RelaxBogen – Erkenntnisse aus der Osteopathie: Alternative zur Schienentherapie

Eine Verlängerung der Physiotherapie

Der RelaxBogen (RB) wurde im Jahr 2010 von der Physiotherapeutin Klára Rabb und dem Zahnarzt Dr. Jochen Lambers erfunden. Er ahmt eine spezielle Form der Entspannungstechnik für den Kaumuskel und den Schläfenmuskel nach. Basis dafür ist die „Myofasziale Release-Technik“ (eine sehr sanfte osteopathische Therapie), die Verspannungen und Verklebungen lösen und wird vor allem bei der Schmerztherapie angewendet.

Therapeutischer Effekt & Ziel

Der RB bewirkt das Halten der Muskeln wie bei der Physiotherapie. Ziel ist es, die gleitenden Bindegewebsschichten, also die Faszien, zu stimulieren. Dabei wirkt der RB auf zwei unterschiedliche Arten.

1) Schnelle Muskelentspannung

Nach 1-2 Stunden stellen sich erste Verbesserungen ein. Nach 4-8 Wochen Behandlungszeit sollten sich Muskelverhärtungen, Bewegungseinschränkungen und hartnäckige Verspannungen im Kiefer merklich gebessert haben.

2) Remind-Funktion

Durch die Wahrnehmung eines Widerstandes, sobald sich die Kiefermuskulatur erneut anspannt (z.B. beim Zähneknirschen oder durch das Zusammenbeißen der Zähne), kann auf diese Anspannungen schneller reagiert werden.

▶ Die richtigen Auflagepunkte auf den Muskeln spürt man übrigens nach kurzer Eingewöhnungszeit intuitiv.

2020 Studie: Wirksamkeit des RelaxBogens im Vergleich zur Therapie mit Aufbissbehelfen

Ziel der Studie

Die Studie von Dr. Jochen Lambers und Dr. Christopher Heise untersuchte den therapeutischen Effekt des RB plus Stabilisierungsschiene im Vergleich zur alleinigen Schienentherapie bei Patienten mit Schlafbruxismus und CMD.

Untersucht wurden nur Probanden, die myogene (muskuläre Verspannungen) hatten. 3/4 der CMD-Betroffenen haben myogene Schmerzen.

Die Studie umfasste 32 Probanden. Das Durchschnittsalter betrug etwa 41,5 Jahre. Sie wurden in einer einfach verblindeten, randomisierten, kontrollierten, monozentrischen (Studie wird nur in einer Einrichtung durchgeführt) klinischen Studie untersucht.

Die Therapiedauer war 8 Wochen.

Ausschlusskriterien

  • Psychische Störungen
  • Alkohol, Drogen und Medikamentensucht
  • Zähnepresser
  • Orthopädische Probleme (Beinlängendifferenz)
  • Implantate
  • Unfälle
  • schlechter Zahnersatz und
  • komplizierte KO

Ergebnisse

  • Mehr als die Hälfte der RB-Gruppe (plus Stabilisierungs-Schiene: p SS) merkten eine deutliche Besserung.
  • Die RB-Gruppe zeigte eine signifikante Schmerzreduktion der Mundschließer und weniger Schmerzen bei der Mundöffnung gegenüber den Teilnehmern in der Kontrollgruppe.
  • In der RB-Gruppe (p SS) ergab sich eine signifikante Verbesserung bei der Schmerz-Palpation gegenüber der Kontroll-Gruppe.
  • Kopfschmerzen in Kombination mit muskulären CMD-Symptomen (Nacken-Schulter-Bereich) konnten gelindert werden.
  • Zudem konnte eine geringere Muskelspannung bei verbesserter Beweglichkeit des Unterkiefers beobachtet werden.

Schlussfolgerungen

1) Der RB dient somit als zusätzliches therapeutisches Hilfsmittel bei Bruxismus.

2) Patienten müssen aber mitarbeiten und den RB regelmäßig tragen.

3) Der RB ist eine Alternative für Betroffene, die eine Schienentherapie nicht tolerieren und für Patienten in kieferorthopädischer Behandlung, da sich hier eine Fixierung der Zahnstellung wegen der geplanten Zahnbewegung ausschließt.

4) Vergleich Studie 2016: Der RB steigerte das allgemeine Wohlbefinden der Studienteilnehmer und 9 von 10 Probanden empfanden ihn als hilfreiche Therapieergänzung.

https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/article-download/867327/journal-of-craniomandibular-function/2020/04/behandlung-von-cmd-und-bruxismuspatienten

Fazit & Aber

  • Je länger das Beschwerdebild existierte, desto geringer waren die Erfolgschancen.
  • Die Auswirkung von CMD und Bruxismus sind divers und deshalb kann die Wirkung sehr unterschiedlich sein.
  • Es gibt für jeden eine „Geld zurück Garantie“ innerhalb der ersten 4 Wochen. Er hat außerdem 3 Jahre Garantie.
  • Der RB wird in Deutschland hergestellt und per Direktvertrieb verkauft.
  • Er wird ohne Weichmacher hergestellt und man kann ihn einstellen.

https://www.relaxbogen.de

Interessant zu wissen

  • Viele Zahnärzte arbeiten nicht wissenschaftlich.
  • Es gibt kaum Gelder, um die Wirksamkeit der Schienentherapie wissenschaftlich im Sinne einer randomisierten und doppelblinden, kontrollierten und multizentrischen Studie zu untersuchen.
  • Die Bruxismus Leitlinie ist wissenschaftlich fundiert und empfiehlt ausdrücklich Schienen, die aus einem harten Material sind und alle Zähne bedecken.
    https://www.dgzmk.de/diagnostik-und-behandlung-des-bruxismus-s3
  • Im Ausland ist man viel weiter, es gibt gute englische Fachliteratur.
  • Deutsche Zahnärzte veröffentlichen meist auf deutschen Portalen.
  • Für die Krankenkasse stellt CMD einen Kostenfaktor dar.

Interview: Christoph Seidenstücker, Geschäftsführer, RelaxBogen GmbH

1) Ergebnisse der Studie: Gab es einen Zusammenhang zwischen der Schwere der strukturellen Abweichungen (z.B. Kieferfehlstellung / Knochenstruktur/ Zahnstellung), Okklusion und Verbesserungen durch den RB?

Christoph Seidenstücker: Wir haben bei der Studie den Fokus nicht auf die Okklusion gelegt. Nach unserer Auffassung gibt es keine richtige Kieferstellung, weil sich der Biss/Kieferstellung durch das Kauen/Essen im Tagesverlauf ständig verändert.

„Der Kiefer ist an Muskeln und Faszien aufgehängt und kann relative frei bewegt werden. Je nach Anspannungslevel der Muskeln ändert sich auch die relative Position des Unterkiefers über den Tag.

Strukturelle Auffälligkeiten

Anders ist es bei einer Knochenstruktur wie der Progenie (Vorverlagerung des Unterkiefers/ die unteren Zähne stehen vor den oberen Zähnen). Dies stellt einen medizinischen/kieferchirurgischen Fall/Sondersituation dar und durfte nicht vorliegen.

„Um die Vergleichbarkeit der untersuchten Probanden zu gewährleisten, wurden Probanden mit kieferorthopädischen Vorerkrankungen oder Patienten, die bereits mit der Schienentherapie behandelt wurden, von der Studie ausgeschlossen.

Im Kern sollte die Wirkung der Schienentherapie mit der Kombination aus Schienentherapie und RelaxBogen bei nachgewiesenem Schlafbruxismus und muskulären CMD-Symptomen wissenschaftlich untersucht werden.

Die Vergleichbarkeit der beiden Studiengruppen muss trotz der zufälligen
Verteilung auf die beiden Gruppen immer gewährleistet sein, da sonst die Aussagekraft der Ergebnisse stark eingeschränkt ist.“

2) Was war Ihnen wichtig bei der Durchführung der Studie?

Christoph Seidenstücker: Die Ergebnisse einer Studie müssen signifikant sein („bedeutend, wesentlich, Ergebnis beruht nicht auf Zufall“). In der Studie wurde bewiesen, dass die Kieferöffnung durch den RB verbessert wird. D.h., das Spannungsgefühl ging zurück, der Palpationsschmerz hat sich verbessert.

Der Arzt sollte immer mit einem Fragebogen die Symptome abfragen wie z.B. Parafunktionen. Die Parafunktionen stellen einen wichtigen Faktor im Bereich der muskulären Ursachen für CMD dar. Parafunktionen sind Zungenpressen, Zähnepressen und Zähneknirschen.

Meist wird eine Beißschiene empfohlen, die auch Nebenwirkungen aufweisen kann. Oft kommt es auch erst durch eine Schiene zu Verspannungen.

Um die beste Form der Studie durchführen zu können, müssen Ausschlusskriterien vorliegen. Das können häufig nur Unikliniken leisten. Es müssen außerdem gleiche Voraussetzungen bei den betrachteten Gruppen vorliegen, sonst wird das Ergebnis falsch.

Die Bedeutung der Evidenzbasierten Medizin

„In der Praxis heißt das, Ärztinnen und Ärzte verlassen sich nicht allein auf individuelle praktische Erfahrungen, sondern beziehen auch die Ergebnisse der aktuellen wissenschaftlichen Forschung in ihre Therapie-Empfehlungen mit ein.“

Wie bereits besprochen ist die Studienlage um die angepriesenen CMD-Schienen häufig dürftig. Praktische Behandlungserfolge eines Zahnarztes stellen keinen wissenschaftlichen Beweis dar.

https://www.iqwig.de/ueber-uns/methoden/evidenzbasierte-medizin/

3) Wo finde ich anerkannte Studien oder gute ergänzende Literatur?

Christoph Seidenstücker: Auf der Pubmed Plattform gibt es zum Beispiel sehr anerkannte Studien: Sie erfüllen definierte Qualität Standards und werden von unabhängigen Gutachten überprüft.

Es gibt auch noch andere Quellen: graue Literatur (Konferenzberichte, wissenschaftliche Artikel in Vorveröffentlichungen und unveröffentlichte Bachelor- oder Masterarbeiten) und natürlich Praxiswissen.

4) Haben Sie Erfahrungen mit Patienten, die psychische Erkrankungen haben? Oder funktioniert der RB da schlechter?

5) Haben Sie noch weitere Erkenntnisse innerhalb der letzten Jahre erlangen können?

Einfluss der Zunge auf die Zähne

Ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung von Problemen/Schmerzen ist die Zunge. Myofunktionelle Therapeuten (spezielle Fortbildung in der Logopädie) sagen, dass die Zunge bzw. der Zungenkörper oft nicht an der richtigen Stelle liegt.

Besonders bei Mundatmern liegt die Zunge unten im Zungengrund und übt Druck auf die untere Zahnreihe aus.

Korrekte Zungenruhelage: Das vordere Zungendrittel ruht knapp hinter den oberen Schneidezähnen am Gaumen, ohne dass die Zungenspitze gegen die Schneidezähne drückt.

Eine interessante App aus der Logopädie ist der Kieferfreund:
https://www.kieferfreund.com/kieferverspannungen

Schlafapnoe

Dies ist eine schlafbezogene Atemstörung, bei der es während des Schlafs wiederholt zur Verringerung oder dem kompletten Aussetzen der Atmung durch eine Verengung des Rachenraums kommt.

Therapiert wird die Schlafapnoe meistens mit Sauerstoff-Masken, die auch sehr unangenehm beim Schlafen sein können. Es gibt sogar Kieferoperationen, die die Schlafapnoe heilen können. Na ja …

Aber: Ursache ist wieder einmal die Muskulatur, nämlich die Erschlaffung der Hals- und Rachenmuskulatur.

Zur Vermeidung von Atemaussetzern ist eine richtige Unterkiefer-Lage, die Entspannung des Nackens und eine gute Körperhaltung wichtig.

Meine Empfehlung: Ab Mitte 40 sollte jeder vorbeugende Übungen machen. Je früher das angegangen wird, desto besser wirken die Übungen präventiv.

Eine weitere spannende App aus diesem Bereich ist diese hier:
https://snorefree.com/de/die-snorefree-methode

Physiotherapeutin Klára Rabb und Christian Koch über die RelaxBogen-Therapie, Podcast

Erfindung des RelaxBogens

Nach einer Physiotherapie bei CMD Patienten kam die Frage auf, wie man die Wirkung zeitlich verlängern kann? Da kam die Idee zum RelaxBogen.

Idealerweise sollten die 2 großen Muskeln (beide Mundschließermuskeln: Masseter – Kaumuskel, Temporalis – Schläfenmuskel) angesprochen werden, um die Spannung zu reduzieren. Er sollte von hinten wie ein Bogen gespannt sein und insbesondere für den Schlaf sein.

Dr. Jochen Lambers hat es selbst an sich getestet mit gebogenen Drähten.

Konkurrenz und Kenntnisse über CMD

Es gibt wirklich schon viele therapeutische Ideen, aber bei der Umsetzung ist es nicht leicht, insbesondere für kleine Firmen.

Es ist sehr unterschiedlich, was den Kenntnisstand von Zahnärzten zu Bruxismus und CMD angeht. Es gibt zwar Schienen zum Schutz der Zähne, aber das war es schon.

Faszien-Forscher Robert Schleip

Der bekannte Faszien-Forscher Robert Schleip spricht von einer Release-Technik/ Myofasziale Entspannungstechnik. Faszien umhüllen jede Muskelfaser und eine leichte Berührung über eine längere Zeit entspannt die Muskulatur. Der RB ersetzt quasi die Hände.

Beim Bruxismus sehe ich die Faszie nicht als Hauptübeltäter, sondern als kleine, bescheidene Beitragskomponente, sagt Robert Schleip.

https://schluss-mit-zaehneknirschen.de/faszien-schmerzen-und-bruxismus-dr-robert-schleip-im-interview-audio/

Erkenntnisse von Christian Koch

1) Christian Koch hatte bei der Anwendung erst mal Kopfschmerzen, weil er zu eng eingestellt war. Aber man kann ihn ja verändern.

2) Wichtig war auch ein Klettverschluss, damit er nicht wegrutscht – speziell für nachts.

3) Es gibt aber nicht den einen Ansatz, der alle Beschwerden löst.
Der Aufbiss ist das Problem. Aber darüber wird viel diskutiert.

4) Christian Koch z.B. hat ihn nachts nicht getragen (hat bei ihm nicht funktioniert). Er trägt ihn aber tagsüber, z.B. beim Autofahren.