyperaktiven, druckempfindlichen Kau-, Kopf- und Gesichtsmuskulatur.
Tipp: Der Aqualizer – Sofort-Hilfe bei CMD Beschwerden
Der Aqualizer ist keine Schiene im herkömmlichen Sinn, sondern ein „Wasserkissen“ als Soforthilfsmittel. Er liefert nicht direkt diagnostische Parameter, gibt jedoch Hinweise auf funktionelle Probleme.
Mein Aqualizer ist nachts geplatzt. Er hat also nur kurzfristig gehalten. 🙂
Geschichte der Kaufunktion: Biomechanik und Neurophysiologie –
Dr. Robert Lee
Die grundlegenden Erkenntnisse der Bioästhetischen Zahnheilkunde beruhen auf den umfangreichen Studien des amerikanischen Zahnarztes und Biologen Dr. Robert Lee.
Bereits in den 1960er Jahren verglich er Hunderte von Gebissen bei Patienten unterschiedlichen Alters und erforschte grundsätzliche Fragen:
- Warum funktionieren manche Kausysteme ein Leben lang problemlos, andere dagegen nicht?
- Von welchen Faktoren ist es abhängig, ob ein Kausystem gesund und harmonisch arbeitet oder sich im Laufe der Zeit unästhetisch abnutzt und erkrankt?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten hat der Zahnarzt, um die Harmonie im Kausystem wiederherzustellen?
Fakten und Ablauf der DROS®-Therapie
Die Zielgruppe der DROS®-Therapie sind Patienten mit okklusal bedingten Zahn- und Kieferfehlstellungen/Dysgnathien (Fehlbiss).
DROS steht für Diagnostische, Relaxierende, Orientierende, Stabilisierende Oberkiefer-Aufbissschiene.
Die DROS®-Therapie basiert auf einer Okklusions-Schiene aus hochwertigem Kaltpolymerisat. Sie dauert etwa 7 Wochen und kostet etwa 3.300 €. Sie wird schon von einigen Privaten Krankenversicherungen oder Zahnzusatzversicherungen als Therapie-Konzept anerkannt. Hier die wichtigsten Fakten:
- 35 Jahre Erfahrung
- Evidenzbasierte Zahnmedizin
- Gebrauchsmusterschutz DROS® seit 2006/2007
- Gebrauchsmusterschutz Oberkiefer- Aufbissschiene
- Sie wird im µ-Bereich feinjustiert:
1 tausendstel Millimeter (0.001 mm) - Insgesamt 7 standardisierte Arbeitsschritte
- Front-Eckzahn-Führung bringt im Seitenzahnbereich eine relaxierende Wirkung auf die Muskulatur
1) Kaumuster erkennen mit dem Artikulator
Mit dem Artikulator (Gerät zur Simulation der Kiefergelenksbewegung) wird untersucht, wie das Kaumuster des Patienten ist.
- Gipsmodelle im Artikulator geben Aufschluss über die habituelle/gewohnheitsmäßige Position des Unter- und Oberkiefers beim Zusammenbiss.
- Eine genaue Funktionsanalyse bestimmt die zentrische/physiologische Position für die Kiefergelenke.
- Der Gesichtsbogen hilft bei der Ermittlung der Lagebeziehung des Oberkiefers im Verhältnis zur Schädelbasis bzw. zum Kiefergelenk.
- Mit einem Zentrikregistrat wird der erste Frühkontakt ermittelt, die sog. Tageszentrik.
2) Die Habituelle Interkuspidation (HIKP), Okklusion und Kondylenposition
Die HIKP ist diejenige Kondylenposition (Gelenkposition), die durch den gewohnheitsmäßigen Zusammenschluss der Zahnreihen entsteht.
3) Die Einstellung des richtigen Bisses
Mit der physiologischen Zentrik (Nullposition) wird ein Zustand maximaler Entspannung der Protraktoren und Retraktoren bezeichnet (Prof. Dr. Georg Meyer, Greifswald). Das heißt, es liegt die maximale Entspannung der am Kausystem beteiligten Muskeln vor.
Die physiologische Zentrik ist also kein „anatomisch“ definierter Begriff, denn man kann ja tatsächlich nicht in die Kiefergelenke hineinschauen, um zu prüfen, ob die kleinen Walzen der Unterkieferäste (Kondylen) zentrisch in den Gelenkgruben liegen.
Watterollentest nach Meyer – Kurzscreening zur Überprüfung der physiologischen Zentrik
Der Test der physiologischen Zentrik ist eine schnelle und einfache Prüfung, um vorab die Bisslage der Oberkiefer- und Unterkieferzähne von Patienten zu überprüfen.
Er wird vor allem bei Okklusionskontrollen oder bei der Bissnahme (syn.: Relationsbestimmung, Zentrikregistrat) durchgeführt.
Eine Entkoppelung der Okklusion durch leicht angefeuchtete Watterollen im Bereich der ersten Prämolaren (vordere, kleine Backenzähne) kann reflektorisch zu einer Muskelentspannung führen, die wichtige Voraussetzung für eine klinische Okklusionsdiagnostik und für ein Registrat in physiologischer Zentrik ist.
Schienentherapie in der Zahnmedizin
https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/schienentherapie/
Aktuelle Funktionslehre: Prof. Dr. Dr. hc. Georg Meyer (Greifswald)
https://www.gzfa.de/aktuelles-wissen/news/cmd/detail/article/aktuelle-funktionslehre-prof-dr-dr-hc-georg-meyer-greifswald/
4) Arbeit im Netzwerk
Der Zahnarzt ist zunächst alleiniger Ansprechpartner für die Patienten. Die Teamarbeit mit funktionsdiagnostisch versierten Zahntechnikern unterstützt jedoch maßgeblich den Behandlungserfolg.
Allgemein gilt, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, Zahntechnikern und Fachärzten/Therapeuten bei der CMD-Behandlung notwendig ist.
Mittlerweile bestehen 27 DROS®-CMD-Praxen bundesweit.
Beispiele aus „Der Kopfschmerz – ein interdisziplinäres Problem Aspekte der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik und -therapie“, Meyer G., Bernhardt O., Küppers A..
Psychische Erkrankungen
Es kommt häufig vor, dass okklusale Störungen erst bei gleichzeitig auftretenden anderen Risikofaktoren, z. B. psycho-emotionalem Stress, zum Auslöser von CMD werden können.
Allgemein gilt, dass jede Maßnahme zur körperlichen und seelischen Entspannung zum Behandlungserfolg einer Schienentherapie beiträgt.
Deswegen ist es wichtig, dass begleitend zur Schienentherapie eine Aufklärung, eine Anleitung zur Selbstbeobachtung, zur Entspannung und zur Muskelmassage erfolgen sollte.
Im Falle von richtigen psychischen Erkrankungen helfen auch trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) die Muskulatur zu entspannen und die Schmerzen zu reduzieren.
Neurologie und Neurochirurgie
Lotzmann et al. fanden bei einer diagnostisch-therapeutisch orientierten zahnmedizinischen Nachuntersuchung von Patienten, bei denen vorher durch Neurologen und Neurochirurgen die Diagnose Trigeminusneuralgie gestellt worden war, dass in bis zu 50 % der Fälle CMD die eigentlichen Ursachen der neuralgiformen Symptomatik waren.
Interessanterweise handelte es sich bei über 70 % dieser Fälle um infraokklusionen/nonokklusionen (Zähne haben keinen Kontakt zum Antagonisten) im Seitenzahnbereich in zentrischer Position, die häufig durch einen zu niedrigen Zahnersatz oder eine kieferorthopädische Behandlung bedingt waren.
Migräne: Während Wechselwirkungen zwischen CMD und unspezifischen Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Trigeminusneuralgien wissenschaftlich belegt sind, wird ein zahnmedizinischer Anteil bei der Ätiologie von Migräne bzw. migräneartigen Schmerzen kontrovers diskutiert.
Bei nicht wechselnden, sondern auf eine Gesichtshälfte begrenzten Migränebeschwerden, empfehlen einige Neurologen eine Zahnärztliche Untersuchung.
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Es konnte im Rahmen der SHIP-Studie Zusammenhänge zwischen Tinnitus und CMD belegt werden. Wright zeigte anhand von 200 CMD-Patienten, die gleichzeitig an Tinnitus, Ohrenschmerzen und Schwindel litten, dass nach erfolgreicher Behandlung der Kaufunktionsstörungen eine signifikante Besserung der genannten Begleitsymptome eintrat.
Ein Patientenfall für die Gynäkologie
- Anamnese: Eine 42-jährige Patientin stellte sich wegen periodisch anfallsartig auftretender, auf die rechte Gesichtshälfte beschränkter massiver Kopfschmerzen bei uns vor. Neurologisch und HNO-ärztlicherseits waren keine Ursachen feststellbar.
- Befunde: Es fanden sich asymmetrische Verspannungen im Kau- und Schultermuskelbereich, einige mittelgroße Amalgamfüllungen und andere Auffälligkeiten.
- Therapie: Es erfolgte eine erfolgreiche Entspannungs-Schienentherapie. Doch nach 4 Wochen kamen die Schmerzen zurück und es erfolgten weitere Zahnextraktionen, die keinen längerfristigen Erfolg brachten.
Es war letztendlich der Hausarzt dieser Patientin, der Zusammenhänge mit der Menstruation vermutete und es wurde in der Frauenklinik die Diagnose
Endometriosis extragenitalis festgestellt.
Dabei handelte es sich um – während der embryonalen Entwicklung – in der rechten Gesichtshälfte versprengtes Gewebe, das jeweils während der monatlichen Periode aktiviert wurde und dann die Gesichtsschmerzen auslöste.
Eine nachfolgende und hierauf abgestimmte Hormonbehandlung führte zur Beschwerdefreiheit.
Behandlung erfolgt in 2 Phasen
Die DROS®-Schiene ist eine Kombination aus Relaxierungsschiene und adjustierter Aufbissschiene (= Michigan-Schiene). Das heißt, es werden nicht 2 verschiedene Schienen neu gefertigt, sondern das Behandlungsziel über Feinjustierungen auf nur einer Schiene erreicht.
Diese 2 Phasen charakterisieren das Konzept und sind damit der Hauptunterschied zu vergleichbaren Aufbissschienen.
1) Diagnose- und Relaxierungs-Phase (DROS® I –Schiene)
▶ Entspannung der am Kausystem beteiligten Kopf-, Kiefer- und Gesichtsmuskeln.
Die erste Phase zeigt, wie ohne Bewegungseinschränkung des Unterkiefers, eine Muskelrelaxierung erzielt, neuromuskuläre Reflexe unterbunden werden und dient der Neuorientierung des Unterkiefers.
- Im Frontzahnbereich ist ein Plateau für die Entspannung der Muskulatur
- Die Seitenzahnkontakte werden aufgehoben
- Dreidimensionale Neuausrichtung des Unterkiefers mit geringer Neigung
- Kaumuskulatur entspannt sich zumeist innerhalb von 1 Woche
- Diagnostik der Okklusion/Fehlkontakte
- Frühkontakte sind eliminiert.
Frage: Was passiert, wenn sich die Muskulatur nicht entspannt?
Dann muss nach anderen Ursachen/Risikofaktoren geforscht werden in Zusammenarbeit mit HNO, Orthopäden, Physiotherapeuten, Psychologen, Neurologen etc. Es müssen dann zusätzlich Entspannungsmethoden und Physiotherapie angewendet werden etc.
Grundsätzlich ist immer eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie notwendig, um CMD-Beschwerden vollumfänglich zu behandeln.
Die Okklusion ist ein Risikofaktor unter vielen, der bei Verdacht vom Zahnarzt abgeklärt werden sollte. Kommt dieser aber mit der Schienentherapie nicht weiter, muss an andere Fachärzte und Therapeuten überwiesen werden.
▶ Die Chance, dass die Schienentherapie hilft, unabhängig vom Konzept, beträgt laut Prof. Dr. Dr. Georg Meyer 50 Prozent. Das muss dem Patienten vor der Behandlung kommuniziert werden!
Bei Patienten, bei denen schon viele andere Ursachen/Risikofaktoren ausgeschlossen werden können, ist die Erfolgsrate höher, v.a. wenn es einen Verdacht auf z.B. Frühkontakte gibt (Beschwerden sind nach einer Zahnersatzversorgung z.B. neue Krone, Brücke, Füllung aufgetreten).
Sehr häufig besteht auch ein Frühkontakt schon sehr lange Zeit, ohne Beschwerden. Kommt dann ein Stressfaktor hinzu, treten die Beschwerden erst auf. Bsp: Weisheitszähne bei einem erwachsenen Patienten, die jahrelang keine Beschwerden gemacht haben.
Durch starken psycho-emotionalen Stress (Tod eines Angehörigen, Jobverlust, schwere Krankheit, Scheidung etc.) können dann „plötzlich“ CMD-Symptome auftreten, die zunächst nicht mit der Okklusionsstörung (Fehlkontakte) durch die Weisheitszähne in Verbindung gebracht werden.
2) Orientierungs- und Stabilisierungs-Phase (DROS® II –Schiene)
▶ Orientierung der Kondylen in die physiologische Lage mit Anpassung der Okklusion.
Das bedeutet einfach gesagt: „nicht zueinander passende Zähne von Ober- und Unterkiefer durch die Schiene wieder passend zu machen“.
Die zweite Phase beginnt nach etwa einer Woche Tragedauer mit erneuter Registrierung auf derselben Schiene bei entspannter Kaumuskulatur.
Nach dem Umbau der Schiene durch den Zahntechniker mit Front-Eckzahnführung und punktförmigen Auflagepunkten pro Zahn im Seitenzahnbereich, kann nach mehrmaliger Feinjustierung durch den Zahnarzt in einem Zeitraum von 7-10 Wochen eine Harmonisierung von Okklusion und Kondylenposition auf der Schiene erfolgen.
Die Überleitung in die zweite Phase der DROS®-Schiene wird mit hilfe von
Registrierungen auf der Schiene gestaltet.
- Umbau der Schiene mit seitlicher Abstützung
- Front/Eckzahnführung von nur 25-30 Grad verlaufender Neigung
- Rücklage des Unterkiefers wird vermieden
- Therapieziel: Erlangen einer neuen zentrischen Relation zwischen Ober- und Unterkiefer
- Ziel: Eine stabile Kondylenposition (SKP)
- Vergleichbar mit der Michigan-Schiene
Ablauf in 7 Arbeitsschritten
1. Diagnostik | – DROS® -Zentrik-Registrat (Ober- und Unterkiefer)
2. Eingliederung DROS® I – Schiene | Relaxierung
3. Eingliederung DROS® II – Schiene | Orientierung und Stabilisierung
4. Kontrolltermin | Zinnfolienkontrolle und Feinjustierung
5. Kontrolltermin | Feinjustierung
6. Kontrolltermin | Feinjustierung
7. Abschlussregistrat API/CPI | stabile Kondylenposition (SKP)
Ziel: Weg von der Schiene
Die DROS® I-Schiene ist nur ein Teil der Therapie und wird anfangs nur für die Relaxierung der Muskulatur eingesetzt. Ist die Bisslage dann (DROS®II) stabil und die Schmerzen verschwinden, werden dann nach etwa 7 Wochen folgende Möglichkeiten evaluiert:
1) Wenig aufwändige Einschleifmaßnahmen
Oft reicht schon die Korrektur einer einzigen zu hohen Füllung oder eines Frühkontakts, aufgrund eines gekippten Zahnes aus, um Schmerzfreiheit bzw. Linderung zu bekommen.
2) Funktionell-ästhetisches Wax-up/Coronaplasty
Mit Hilfe von Spezialwachs wird der Substanzverlust aufgrund von
Zähneknirschen/-pressen rekonstruiert, sofern dies nach Abschluss der Schienentherapie noch nötig ist.
3) Kieferorthopädie
Auch bei Erwachsenen ist eine Zahnregulierung noch möglich. Dies erfolgt durch transparente sog. Aligner-Schienen, (dünne, transparente Kuststofffolien) die die Zähne ohne Klammern schonend und unauffällig korrigieren.
Eine kieferorthopädische Maßnahme kann sich über einen sehr langen Zeitraum hinziehen. Die Diagnostik in der Kieferorthopädie ist deshalb äußerst wichtig, denn sie gibt Klarheit, ob ein kieferorthopädischer Eingriff notwendig und sinnvoll ist.
4) Prothetische Versorgung
Dies erfolgt vor allem in denjenigen Fällen, in denen ein Zahnsubstanzverlust von mehreren Millimetern vorliegt (Knirschen/ Bruxismus).
Das Ausmaß dieses Substanzverlusts wird pro Zahn zunächst mit Wachs rekonstruiert und dann mit z.B. metallfreien Materialien (Keramik) umgesetzt.
Der Patient kann jedoch auch auf Dauer auf der Schiene bleiben, sollte aber mehrmals pro Jahr zur Kontrolle in die Praxis kommen!
Die DROS®-Therapie wird im Netzwerk auch im Rahmen einer prothetischen Sanierung angewendet. Das verbessert die Zahnersatzbehandlung insgesamt und schont die finanziellen Ressourcen der Patienten wie auch des Gesundheitssystems.
Wesentliche Vorteile der DROS®-Schiene
- Kürzere Behandlungszeiten
- Rasche Linderung von CMD-Symptomen
- Qualitätssicherung durch standardisierte und reproduzierbare Behandlungsschritte
- Konzept bietet Transparenz und Orientierung für Behandler und Patienten
- Wenn eine weitere Behandlung notwendig ist, kann diese aus einer stabilen physiologischen Kondylenposition erfolgen
Evidenzbasierte Zahnmedizin vs. Randomisiert-kontrollierte Studie
1) Evidenzbasierte Zahnmedizin
Sie sorgt für eine zuverlässige und schnelle Anwendung der besten wissenschaftlichen Behandlungsmethoden. Es geht genau um das Zusammenspiel von Wissenschaft, Zahnarzt und Patient.
2) Randomisierte kontrollierte Studie
Sie ist die hochwertigste Form (Goldstandard) einer klinischen Studie. Aber auch sie kann Verzerrungen unterliegen, je nachdem, unter welcher Zielsetzung sie erfolgt.
Studien DROS®-Therapie
2007 Umfrage der GZFA®
Die Studie mit 10 Zahnärzten (Funktionsdiagnostiker des GZFA®-Netzwerks) und 493 Patienten hat gezeigt, dass:
- sich mit der DROS®-Therapie schmerzhafte CMD-Beschwerden innerhalb von zwei bis vier Tagen lindern lassen.
- die Mehrheit, über 89 Prozent, die DROS®-Therapie als sehr angenehm empfand.
2008-2011: Auswertung von Dr. Hinderk Ohling
Dr. Ohling zählt mit zu jenen Pionieren, die an CMD erkrankte Patienten mit der DROS®-Schiene behandeln.
Er hat die Daten von 78 Patientenfällen aus den Jahren 2008 bis 2011 ausgewertet. Folgende Ergebnisse wurden beobachtet:
- 86 % Verbesserung von Symptomen in der ersten Phase (Relaxierung)
- 5 % Auflösung von Symptomen in der ersten Phase
- 58 % Verbesserungen in der zweiten Phase (Orientierung und Stabilisierung der Kiefergelenkposition)
- 34 % haben keine Symptome mehr
- Bei 51 Patienten dauerte die Therapie nur 6-7 Wochen
- Bei 15 Patienten dauerte die Therapie lediglich eine Woche mehr
- Bei den letzten 12 Patienten verlängerte sich die Behandlungszeit wegen physiotherapeutischer Maßnahmen oder klärender Verhandlungen mit den Kostenträgern.
Zum überwiegenden Teil kamen die CMD-Patienten mit einem abradierten
Gebiss in die Praxis. So musste Dr. Ohling bei 69 Patienten additive
Rekonstruktionen für den Kauflächenaufbau vornehmen.
Nur bei wenigen Patienten waren mit Einschleifen subtraktive Maßnahmen notwendig, in einzelnen Fällen kombiniert.
2009 Pilotstudie mit der LMU in München
Die Rosenheimer Zahnärztin Dr. Claudia Michl hat mit einer Pilotstudie in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München gezeigt, dass die DROS®-SCHIENE als Diagnose- und Behandlungs-Instrument erstmals wissenschaftlich belegt ist, und eingesetzt werden kann.
Beweisen konnte man die Probleme mit dem falschen Biss mit einem MRT. Die Studien haben gezeigt, dass fast jeder Fall lösbar ist.
Bekannte Praktiker und Koryphäen in der Funktionsdiagnostik
Grundsätzlich sind es die Theoretiker, die Profs, die verantwortlich für die Lehre sind und sie bestimmen, in welche Richtung die Zahnmedizin geht.
Die Praktiker aber kennen die Technik und merken direkt am Patienten, was geht, und was nicht geht.
1) Prof. Dr. Wolfgang B. Freesmeyer (verstorben)
Ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -Therapie (DGFDT).
Sein Interesse galt der Ausbildung der Studenten, der Funktionsdiagnostik und -Therapie, der klinischen Prothetik und Prophylaxe sowie der zahnärztlichen Werkstoffkunde.
2) Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer
Deutscher Zahnmediziner und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)
In seiner Amtszeit als Präsident der DGZMK war es ihm ein besonderes Anliegen, die Zahnmedizin als integralen Bestandteil der Medizin zu etablieren.
3) Prof. Dr. Alexander Gutowski
Er ist ein Zahnarzt aus Schwäbisch Gmünd und hat einen exzellenten Ruf in der Fortbildung von Zahnärzten.
Sein Credo: Nicht ruhen, sondern stets bestrebt sein, sich weiter zu entwickeln, um das Wissen und Können denen zu vermitteln, die selbst bessere Zahnärzte werden möchten.
4) Prof. Slavicek – „Wiener Schule/VieSID-Institut“ (verstorben)
Weltweit der führende Experte für Gnathologie und interdisziplinäre Zahnmedizin.
Er war ein Hauptakteur auf dem Gebiet der oralen Medizin und der interdisziplinären funktionellen Zahnmedizin.
Sein interdisziplinäres zahnmedizinisches Behandlungskonzept zeigt Lösungen auf, innovative Prozesse und Behandlungsmethoden in den Praxisalltag zu integrieren.
5) Prof. Dr. Dr. W. G. Krogh-Poulsen – Funktionsdiagnostiker
Einer der Wegbereiter der modernen Funktionslehre. Der Kopenhagener Professor Willi Krogh-Poulsen merkt an: „Entscheidend für eine harmonische Behandlung ist nicht das Konzept, sondern das Erreichen eines akzeptablen neuromuskulären Funktionsniveaus, zu dem auch die Zähne passen“.
Genau darin besteht das Ziel einer Vorbehandlung funktionsgestörter Patienten mit der Schienentherapie und den damit einhergehenden flankierenden Behandlungen wie Entspannung durch Selbstbeobachtung, Physiotherapie, medikamentöse und psychologische Therapien u. a..
Erst danach sind okklusale Restaurationen sinnvoll, angefangen von der Füllungstherapie bis hin zur umfassenden Prothetik und Kieferorthopädie.
Aktuelle Entwicklungen und Ansichten zum Thema CMD
Aktuell gibt es viele neue Schienen und Hilfsmittel für die Therapie von CMD, die mit viel Marketing ohne Fachwissen, auf den Markt kommen.
Die Ausbildung der Zahnärzte und Zahntechniker ist aber sehr wichtig, um wirklichen Erfolg bei den Patienten zu haben.
Das Wissen um die Bedeutung der Okklusion (Gnathologie) von früher geht leider verloren. Das bedeutet, es wird einen Qualitätsverlust in der Zahnmedizin und Zahntechnik geben – zulasten der Patienten.
Leider werden Zusammenhänge zwischen Kaufunktionsstörungen und Beschwerdesymptomatik an den Universitäten nicht näher behandelt.
CMD nimmt zu. Aber die Ursachen liegen jetzt verstärkt im biopsychosozialen Umfeld.
Digitalisierung in der Zahnmedizin
In der Zukunft wird es mehr Richtung Digitalisierung gehen. Das bedeutet, dass Schienen mit CAD/CAM Programmen am Computer gefertigt werden.
Vorteile:
- Schienen können mittels 3-D-Drucker hergestellt werden
- Kein handwerkliches Geschick mehr nötig
- Der größte Vorteil der CAD/CAM-Produktion ist jedoch, dass die Modellierung während der Produktion nicht mehr verloren gehen kann.
Nachteile:
- Fachliches Wissen und Kenntnis von Funktion und Design sind aber weiterhin unumgänglich.
- Informatik-Wissen und dementsprechende Anwendungskenntnisse werden bei Zahnärzten und Zahntechnikern vorausgesetzt
- Planung mittels CAD-Software kann neue Problemfelder bringen
Entscheidend für die digitale Umsetzung ist ein originäres Wissen über die
analoge Vorgehensweise bzw. vertiefte Kenntnisse der Funktionslehre und
ihrer praktischen Anwendung.
Die Gefahr besteht darin, dass dieses Wissen verloren geht, wenn nur noch die digitale Umsetzung (Scannen/CAD/CAM-Technik) eingesetzt wird (habituelle Versorgung).
Das gilt im Besonderen für die Nachfolgegenerationen der Zahnärzte und Zahntechniker, die in Studium und Lehre nicht mehr über diese elementaren Grundlagen eingewiesen werden.
Interessant zu wissen: Interview mit Herrn Franz Weiß
1) Frage: Warum wird eine Schienen-Therapie so oft abgebrochen?
Antwort: Weiß: Die meisten der Schienen-Nutzer geben nach einer Weile auf, die Schiene zu tragen, weil sie nicht den gewünschten Therapie-Erfolg merken. Damit eine Schiene aber optimal wirkt, sollte sie vom Zahnarzt regelmäßig kontrolliert und feinjustiert werden.
Das trifft nicht immer zu, zumindest in Bezug auf die DROS®-Schiene, denn das „Aufgeben“ bezieht sich vermutlich vorrangig um weiche
Knirscherschienen oder harte Tiefziehschienen, die keinen diagnostischen Aspekt, sondern eine rein symptomatische Wirkung haben.
Auch gilt das wöchentliche Feinjustieren nur für das DROS® -Schienenkonzept. Wie dies bei anderen Schienen gehandhabt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.
Für die DROS®-Schiene gilt das „Aufgeben“ in dieser Form nicht. Die meisten Patienten durchlaufen die gesamte Schienentherapie und profitieren vom hohen therapeutischen Erfolg.
2) Frage: Was muss bei der Wahl einer Schiene beachtet werden?
Antwort: Weiß: Harte Schienen sind zu bevorzugen. Bei weichen, flexiblen Schienen hat eine Studie gezeigt, dass der Bruxismus noch zunimmt, weil dieses knautschige Material eher dazu reizt, darauf herumzukauen.
Die Schiene sollte zudem alle Zähne des Kiefers bedecken und gut angepasst sein.
3) Frage: Wie merke ich, dass die Okklusion die Ursache der Schmerzen ist?
Antwort: Weiß: Die Ursache der Schmerzen/Symptome ist immer eine Verspannung der am Kausystem beteiligten Muskeln. Die zahnärztliche klinische, manuelle und instrumentelle Funktionsanalyse dient hier der Abklärung, ob die Okklusion ursächlich für die Verspannungen verantwortlich ist.
D.h. Der Zahnarzt klärt immer nur den „zahnmedizinischen Risikofaktor“ für CMD ab, also ob eine Störung der Okklusion vorliegt.
Wenn die Schiene aus der habituellen Okklusion gefertigt wurde, kann es
sein, dass sich die Schmerzen verstärken, denn die Ursache ist eine falsche Positionierung vom Unterkiefer zum Oberkiefer.
Die habituelle Okklusion ist die Position, in der die Zähne des Ober- und Unterkiefers auf natürliche Weise aufeinandertreffen, wenn der Unterkiefer in einer entspannten Position ist. Sie ist individuell verschieden und repräsentiert die gewohnheitsmäßige Bissstellung einer Person.
4) Frage: Beckenschiefstand, Entspannung der Kaumuskeln durch Physiotherapeuten vor der Abnahme der Registrate etc.: Schicken Sie die Patienten vorher zum Physiotherapeuten? Oder wann ist dies notwendig?
Antwort: Weiß: Das ist nicht regelmäßig vor jeder DROS®-Schienenbehandlung angezeigt, nur in Einzelfällen, wenn z.B. massive Verspannungen vorliegen, so dass der Patient nicht „zentrikfähig“ ist. Und nur dann macht eine Bissregistrierung überhaupt Sinn.
5) Frage: Ist billiger Zahnersatz aus dem Ausland eine Alternative?
Antwort: Weiß: Zahntechnik und Zahnersatz in Billiglohnländern zu nutzen, ist nicht wirklich sinnvoll. CMD ist ein komplexes Krankheitsbild.
Es stellt sich auch die Frage, was für Materialien benutzt werden, und wie gut sich die ausländischen Zahnärzte und Zahntechniker mit der Technik auskennen?
6) Frage: Können CMD-Symptome auch von anderen Krankheiten her kommen?
Antwort: Weiß: Die Grundlage für CMD bzw. CMD-Symptome ist eine Verspannung der Kau-, Kopf- und Gesichtsmuskulatur. Die Ursachen für diese Verspannungen sind vielfältig und reichen in alle medizinischen Bereiche hinein.
Der Zahnarzt/die Zahnärztin ist nur für die Abklärung und ggf. Behandlung des „Risikofaktors Okklusionsstörung“ zuständig, als einem Faktor unter vielen.
Mögliche Misserfolge bei der Schienentherapie sollten zunächst nicht der Methode angelastet werden, sondern es muss zuerst ausgeschlossen werden, ob z.B. folgende Krankheitsbilder eventuell vorliegen:
- Stress
- Echte psychische und neurologische Erkrankungen
- Orthopädische Probleme (Extremitäten, Wirbelsäule)
- Isometrische Muskelarbeit (Körperfehlhaltungen)
- Hormonelle Faktoren (Menopause, Pubertät, Schilddrüsendysfunktionen)
- Metabolische Faktoren
- Propriozeptive Reflexe (Vermögen, die Position eines Körperteils im dreidimensionalen Raum zu spüren und zu steuern) aus primär erkrankten über- oder fehlbelasteten Gelenken
- Trauma, Mikrotrauma, Unfälle,
- Sehstörungen, fehlerhaft eingestellte Brille u. a.
- Erkrankungen der Pulpa (Zahnmark)
- Entzündungen im Parodontium (Zahnhalteapparat)
- Drüsen
- Nasennebenhöhlen
- Tumore
https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/cmd-craniomandibulaere-
dysfunktion/cmd-ursachen/
7) Frage: Welche Ursachen hat CMD aus Sicht der Zahnmedizin?
Antwort: Weiß: Aus Sicht der funktionellen Zahnheilkunde sind laut Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer für die muskulären Verspannungen zwei Risikofaktoren verantwortlich: Zahnfehlstellungen und Stress oder beides in Kombination.
8) Frage: Wie gut sind unsichtbare Aligner-Systeme
Antwort: Weiß: Aligner-Systeme (hauchdünne, transparente Zahnschienen in der Kieferorthopädie) werden entwickelt mit Computer-Systemen.
Zu beachten ist, dass es häufig zu okklusalen Veränderungen kommt und der Patient funktionelle Probleme (CMD-Symptome) entwickeln kann.
9) Frage: Heißt das, dass die Systeme nur nach der Ästhetik arbeiten und nicht an der Funktion?
Antwort: Weiß: Das wird von vielen funktionell-ästhetisch arbeitenden Zahnärzten vermutet, da viele Patienten nach solchen Therapiemaßnahmen funktionelle Probleme haben (Overbite/Overjet).
Zumal dann, wenn die Aligner-Schienen teilweise von den Patienten selbst im Internet bestellt werden können und keine konsequente Therapiekontrolle stattfindet.
10) Frage: Wie sollten die Abnahme der Registrate erfolgen? Warum ist es wichtig, die Abnahme der Bissregistrierung im Sitzen und nicht im Liegen zu machen, leichte Neigung?
Antwort: Weiß: Bissregistrierung im Sitzen: Aufrechte Kopfhaltung, horizontale Ausrichtung des Kopfes.
Bei der Bissregistrierung im Liegen, positioniert sich der Unterkiefer zwangsläufig in eine retrudierte (zurückgeschobene) Position. Diese retrudierte Position entspricht nicht der physiologischen Zentrik (falsche Tageszentrik) und ist nach moderner Funktionslehre veraltet.
11) Frage: Wie lange hält das Ergebnis der DROS®-Therapie aus Ihrer Erfahrung an? Wenn der Stress nicht aufhört, knirscht man ja weiter (neuronale Signale/Nervensystem) und dadurch geht auch wieder Zahnsubstanz verloren.
Antwort: Weiß: Wenn die Okklusionsstörung behoben ist, d.h. die Fehlkontakte nicht mehr vorhanden und damit nicht mehr Ursache für Verspannungen sind, hält das Ergebnis der Behandlung in aller Regel an.
Bei starkem Stress und psycho-emotionaler Belastung sollten aber immer begleitend Entspannungsmaßnahmen stattfinden wie etwa Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson u. dergleichen.
Patienten können auch dauerhaft auf der Schiene bleiben, ohne Umsetzung in die Prothetik. Da die Schiene eine harte adjustierte Aufbissschiene ist, hält sie auch deutlich länger, z.T. Jahre, im Gegensatz zu weichen Knirscherschienen, die ständig erneuert werden müssen.
Wird durch die Schienentherapie primär eine neuromuskuläre Entspannung im Kausystem erreicht, ist zwar schon ein großer Teil der Ursachenkette behoben, aber die Anwendung der Schiene allein führt trotzdem nicht immer zum vollständigen Therapieerfolg.
Hat das Zähneknirschen bzw. der Bruxismus beim Patienten beispielsweise zu einem starken vertikalen Verlust der Bisshöhe von 4 bis 8 mm geführt, kann zusätzlich auch eine prothetisch-rekonstruktive Behandlung notwendig werden (Dr. Hinderk Ohling).
12) Frage: Schwierige Patienten-Fälle: Patienten, die schon mehrere erfolglose Behandlungen hinter sich haben, und bei denen der Biss total verschoben ist, haben die Chancen bei Ihnen?
Antwort: Weiß: Ja, zunächst natürlich bei einem Zahnarzt, der DROS®-Therapeut ist, sofern er die Okklusion als tatsächliche Ursache der Beschwerden diagnostiziert hat und alle anderen Risikofaktoren interdisziplinär abgeklärt wurden.
Eine vom Zahnarzt fachmännisch durchgeführte Funktionsanalyse muss vorliegen und den Verdacht bestätigen.
13) Frage: Wenn man weg von der Schiene kommen will, kommen bei der DROS®-Therapie begleitend eine Kieferorthopädie oder prothetische Vorsorge hinzu, die nicht in den Kosten der DROS®-Therapie mit inbegriffen sind. Richtig?
Antwort: Weiß: Alle Maßnahmen im Anschluss an die DROS®-Schienentherapie oder auch anderer Schienentherapiekonzepte, sind extra anfallende Kosten, je nach individueller Notwendigkeit.
Denn anschließende Maßnahmen können völlig unterschiedlicher Art und Umfangs sein. Darüber erstellt der behandelnde Zahnarzt, wie bei jeder anderen Maßnahme auch, einen Heil- und Kostenplan.
14) Frage: Was sind die Vorteile von der DROS®-Methode gegenüber dem DIR-System und der Slavicek Methode?
Antwort: Weiß: Das DIR®-System beruht meines Wissens auf einer Unterkiefer-Distraktionssschiene, die nur im Seitenzahnbereich abgestützt ist – ohne Protrusionsführung der Zähne.
Das DIR-System unterscheidet sich demnach deutlich von der DROS®-Schienentherapie: Diese beruht auf einer 2-phasigen Oberkiefer-Aufbissschiene mit dem Ziel neuromuskulärer Entspannung und Harmonisierung von Okklusion und Kondylenposition auf der Schiene.
Eine „Slavicek-Methode“ existiert in diesem Sinne nicht, er hat jedoch die Funktion in den Mittelpunkt von Diagnostik und Therapie eingebunden, unter interdisziplinärer Zusammenarbeit.
15) Frage zum Vortrag: Die nächste Stufe der Evolution – Digitale Okklusionsschienen: Dr. Tadas Korzinskas, Dr. Stefano Pieralli, Andre-Joubin Derakhshani, 56. Jahrestagung der DGFDTF
„Der analoge Weg zur Herstellung von Okklusionsschienen ist sehr techniksensitiv. Abformung, Modellherstellung, Übertragung der Oberkieferposition, Zentrikregistrat und Montage des Unterkiefermodells, Handling des Materials sowie Ausarbeitung und Eingliederung können Fehler beinhalten.
Diese führen bei ihrem Auftreten zu Differenzen der Kontaktsituation im Artikulator und am Patienten. Dazu kommt, dass durch das digitale Modell es zu einer massiven Zeitersparnis bei der Verarbeitung und Eingliederung der Schiene kommt.“
Wie sehen Sie das?
Antwort: Weiß: Die Fehleranfälligkeit kann bei digitalen Prozessen genau so groß sein, wie bei analogen Prozessen. Ist der vom Zahnarzt gelieferte Scan nicht perfekt, setzen sich etwaige Fehler auch in der weiterführenden Arbeit fort, also ebenso in die Übertragung in den (virtuellen) Artikulator etc. Die Kontrollmöglichkeit für die Herstellung der Schiene ist eingeschränkt.
Obwohl viele Arbeitsschritte durch die Digitalität entfallen, ist eine „Zeitersparnis“ nur dann gegeben, wenn die digitalen Parameter korrekt sind und der Work-Flow im Team Zahnarzt/Zahntechniker perfekt eingespielt ist.
Ideal ist es, wenn analoges und digitales Know-How in gleicher Weise vorhanden ist. Das soll heißen, wenn die analoge Vorgehensweise nicht bekannt ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die digitale Vorgehensweise auch fehleranfälliger ist.